Der DAX ist nicht zu bremsen. Der Index steigt losgelöst von fundamentalen und charttechnischen Eindrücken, weil viel neues Kapital in den Aktienmarkt fließt. Der Druck ist außergewöhnlich stark und untermauert die Absichten der neuen Käufer. Sie sehen mehr Potenzial am hiesigen Aktienmarkt als in den USA. Folglich markiert der DAX heute ein neues Allzeithoch.
Die USA haben sich wieder einmal nicht mit Ruhm bekleckert. War für diese Woche ein Ende der Feuerpause in Sachen Zollstreit angedacht – im Kern war diese Pause für einen abschließenden Deal gedacht – so wurde diese Schonfrist in letzter Minute verlängert. Offenbar konnten sich die USA und die EU nicht einigen. Jetzt gilt der 1. August als Stichtag. Das Zoll-Chaos geht weiter.
Der Kursverlauf des DAX in dieser Woche ist außergewöhnlich. Der Index steigt stark. Diese steile Entwicklung kann auf Kapitalzufluss aus dem amerikanischen Raum zurückzuführen sein. Die USA zeigen sich zunehmend als autoritär und lassen dabei Rechtsstaatlichkeit vermissen, was das Kapital flüchten lässt. Zunehmend ist US-Präsident Trump das Gesetz, so scheint es jedenfalls.
DAX, Tageschart, Stand 24.512 Punkte
Zudem sind die USA mit ca. 36 Billionen US-Dollar Schulden enorm hoch verschuldet, sodass kaum mehr Potenzial für Investitionen vorhanden ist. Anders hingegen in Europa, wo das Schuldenausmaß nicht so ausgeprägt ist und in den Augen der Investoren noch Potenzial für Wirtschaft und Aktienkurse bietet.
Besonders die Aufrüstung Europas, wo es keiner Regierung an Geld zu mangeln scheint, lässt die Anlegerherzen höher schlagen. Europa hat entschieden, groß zu investieren, und wo kein Geld vorhanden ist, wird etwas gezaubert und plötzlich sind doch Ausgaben möglich. In Deutschland ist diese Vorgehensweise unter dem geschönten Wort „Sondervermögen“ bekannt.
Das Interesse des Großkapitals gilt demnach dem europäischen Aktienmarkt. Hier kann der DAX glänzen und markiert heute ein frisches Allzeithoch bei 24.514 Punkten. Noch am Ende der letzten Woche notierte der Index bei 23.787 Punkten.
Mit der Markierung des Rekordhochs könnten nun einige Marktteilnehmer auf die Idee kommen, Gewinne mitzunehmen. Zunächst wäre die Mission eines neuen Allzeithochs erfüllt, das neue Kapital investiert und nun können ein paar Profite realisiert werden. Die Unbekannte in dieser Rechnung ist, ob noch mehr Kapital nachkommen wird, das die Kurse treiben wird. Es bleibt eine ungewöhnliche Marktphase.
Die USA wollen zwar „America Great Again“ machen, aber sie machen mit ihrer rabiaten Art viel Vertrauen unter den Handelspartnern kaputt. Die Zollpolitik ist Chaos pur, die Geldpolitik basiert im Wesentlichen auf Schuldenaufnahme (eine Schuldenkrise ist am Horizont). Die US-Politik hat sich der Trump-Politik untergeordnet, sodass auch die Opposition keine mäßigenden Einwände vorbringt. Das Geld in Europa anzulegen, erscheint für das Großkapital in einem solchen Umfeld klüger.
Größere Marktteilnehmer glauben zudem nicht, dass die US-Strategie, den eigenen Markt abzuschirmen, aufgehen wird. Folglich ist auch nicht mit den vielen Steuereinnahmen zu rechnen, die Trump verspricht (die er durch die Zölle einnehmen will), wenn der grenzüberschreitende Handel erlahmt. Wo das Geld fehlen wird, ist der Wunsch, die Druckerpresse anzuwerfen und US-Dollars zu drucken, nicht fern. Das wiederum heizt die Inflation an und vergrößert die Schuldensituation.
Unter diesen Umständen scheint es verständlich, dass vermehrt Großinvestoren ihr Geld lieber in Europa und dort insbesondere in Deutschland anlegen. Die Folge ist ein DAX, der völlig außer Kontrolle geraten ist und nur durch ein neues Rekordhoch diesen Kapitalzufluss abbilden kann.
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Ihr
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