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Zinsen sind gut, Zinsen sind schlecht. Je nachdem, wen sie fragen, sind die Antworten unterschiedlich. Lange hat die Europäische Zentralbank gezögert ihre Nullzinspolitik zu ändern. Verschuldete Staaten und Firmen, die auf Fremdkapital angewiesen waren, haben sich gefreut. Auch die Anleger an den Börsen waren über das billige Geld glücklich. Mit dem gestrigen Tag ist die Zinswende auch in der Eurozone eingeläutet worden. Nun werden die Karten neu gemischt werden.

Mit einer Leitzinsanhebung um unerwartete 0,50 Prozentpunkte gelang den Währungshütern eine Überraschung. Damit hat auch die Eurozone ihre Zinswende eingeläutet. Viel zu spät, wenn es nach der Marktmeinung geht. Anleger zeigen sich von diesem Schritt zunächst nicht verschreckt. Es ist gut, dass die EZB ein klares Zeichen im Kampf gegen die Inflation gesetzt hat. Bei einer Inflationsrate von 8,6 % im Juni in der Eurozone gab es auch dringenden Handlungsbedarf.

In der Relation betrachtet muss die EZB jedoch noch viele weitere Zinsanhebungen durchführen, um der Inflation wirklich Paroli bieten zu können. Nach ihrer Kommunikation zu urteilen, will sie jedoch erstmals abwarten und die Datenlage prüfen. Anders ausgedrückt, es fehlt die klare Entschlossenheit. Im Grunde hofft die EZB, dass sich der Preisauftrieb von selbst beruhigt und sie dann nicht mehr gezwungen sein wird, die Leitzinsen weiter anzuheben. Agieren im Hoffnungsmodus ist sowohl in der Geldpolitik als auch an der Börse jedoch keine gute Sache.

DAX, Wochenchart, Stand 13.279 Punkte

Der EUR/USD Kurs tendiert wieder zur Parität. Nach einer Aufwärtsreaktion bei Bekanntgabe der Leitzinsentscheidung kommt der Eurokurs wieder unter Druck. Dies liegt an dem neuen Programm Transmission Protection Instrument (TPI), das die EZB einzusetzen gedenkt, wenn die Zinsdifferenz zwischen den Staaten der Eurozone auseinanderdriften sollte. Notieren z.B. italienische Anleihezinsen viel höher als zum Beispiel die deutschen, dann plant die EZB in den Marktmechanismus der Preis- und Zinsfindung einzugreifen. Und da es am Finanzmarkt Investoren gibt, die dieses Versprechen austesten wollen, werden sie die EZB herausfordern.

Der DAX hat nach seinen letzten beiden Wochenkerzen, die aktuelle ist noch in der Ausarbeitung, die Vorlage für steigende Kurse nutzen können. Die daraufhin einsetzende Aufwärtsbewegung prallte an der Widerstandslinie bei 13.400 Punkten ab. Nun gilt es auszuloten, inwieweit noch eine weitere Kaufwelle den Index erfassen kann. Oberhalb von 13.330 Punkten hat der DAX die Chance, bis in den Bereich bei 13.780 Punkten anzusteigen.

Am Tag nach der Leitzinssenkung der EZB zeigen sich die Anleger gefasst. Im Moment wiegen in den Köpfen der Anleger die Chancen höher als die Risiken. Lieber die EZB handelt, als dass die Inflation sich verfestigt, ist der Gedankengang. Zudem kommt auch Gas aus Russland in Deutschland an, was zunächst die gröbsten Ängste in der Politik und der Wirtschaft beiseite räumt. Kurzfristig scheint der Wunsch nach einer Fortsetzung der Aufwärtskorrektur stärker zu wiegen als die zukünftige Liquiditätsverknappung durch die EZB. Die Stimmung an den Börsen steht auf einem wackligen Fundament.

Am Wochenende werden wir den Ausblick für die kommende Woche veröffentlichen. Lassen Sie sich informieren. Nutzen Sie unseren Newsletter (hier eintragen).

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

P.S: Zinsanhebung wird Folgen haben (mehr erfahren)

 

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