Anleger hoffen auf ein baldiges Ende des Iran-Krieges. Es gibt zwar immer noch nichts Handfestes, aber in einem Börsenumfeld, das von Unsicherheit und Ängsten dominiert ist, reichen auch leere Ankündigungen, um die Anleger nach dem rettenden Strohhalm greifen zu lassen. Trotz eines hohen Ölpreises beendet der DAX eine starke Woche. Doch Marktteilnehmer sollten nicht vorschnell urteilen, denn der Schein könnte trügen.
Am Freitag konnte der DAX nach einem schwachen Start die Kurve bekommen. Der Index holte seine Verluste wieder auf. Erneut griffen die Anleger beherzt zu, als im Tageslauf Hoffnungen auf einen Frieden aufkamen.
Marktberichten zufolge soll es Gespräche zwischen dem Oman und dem Iran geben, um eine Lösung für die blockierte Meerenge „Straße von Hormus“ zu finden. Die Kontrolle und die Durchfahrt sollen zwischen den beiden Nationen geregelt werden. Anleger haben diese Entspannungssignale sofort in Aktienkäufe umgemünzt und den DAX deutlich steigen lassen.
DAX, Tageschart, Stand 23.168 Punkte
Die Hoffnung der Marktteilnehmer basiert weniger auf Konkretem als auf dem Wunsch, zu den Ersten zu gehören, die investiert sind, sobald es etwas zu feiern gibt. Die Gier ist und bleibt ein ständiger Begleiter des Anlegers.
Die letzte Handelswoche verging hauptsächlich mit leeren Ankündigungen von US-Präsident Trump, der die Hoffnung auf Frieden anfachte. Entweder seien die USA in „guten“ bis „sehr guten“ Verhandlungen mit dem Iran, oder der Krieg befinde sich in den letzten Atemzügen. Bis jetzt stimmt nichts davon, aber der DAX stieg dennoch (Wochenplus: 3,8 %).
Die größte Not besteht weiterhin am Mangel an Öl und Gas in der Welt. Als Reaktion hat die Bundesregierung ein Gesetz herausgebracht, das seit dem 1. April Tankstellen erlaubt, die Preise nur noch einmal am Tag anzuheben – senken dürfen sie die Preise, sooft sie wollen. Dieser Plan war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Der Grund ist naheliegend: Die Betreiber können erst einmal den höchsten Preis des Tages verlangen, und dann geht es nur in Minischritten rückwärts. Die Benzinpreise sind jetzt so hoch wie nie zuvor.
Die Politik macht zu viele Fehler – und das auf Kosten der Bürger. Der nächste Fehler bahnt sich bereits an. Als Folge des hohen Benzinpreises will die Politik das zu viel eingenommene Geld der Mineralölkonzerne abschöpfen und dann verteilen. Dieser Weg ist ebenfalls falsch, weil er die Preisspirale von immer höheren Preisen nicht unterbricht. Die Politik versteht die Zusammenhänge nicht. Wir empfehlen das Buch „Verstehen Sie Geld?“ (mehr erfahren).
Die Bundesregierung hätte ganz anders vorgehen müssen. Sie hätte das Risiko eines zu hohen Benzinpreises den Tankstellen auferlegen müssen – heute trägt es der Bürger. Die Lösung: Preise werden einmal am Tag festgesetzt und dürfen danach nicht mehr gesenkt werden. Im Vorfeld der Preisbestimmung rechnet der Tankstellenbetreiber genau aus, was er verlangen kann, ohne zu viel zu fordern. In diesem Fall trägt der Tankstellenbetreiber das Risiko, auf seinem Benzin sitzen zu bleiben, wenn er zu viel verlangt. Dieser Weg wäre entlastend für die Bürger gewesen – und das ganz ohne Bürokratie.
An der Börse ist das Kursplus der abgelaufenen Handelswoche nicht zu überbewerten. Zwar stieg der DAX deutlich, doch in der charttechnischen Betrachtung ist das weiterhin nur eine Korrekturbewegung. Der Index ist erst dann aus dem Schneider, wenn er oberhalb von 23.530 Punkten notiert (gestrichelte fallende Trendlinie). Wie im oberen Teil dieses Artikels beschrieben, ist die Gier der Anleger wieder da, sodass auch ein Ölpreis von ca. 110 US-Dollar die Wertpapierkäufer nicht abschreckt.
Am Montagabend um 21 Uhr Washingtoner Zeit (bei uns Dienstagmorgen um 3 Uhr) endet eine Frist an den Iran, die Kriegshandlungen zu beenden und/oder die Meerenge freizugeben.
In der neuen Handelswoche wird es mit der Unsicherheit an den Aktienmärkten weitergehen. Bereits unterhalb von 23.330 Punkten sollte es wieder abwärts gehen. Das erste Kursziel lautet 22.677 Punkte. Das zweite Ziel ist 22.209 Punkte. Wir begleiten diese DAX-Bewegungen in beide Richtungen mit Trading-Signalen (mehr erfahren).
Die Hoffnung auf Frieden kommt an den Börsen daher auf, weil sich die Anleger eine Fortsetzung des Krieges nicht vorstellen können – zu lange, zu teuer. Das ist so ähnlich, wie wenn der Anleger denkt, tiefer könne ein Aktienkurs nicht sinken. Meist geht dieses Vorhaben schief.
Nur ein echtes Abkommen zwischen den USA und dem Iran oder ein Rückzug der US-Armee würde für wirkliche Entspannung an den Börsen sorgen. Doch wie sich am nicht sinken wollenden Ölpreis zeigt – der würde nämlich als Erster reagieren –, sind die Chancen auf einen baldigen Frieden gering. Die Anleger werden diese Erkenntnis in der neuen Handelswoche in den Kursen einpreisen.
Die Unsicherheit an den Börsen dauert an. Eine Fristverlängerung durch US-Präsident Trump würde als Entspannungssignal gewertet werden. Ein Einsatz von Bodentruppen hingegen als Eskalation. Die Hoffnung auf Frieden hat die Kurse für eine Woche ansteigen lassen. Anleger sollten dieses Wochenplus nicht überbewerten, denn sowohl der DAX als auch der Nasdaq-100-Index haben wichtige Trendlinien bereits gebrochen.
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Mit freundlichen Grüßen
Ihr
start-trading Team
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