Buchtipp

Die Kurse an den Märkten haben ihre beste Zeit hinter sich. Das zu erkennen ist eine Kunst. Wer erinnert sich nicht an die Zeiten, als viele nach der dot.com Blase ihre Aktien nicht verkauft haben. Oder als Bitcoin im Jahre 2017 einen rasanten Anstieg hinlegte und dann das Meiste davon wieder hergab. Bei jeder Spekulation kommt es auch darauf an, loslassen zu können, indem man die eigene Position schließt. Doch genau das fällt den Anlegern schwer.

Manch ein Marktteilnehmer mag vernommen haben, dass sich die Finanzmärkte in einer unnatürlichen Zeit befinden. Dinge, die früher funktioniert haben, sind nun anders. Theorien, die früher als Erklärung genutzt wurden, sind heute nicht mehr gültig. Das liegt vor allem an der Geldpolitik der Zentralbanken, die alles auf den Kopf stellen. Ein Zins sollte nicht im Minus notieren, das tut er aber. Inflation sollte nichts Erstrebenswertes sein, ist es aber.

DAX, Wochenchart, Stand 12.332 Punkte

Jedwedes Handeln der Zentralbanken führte in der Vergangenheit zu mehr Liquidität. In irgendeiner Form wurde dem Markt Kapital zur Verfügung gestellt. Dieses Kapital, ursprünglich für die Wirtschaft angedacht, fand seinen Weg an die Börsen. In der Folge stiegen die Kurse, während Zinsanlagen keine Gewinne mehr abwarfen. Also investierten dann auch Nicht-Aktionäre am Aktienmarkt, einfach weil diese Anlage sich als alternativlos zeigte. Die Nachfrage nach Aktien stieg, das führte zu immer neuen Käufen. Steigende Notierungen führten zu steigender Nachfrage nach Wertpapieren und das wiederum zu steigenden Kursen. Diese Spirale dreht sich nun 11 Jahre lang.

Und nun sind sich gefühlt alle Marktteilnehmer einig, dass dieser Kreislauf immer so weiter gehen müsse. Die Anleger haben sich an die steigenden Kurse gewöhnt, die Fonds auch, die Unternehmen sowieso. Sogar die US-Regierung unter Präsident Trump sieht es als ihre (nicht offizielle) Aufgabe, für steigende Aktienkurse zu sorgen. Zumindest den Weg für große Geschäfte der Unternehmen zu ebnen. Bei soviel Euphorie und soviel Grundvertrauen in den Aktienmarkt ist an sinkende Kurse nicht zu denken.

Genau hier wäre etwas Abstand ein sinnvoller Schritt. Die extrem starken Übertreibungen an den Aktienmärkten sind nicht normal. Während in den letzten Jahren noch billiges Geld die Sorgen der Unternehmen kaschieren konnte, ist das jetzt anders. Besonders in Deutschland stapeln sich die Gewinnwarnungen von namenhaften Unternehmen. Dieses Zeichen der Zeit zu erkennen, wäre sinnvoll.

Entscheidend wird sein, dass den Anlegern der Ausstieg aus dem Aktienmarkt gelingt, bevor der Wind sich dreht. Diese Wendung zu erkennen wird den allermeisten Anlegern schwerfallen, da sie dem Gewöhnungseffekt ausgesetzt sind. Dieser scheibt die Vergangenheit gedanklich fort und der Anleger hofft weiter auf steigende Notierungen. Diesem Fehler kann er nur entgehen, wenn er sich Limits setzt, an denen die Aktien auf jeden Fall veräußert werden. So gelänge der Ausstieg und der Anleger hätte Kapital für neue Käufe, nachdem die Kurse gesunken sind.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

P.S. Was Sie schon immer über Geld und Wirtschaft (hier) wissen wollten.

 

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