Am Aktienmarkt zeigen sich die Anleger unbeeindruckt. Der DAX legt am Vormittag zu. Das ist ungewöhnlich, da der Krieg im Iran zu eskalieren droht. Gleichzeitig fehlt Öl überall in der Welt. Diese Knappheit zeigt sich in einem Ölpreis in der Nähe der 100-US-Dollar-Marke. Trotzdem sind die Anleger nicht auf dem Rückzug, sondern kaufen Aktien. Dieses Verhalten hat möglicherweise folgenden Grund.
Mit einem Raketenangriff auf ein Treibstofflager im Oman begann dieser Tag. Während der DAX außerbörslich bereits bis in den Bereich bei 23.300 Punkten gesunken war, verflog der Schreck jedoch schon bald wieder. Käufe setzten ein, die ungeachtet der geopolitischen Situation eingegangen wurden.
Dabei sollte der Aktienmarkt unter solchen Umständen gar nicht zulegen (können), da ein hoher Ölpreis Probleme bereitet und bereiten wird. Ein hoher Ölpreis verteuert Transport, Energie und viele Vorprodukte. Dadurch steigen die Produktionskosten in vielen Branchen gleichzeitig. Das geht entweder auf die Marge, oder der Absatz leidet. Beides schlecht aus Sicht des Aktionärs.
DAX, Tageschart, Stand 23.438 Punkte
Gleichzeitig werden auch die Verbraucher hart getroffen, die jetzt zum Heizen, Tanken oder im Supermarkt mehr bezahlen müssen und so weniger Geld haben werden, um andere Dinge zu konsumieren. Folglich ist mit einer allgemeinen Zurückhaltung zu rechnen, die das Wirtschaftswachstum bremsen sollte. Auch das ist schlecht aus der Brille des Anlegers, und dennoch wollten sie heute Vormittag unbedingt Aktien erwerben.
Was also kann der Grund sein, warum sich die Anleger nicht abschrecken lassen? Eine mögliche Begründung lautet, dass der Stress im Ölmarkt schon so hoch ist, dass sich Unmut in allen Teilen der Welt ausbreitet. Die Frage, die nun offen gestellt wird, ist, warum Israel und die USA diesen Krieg begonnen haben. Die Weltgemeinschaft hat den Schaden und wehrt sich verbal. Es kommt Druck auf die Kriegsparteien auf.
Die Schlussfolgerung für die Börsen könnte lauten, dass der Krieg so oder so ein Ende finden „muss“. Entweder Iran gibt auf – danach sieht es derzeit nicht aus – oder die USA machen einen Rückzieher (aufgrund des Unmuts im In- und Ausland). In beiden Fällen wäre der Krieg zu Ende, und die Ölversorgung könnte wieder anlaufen.
Anleger rechnen mit dem Kriegsende und kaufen schon einmal Aktien, so wie sie es zu Wochenbeginn mit der Ankündigung des US-Präsidenten bereits getan haben. Die Lage ist jedoch fragil. Aber Börse ist auch Spekulation. Anleger gehen Risiken ein.
Es könnte aber auch anders kommen. Dann wären die letzten Tage die Ruhe vor dem Sturm. Der DAX nähert sich wieder der unteren Linie bei 23.330 Punkten an. Wenn diese nicht gehalten wird, wird es brenzlig am Aktienmarkt, weil dann die Fallhöhe für den DAX sehr hoch ist. Wir begleiten die weitere Bewegung mit Trading-Signalen (mehr erfahren).
Anleger sollten sich nicht von steigenden Kursen verleiten lassen. Solange Öl 100 US-Dollar kostet, kann der Aktienmarkt normalerweise nicht davoneilen. Ganz im Gegenteil: Ein hoher Ölpreis wird die Inflation einheizen und die Notenbanken dazu bewegen, ihre Leitzinsen hochzuhalten bzw. zu erhöhen. Das Fatale dabei ist, dass die Anleger schon das ganze letzte Jahr sinkende US-Leitzinsen eingepreist haben.
Anleger spielen mit dem Feuer. Die Risiken am Aktienmarkt sind hoch. Oberhalb der schwarzen Unterstützungsline kann sich der DAX womöglich stabilisieren. Unterhalb von 23.330 Punkten öffnen sich die Schleußen. Eine defensive Strategie und mehr Cash könnten eine gute Idee für die kommende Zeit sein.
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Mit freundlichen Grüßen
Ihr
start-trading Team
P.S.: Verfolgen Sie den DAX-Trend. Mit dem Indikatoren-Trading (mehr erfahren).




