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Wer bisher sinkende Kurse nicht für möglich erachtet hat, der wurde am Freitag mit einer ganz neuen Dimension am deutschen Aktienmarkt konfrontiert. Der DAX fiel heftig und hinterlässt im Chartbild eine extrem große rote Kerze. Anleger können sich jetzt aus den vielen Gründen für den Abverkauf einen aussuchen, denn es mangelt nicht an Risiken. Die aktuelle impulsive Abwärtsbewegung läutet eine Phase sinkender Notierungen ein, die folgendes Kursziel verfolgt.

Lange wollten die Marktteilnehmer den überteuerten Aktienmarkt nicht verlassen. Zu sehr hat sie die Gier im Griff gehabt, dass die Aktienkurse weiter steigen werden (manche sagten gar „müssten“) und da wollte man unbedingt dabei sein. Da half auch der Hinweis nicht, dass die Preisanstiege für Aktien allein durch Stimulation erfolgten und fundamental nicht gerechtfertigt seien. Irgendwer macht Schulden und vergibt Aufträge, die dann den Unternehmen zugute kommen. Das bringt uns gleich zum Schuldenturm aus China, nämlich Evergrande. Der Immobilienkonzern wankt und muss gleich am Montag fällige Zinsen zurückzahlen. Nur hat der Riese kein Geld und in der Not leiht ihm auch niemand frisches. Es wird spannend am Montag. In dem Beitrag „DAX-Ausblick: Ist Evergrande die neue Lehman?“ haben wir frühzeitig eine Parallele zum Ausbruch der Bankenkrise in den USA 2008 gezogen.

DAX, Tageschart, Stand 15.490 Punkte

Eine Mehrheit der Anleger wollte bis zuletzt nicht an die Risiken einer Evergrande Pleite glauben. Das sei ein chinesisches Problem, so die erste Haltung. Doch das ist weit gefehlt. Die Vernetzungen, die zu einem Dominoeffekt in der Welt führen könnten, sind tatsächlich geringer als bei der US-Bank. Bei Lehman wurden die Kredite der Bank gebündelt und als neue Wertpapiere an Investoren in der ganzen Welt verkauft (mehr erfahren). Das ist bei Evergrande nicht der Fall, doch die Auswirkungen können an anderer Stelle gravierend sein.

China ist die Konjunkturlokomotive der Welt. Wenn eine Vielzahl der Menschen dort ihr Geld bei der Evergrande Pleite verlieren oder durch Kollateralschäden Aufträge und Arbeitsplätze vernichtet werden, dann werden diese Leute kein Geld mehr haben, um z.B. deutsche Autos zu kaufen. Über einen Umweg ist die deutsche Wirtschaft also dennoch betroffen. Noch ist Evergrande nicht bankrott doch die Anleger erkennen (zu spät) die Risiken und verkaufen ihre Aktien.

Der DAX hat sein erstes Kursziel bei 15.502 Punkten erreicht. Gleich zu Wochenbeginn gilt es diese Marke zu verteidigen. Unter den aktuellen Umständen sieht es jedoch nicht danach aus. Die Sorgen der Marktteilnehmer sollten überwiegen, was die Käufer abwarten lässt. Naheliegend ist demnach ein Abrutschen des DAX bis in den Bereich bei 15.307 Punkten. An dieser Stelle kann eine kurze Gegenbewegung erfolgen, die dann die ursprüngliche Unterstützungslinie bei 15.502 Punkten ansteuern sollte. Spätestens von diesem Niveau aus geht es rasant abwärts. Diese Verkaufsbewegung verfolgt ein Korrekturziel bei 14.850 Punkten. Dieses Kursziel wurde bereits am 22. August in der Analyse „DAX-Ausblick: Kursziel für den Herbst“ vorgestellt.

Short Signal ID 3070

Für die kommende Woche gilt es noch kurz auf die DAX-Umstellung hinzuweisen. Da passiert deutlich weniger, als die Medien kommunizieren. Die DAX-Familie wächst auf 40 Mitglieder an. Für den durchschnittlichen Anleger stehen keine besonderen Veränderungen an. Man macht den DAX für internationale Anleger hübscher, was auf Kosten des MDAX geht. Der Erfolg solch einer Maßnahme muss sich erst noch zeigen, denn solange man in Deutschland Unternehmen wie Delivery Hero oder Hello Fresh als Technologieunternehmen bezeichnet, solange hat man noch nicht das richtige Bewusstsein für Qualität erkannt. Internationale Anleger werden diese falsche Wahrnehmung sofort erkennen.

Es geht am Aktienmarkt gerade weniger um die Nachrichten an sich, sondern dass Gewinnmitnahmen losgetreten worden sind. Niemand wartet jetzt noch auf bessere Zeiten, sondern handelt. Wer zögert, der muss mit niedrigen Aktienkursen rechnen. Die laufende Abwärtsbewegung sollte deshalb an Fahrt gewinnen und den DAX weiter sinken lassen.

Wir verfolgen den DAX-Verlauf und veröffentlichen neue Einschätzungen. Lassen Sie sich informieren. Nutzen Sie unseren Newsletter (hier eintragen).

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

P.S: Dem Trend folgen. Mit dem Indikatoren-Trading klappt’s (mehr erfahren)

 

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