Am gestrigen Handelstag hat US-Präsident Trump die Anleger wieder einmal in Atem gehalten. Der DAX sprang plötzlich um 1.200 Punkte nach oben, nachdem er beruhigende Nachrichten über den Iran-Konflikt von sich gab. Doch der erste Impuls, der erste Anstieg, war nicht von Dauer. Der Markt kennt Trump und weiß auch, wie es um seine Ankündigungen steht. Noch am Nachmittag legte der deutsche Aktienindex wieder den Rückgang ein.
Seitdem an der Börse die Handelscomputer dominieren, haben die menschlichen Anleger nicht mehr viel zu melden. Als gestern Vormittag die Nachricht von US-Präsident Trump die Runde machte – nämlich dass sein 48-Stunden-Ultimatum nicht mehr gilt, dass die USA mit der iranischen Führung gute Gespräche geführt hätten und man sich auf eine fünftägige Waffenpause geeinigt habe –, sprang der DAX um 1.200 Punkte nach oben. Da hatte kein menschlicher Anleger die Zeit, die neue Nachricht zu verarbeiten.
Doch schon bald kamen den Marktteilnehmern Zweifel an Trumps Aussagen auf. Die USA hätten mit einer angesehenen Führungsperson aus dem Iran verhandelt, alles sei angeblich super gelaufen (so wie man das von Trump kennt) und die Gespräche seien weit gekommen. Man habe sich zunächst auf eine Feuerpause von fünf Tagen geeinigt. Wirklich Konkretes gab es nicht.
DAX, Tageschart, Stand 22.594 Punkte
Die Wirkung der Worte des US-Präsidenten auf die Börsen ist bekannt. Noch hat er die Kraft, die Kurse zu bewegen – man könnte auch formulieren, er lässt die Anleger nach seiner Pfeife tanzen. Die Börsenindizes stiegen stark an, während der Gold- und der Ölpreis stark nachgaben. Der DAX erreichte ein Tageshoch bei 23.178 Punkten, während zuvor das Tagestief bei 21.863 Punkten markiert wurde.
Nun befinden sich die Marktteilnehmer in der Schwebe. Sie trauen den Worten des US-Präsidenten nicht, denn er ist als TACO-Präsident bekannt. „Trump always chicken out“ bedeutet, dass er zuerst großspurige Ankündigungen macht und dann am Ende doch einen Rückzieher macht. In diesem Fall wären die Aktienkurse viel zu hoch.
Zudem hat der Iran kommuniziert, dass es sich um eine Falschmeldung handele, um den Ölpreis zu bewegen. Es habe weder zuvor noch jetzt Verhandlungen gegeben. Die Anleger bekamen zu Recht Zweifel, und der DAX verlor ein gutes Stück von seinem Tageshoch und schloss den Handelstag bei 22.653 Punkten.
Wie geht es jetzt am Aktienmarkt weiter? Der DAX kann sich oberhalb von 22.200 Punkten stabilisieren. Der Grund liegt in den Köpfen der Anleger, die sich Chancen am Aktienmarkt ausmalen. Sie hoffen auf tatsächliche Gespräche und natürlich auf einen positiven Ausgang. Auf der anderen Seite zögern die Verkäufer, die nun weniger Druck zum Verkaufen ihrer Aktien verspüren. Sofern nicht wieder neue Nachrichten eingestreut werden, ist mit einer Seitwärtsphase zu rechnen, bis die Feuerpause ausläuft. Der relevante Bereich liegt zwischen 22.000 Punkten auf der Unterseite und 22.900 Punkten auf der Oberseite. Eine nachhaltige Befreiung für den Aktienmarkt ist erst ab 23.330 Punkten spruchreif. Unter 22.000 Punkte sollte der Verkaufsdruck wieder zunehmen.
Dass der Markt Trump nicht traut, lässt sich am Ölpreis ablesen. Dieser notiert weiter im Bereich von 100 US-Dollar und ist für einen dauerhaften Anstieg am Aktienmarkt hinderlich. Es braucht jetzt etwas Konkretes, das die Unsicherheit an den Börsen verringern wird. Ansonsten scheint es sich wieder einmal um eine Luftnummer zu handeln.
Wie am Markt bekannt wurde, gab es auffällige Geschäfte kurz vor der Bekanntgabe der Nachricht über die Feuerpause. Fünf Minuten bevor die Meldung die Börsen erreichte, wurden größere Mengen Futures auf den Index S&P 500 gekauft. Gleichzeitig wurde bei Öl auf sinkende Kurse spekuliert. Für irgendjemanden – oder eine Gruppe – war die Nachricht nicht neu, und man hat an der Börsenreaktion verdient. Der Markt tut gut daran, vorsichtig zu sein.
Die Quittung des Krieges werden die Unternehmen und die Bürger mit höheren Preisen bezahlen müssen. Eine höhere Inflation (mehr erfahren) ist bereits am Horizont erkennbar, weshalb der Markt bereits zwei Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr erwartet. Eine nachhaltige Erholung an den Börsen ist unter diesen Umständen schwer vorstellbar.
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Mit freundlichen Grüßen
Ihr
start-trading Team
P.S.: Wohin tendiert der DAX?
Mit dem Indikatoren-Trading (mehr erfahren) den Index im Blick behalten.




