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An der Börse ist das Unerwartete nicht fern, wie man anhand der Kursreaktion gestern Abend verfolgen konnte. Da haben Anleger tagelang die Sorge vor der Leitzinserhöhung der US-Notenbank FED geäußert, um dann nach der Verkündung einer starken Anhebung um 0,5 Prozentpunkte, sofort Aktien zu kaufen. Obwohl das Ungewollte für die Marktteilnehmer eingetreten ist, gingen die Aktienkurse in den Rallyemodus über und legten deutlich zu. Heute, am Tag danach, sehen die Anleger wieder klarer.

Die mediale Begleitmusik zu dem starken Plus der US-Indizes, und damit auch im abendlichen Handel des DAX, konzentrierte sich auf die zukünftigen Zinsschritte der US-Notenbank FED, die angeblich weniger stark ausfallen sollen. Wer Angst vor einem massiven Zinsschritt zur nächsten Sitzung hatte, im Gespräch waren 0,75 Prozentpunkte, der wurde durch FED-Chef Powell beruhig. So aggressiv wolle man nicht vorgehen. Wer von den Marktteilnehmern Sorge vor einer schnellen Bilanzverringerung der US-Notenbank hatte, auch der bekam gute Nachrichten. Man wird nur in kleinen Schritten vorgehen.

DAX, Stundenchart, Stand 14.249 Punkte

Die gute Nachricht an die Marktteilnehmer war somit, dass die US-Notenbank die Investoren schonen werde. Sofort wurde diese Aussage als Grund genommen, um die Indizes stark ansteigen zu lassen. Dabei sollte bedacht werden, dass bei so plötzlichen Anstiegen, vor allem computergestützte Programme die Kontrolle übernehmen. Sie reagieren als erster, starten ihre Kaufprogramme und das lässt dann andere Handelscomputer ähnlichen Aktionen beginnen, sodass dann steile Linien im (intraday) Chartbild auftauchen, die ohne Rücksetzer immer weiter klettern. So auch gestern Abend.

Was also ist die Schlussfolgerung aus den Informationen von gestern Abend? Die Notenbank FED bekämpft nur vordergründig die Inflation. Sie hatte in den letzten Monaten die Muskeln spielen lassen, doch jetzt kommt ein Rückschritt. Dabei herrscht überall Preisdruck. Es ist unmöglich, dass die FED da größere Zinserhöhungen ausschließen kann. Doch wer die Finanzmärkte beruhigen möchte, der macht so etwas, auch wenn es unsinnig ist.

Der DAX hatte Druck im Bereich bei 14.000 Punkten erzeugt, wie in dem Artikel „DAX: Gelingt der Ausbruch?“ vorgestellt wurde. Mit dem Sprung über die rote Linie bei 14.030 Punkten ist nun Freiraum bis 14.888 Punkten geschaffen worden. Ob diese Chance genutzt werden kann, bleibt zunächst abzuwarten. Im Stundenchart ist der Bereich bei 14.190 Punkten unterstützend. Der DAX sollte jetzt einen Rückfall unter die rote Linie vermeiden, damit das positive Ausgangsszenario erhalten bleibt.

Short Signal ID 3232

Die US-Notenbank spielt schon wieder mit dem Vertrauen bzw. ihrer Reputation. Sie hat sich bisher mit der Einschätzung des Preisdruckes, den Inflationserwartungen und ihren Handlungen nicht besonders glücklich gezeigt. Jetzt war für einen kurzen Moment eine klare Linie zu erkennen, so in der Art, wir werden die Inflation  bekämpfen, dass ist unser Ziel. Doch davon ist seit gestern Abend nicht viel übrig geblieben. Sie hätte bei ihrer ursprünglichen Kommunikation bleiben sollen, ohne dem Finanzmarkt um den Mund zu reden. Die FED kann den Inflationsdruck mit ihrer zögerlichen Art nicht aufhalten, der sich aus stark steigenden Erzeugerpreisen, Materialmangel, Lohndruck usw. ergibt. Auch wenn sie jetzt gewillt ist, die Börsen zu schonen, das Problem Inflation wird sie nicht los und das gilt es als Börsenanleger zu beachten.

Für den Moment müssen sich die Marktteilnehmer zunächst sortieren. Die Kursreaktion der Börsenindizes am gestrigen Abend fiel zu stark aus und ist eher technischer Natur. Es darf gezweifelt werden, wie viel mehr Vertrauen die Anleger jetzt in den Aktienmarkt haben werden. Mehr als eine Erleichterungsrallye ist nicht drin.

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Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

P.S: Verfolgen Sie den DAX-Trend auf 4 Zeitebenen (mehr erfahren)

 

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