Der Goldpreis kommt schwer unter die Räder. Noch vor nicht allzu langer Zeit standen die Käufer Schlange bei den Edelmetallhändlern und wollten die Unze für 5.200 US-Dollar kaufen. Dann kam der Iran-Krieg dazwischen und jetzt ist plötzlich alles ganz anders. Ein Hauch von Panik liegt in der Luft. Der Goldpreis verliert in zwei Tagen ca. 10 %. Dabei ist der Grund für den Kurseinbruch naheliegend.
Gold ist normalerweise kein Spekulations-Asset. Zentralbanken besitzen es als Reservewährung. Unternehmen aus dem meist nichteuropäischen Raum auch. Privatanleger besitzen Gold als eiserne Reserve für schlechte Zeiten. In der Regel wird investiert, aber nicht spekuliert.
Das änderte sich mit der Einführung von ETFs. ETF steht für „Exchange Traded Funds“. Sie machten den Zugang zu Gold einfacher. Man muss sich nun nicht mehr in die Schlange beim Edelmetallhändler stellen, keinen Termin bei der Bank machen und auch keinen Gedanken an die Aufbewahrung verschwenden. Man kauft einen Fondsanteil und partizipiert an der Preisbewegung des gelben Edelmetalls.
Gold, Wochenchart, Stand 4.226 US-Dollar
Bevor wir den Blick auf das Chartbild richten und analysieren, wie es weitergeht, müssen wir verstehen, wie ETFs funktionieren. Wenn ein Anleger von einem bevorstehenden Goldpreisanstieg profitieren will, kauft er den Fondsanteil in Höhe seiner Kaufsumme. Der Fonds nimmt dieses Geld und erwirbt damit echtes Gold, kümmert sich um die Transaktion und die sichere Verwahrung. Für seine Arbeit erhält der Fonds eine kleine Gebühr.
Wenn nun durch den Ausbruch des Iran-Krieges die Ruhe am Markt verloren geht, verändern sich die Dinge. Zum Beispiel werden durch den hohen Ölpreis viele Waren teurer. In der Folge wird die Inflation anziehen. Um die Inflation zu bekämpfen, haben die Zentralbanken in der Welt bereits signalisiert, dass sie die Leitzinsen anheben werden. Gold verliert dadurch an Attraktivität. Manche Investoren verkaufen dann ihr Gold, solange der Preis noch gut ist. Mehr über die Zusammenhänge erfahren Sie in dem Buch „Verstehen Sie Geld?“ (mehr erfahren).
Große Gold-ETFs verzeichnen derzeit deutliche Abflüsse. Wenn Investoren ihr Geld zurückhaben wollen, passiert der umgekehrte Fall. Der Fonds muss Gold am Markt verkaufen, um die Kunden auszuzahlen. Das verstärkt den Verkaufsdruck, weil in einem Umfeld, in dem der Iran-Krieg zu eskalieren droht, besonders viele ihre Fondsanteile zeitgleich verkaufen. Ein Hauch von Panik liegt dann in der Luft. Der Verkaufsdruck verstärkt sich und der Goldpreis fällt stark. Die aktuelle Trendrichtung des Goldpreises – vor allem auch, wann genau der Trend wieder nach Norden dreht – können Sie mit dem Indikatoren-Trading verfolgen (mehr erfahren).
Im Chartbild nähert sich der Goldpreis einem Unterstützungsbereich an. Eine Aufwärtstrendlinie (blau) befindet sich im Bereich von 4.000 US-Dollar. An dieser Stelle werden Käufer bereitstehen, die im Erstkontakt für Nachfrage sorgen sollten. Können die Käufer den Abverkauf unterbrechen, ist mit baldiger Nachfrage zu rechnen, die den Goldpreis wieder nach Norden führen wird. Das Kursziel lautet 4.980 US-Dollar.
Dieses Szenario ist gültig, solange die Unterstützungsmarke bei 4.000 US-Dollar verteidigt werden kann. Sollte der Iran-Krieg eskalieren, wird der Preis sofort darauf reagieren und ein Bruch der blauen Linie wäre die Folge. So weit ist es zunächst nicht.
Die aktuelle Panik am Markt rührt vornehmlich aus ETF-Verkäufen. Es handelt sich nicht um echte (nachhaltige) Verkäufer Es sind Anleger, die durch die Nachrichten in Unruhe geraten sind und jetzt schnell ihr Geld in Sicherheit bringen wollen. Man kann sagen, dass ETFs den Goldmarkt spekulativer und dadurch volatiler gemacht haben, sodass Preisbewegungen stärker ausfallen als üblich. Sobald sich die Lage im Nahen Osten beruhigt, sollte sich der Goldpreis schnell wieder erholen.
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Mit freundlichen Grüßen
Ihr
start-trading Team
P.S.: Wie funktioniert Geld? (mehr erfahren)




