Der DAX kletterte am Montag und am Dienstag dieser Woche deutlich, dabei ist Krieg. Erst heute, wo der Ölpreis neue Verlaufshochs markiert, kehrt etwas Vernunft ein, und die Kurse sinken wieder. Anleger nehmen die Auswirkungen des Iran-Krieges auf die leichte Schulter, doch die Quittung kommt erst noch. Der DAX taumelt, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Index aus seinem Seitwärtskanal nach unten ausbricht.
Zu Wochenbeginn hatte sich an der Börse eine verdächtige Ruhe eingefunden. Der DAX stieg und Anleger erfreuten sich an den täglich steigenden Kursen, obwohl der Ölpreis über 100 US-Dollar notierte. Eine absolut verrückte Bewegung.
In der Wochenendanalyse „DAX-Ausblick: Rettung durch die Zentralbanken?“ wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, dass die Anleger womöglich auf die Hilfe der Zentralbanken wetten könnten. Aber wie sich gerade zeigt – heute wurden US-Erzeugerpreise klar über den Erwartungen gemeldet –, hat die US-Notenbank Fed gar keinen Spielraum, den Finanzmärkten zu helfen. Sie muss gegen die Inflationstendenzen kämpfen.
DAX, Wochenchart, Stand 23.498 Punkte
Anleger vergleichen den Iran-Krieg mit anderen Kriegsausbrüchen in der Vergangenheit. Doch diesmal liegen die Karten anders, und das scheint noch nicht bei jedem Marktteilnehmer angekommen zu sein. Diesmal ist der Krieg nicht regional zu betrachten, sondern die Auswirkungen (Öl- und Gaspreis sind hoch) werden überall spürbar sein.
Wie schon mehrfach in diesem Blog beschrieben, wird vor allem Öl in der Herstellung von vielen Produkten benötigt, und ist Öl teuer, werden es auch die Endpreise sein. Ganz abgesehen davon, dass ein hoher Benzinpreis ebenfalls die Preise der Endprodukte erhöhen wird, da Logistik und Transport sich ebenfalls verteuern. Solch ein Szenario ist kaum noch abzuwenden, da der Krieg schon zu lange andauert.
In solch einer Situation können die Anleger nicht mehr auf sinkende Leitzinsen hoffen, wie sie es im letzten Jahr getan und die Aktienkurse in der Hoffnung auf billiges Geld bereits weit hochgepusht haben. Zudem werden die Zentralbanken nun wieder den Kampf gegen die Inflation (mehr erfahren) aufnehmen müssen. Da ist kein bisschen Raum für Leitzinssenkungen.
Anleger haben diese neue Marktsituation entweder noch nicht realisiert, oder die wilden Käufe zu Beginn der Woche waren ein Fall all derer, die an der Börse eine heile Welt vorspielen wollten. Wenn dann die Nachfrage zunimmt – Anleger wollen den Kursanstieg nicht verpassen –, folgt ein Abverkauf, so wie heute gesehen.
Der Kurseinbruch am heutigen Tag ist ein schwerer Rückschlag am Aktienmarkt. Am Vormittag hat der Index noch ein Hoch bei 23.957 Punkten markiert, danach ging es abwärts, und das nicht zu knapp. 500 Punkte Kursverlust sind eine ordentliche Hausnummer.
Im obigen Chartbild, es handelt sich um einen Wochenchart, zeigt sich, wie sehr der Index Mühe hat, sich von der unteren Begrenzungslinie des Seitwärtskanals zu lösen. Immer wieder fällt der DAX zurück. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Kursbereich bei 23.300 Punkten aufgegeben wird. Es gibt noch eine Pufferzone bis zur Marke bei 22.927 Punkten. Unterhalb dieser Marke werden die Würfel gefallen sein, und der DAX wird sich zu deutlich tieferen Kursen bewegen. Wir begleiten diesen Weg mit Trading-Signalen (mehr erfahren).
Ein hoher Ölpreis lässt kein Potenzial bei Aktien zu. Hatten sich die Anleger bei Preisen von 100 US-Dollar bereits Sorgen gemacht – heute kostet das Barrel 109 US-Dollar –, so war der DAX-Anstieg entgegen jeglicher Vernunft gewesen.
Anleger sollten die Folgen des Iran-Krieges bedenken. Eine Teuerungswelle ist fast nicht zu vermeiden, und das wird das Geld der Verbraucher dahinschmelzen lassen, die sich dann bei anderen Ausgaben einschränken werden. Unternehmen werden weniger Geld für Investitionen haben. Erhöhen die Zentralbanken im Kampf gegen die Inflation die Leitzinsen, wird Geld teurer für alle. Alles schlechte Nachrichten für den Aktienmarkt.
Wir verfolgen die weitere Entwicklung und veröffentlichen neue Einschätzungen. Lassen Sie sich informieren. Nutzen Sie unseren Newsletter (hier eintragen).
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
start-trading Team
P.S.: Sehen Sie sich den DAX-Trend an. Mit dem Indikatoren-Trading (mehr erfahren).




