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Es geht um die Gamestop Aktie und die Hintergründe, warum diese Aktie solche Sprünge hinlegt. Es klingt wie in einer geheimnisvollen Geschichte, wo sich die Helden auf den Weg machen, einen übermächtigen Gegner zu bezwingen. Schnell schlagen sich die Medien auf die Seite der Großen. Die Kleinanleger würden schummeln, zocken und das Finanzsystem ins Wanken bringen. „Alles falsch“, muss man sagen, denn die Kleinanleger tragen keinesfalls eine Schuld, wenn ein Hedgefonds ins Wanken gerät.

Zum Einstieg kurz eine Info zu den Hedgefonds und wie sie ihr Geld verdienen: Sie leihen sich Aktien, die ein Fonds oder eine Versicherung in den Depots liegen hat, und verkaufen diese am Markt. Ihr Ziel ist es, von fallenden Kursen zu profitieren. Wie läuft das? Sie streuen Gerüchte, manchmal sprechen sie auch die Wahrheit, man weiß das nie so genau, denn sie haben ein Interesse an negativer Berichterstattung. Sie wollen das jeweilige Unternehmen in einem schlechten Licht dastehen lassen. Normale Aktienanleger bekommen solche Aktionen selten mit. Sie sehen nur die negativen Meldungen zu ihrer Aktie und verkaufen ihre Anteile. Der Kurs fällt. Daraufhin geraten noch mehr Anleger in Sorge und verkaufen ebenfalls  ihre Wertpapiere. Der Kursrückgang beschleunigt sich. Stoppkurse werden ausgelöst und die Verkäufe nehmen zu. In diesem Moment, in der die kleinen Aktienanleger verängstigt ihre Aktien veräußern, kauft der Hedgefonds diese am Markt wieder zurück.

In einem Zahlenbeispiel wäre das Folgendermaßen: Der Hedgefonds verkauft eine geliehene Aktien für 80 Euro am Markt, drückt dann die Kurse und kauft sie dann für 50 Euro wieder auf. Der Gewinn sind dann satte 30 Euro pro Aktie. Eine Gebühr muss dann noch an den Verleiher bezahlt werden. Solche Geschäfte finden ständig statt und sind ein Teil der Börse.

Gamestop, Wochenverlauf (25-29.01.2021), Stand 325 USD

Um die Geschehnisse rund um Gamestop-, AMC- und andere Aktien verstehen, ist das Wissen über die Entstehung von Verlusten elementar, denn es gibt einen wesentlichen Unterschied. Der durchschnittliche Anleger kauft Aktien und hofft auf steigende Kurse. Er kauft billig und möchte teuer verkaufen. Er kann maximal seinen Einsatz verlieren, wenn seine Aktie auf Null fällt. Jetzt schauen wir uns an, wie das bei den Hedgefonds läuft. Diese verlieren Geld, wenn ihre Aktie (die sie zuvor verkauft haben) im Preis ansteigt. Wir erinnern uns, die Hedgefonds betreiben Shortselling, sie verkaufen teuer und kaufen günstig zurück, nachdem der Aktienkurs gefallen ist.

Dieser Plan geht nicht auf wenn der Kurs unerwartet ansteigt, weil dann der Hedgefonds mit seiner Position ins Minus rutscht. An die Zeilen vom obigen Abschnitt angelehnt bedeutet das: der Hedgefonds verkauft seine geliehenen Aktien für 80 Euro und nun kosten die Papiere 100 Euro. Der (noch nicht realisierte) Verlust beträgt 20 Euro pro Aktie. Mit diesem Wissen können wir jetzt auf den wunden Punkt hinweisen. Im Gegensatz zum durchschnittlichen Anleger kann ein Hedgefonds unendlich viel Geld verlieren. Warum? Nach oben gibt es keine Grenze. Eine Aktie kann immer weiter steigen und ein Verlust ins Unermessliche ansteigen lassen.

So, nun geht es los: Die Hauptdarsteller sind u.a. die Hedgefonds Citadel und Melvin Capital. Diese haben die Gamestop-Aktie ins Visier genommen. Ein Unternehmen, dass Elektronik Fachmärkte betreibt und Videospiele verkauft. Es hat den Wandel zum Onlinebusiness verschlafen und ist nun ein leichtes Opfer für die gierigen Hedgefonds. Hedgefonds sind Wölfe, keine Investoren. Sie stürzen sich auf ein schwaches Opfer, nehmen es aus und rühmen sich daraufhin, wie viel Geld sie gewonnen haben.

Entgegen den Meldungen in den Nachrichten haben sich hier nicht einfach nur Hobbytrader in einem Forum zusammengeschlossen und losgelegt. Sie haben erkannt, wie riskant eine Shortquote von 140 % ist. Das ist ein unglaublicher Wert. Was bedeutet das? Es wurden mit mehr Aktien auf sinkende Kurse gewettet, als es am Markt überhaupt gibt. Viele Hedgefonds wollten sich hier zeitgleich eine goldene Nase verdienen, weil sie glaubten ein besonders schwaches Unternehmen vorzufinden. Sie spekulierten auf leicht verdientes Geld. Das passiert, wenn die Gier stärker ist als das Hirn.

Die Anleger von Wallstreetsbets haben also an einer wichtigen Stelle angesetzt. Hedgefonds müssen die Aktien zurückkaufen, wenn ihre Positionen ins Minus rutschen. Sie haben sich die Gamestop-Aktien ja nur geliehen und müssen diese alsbald zurückgeben. Die Käufer von Wallstreetsbets brauchen also gar nicht so viel Geld in die Hand nehmen, um zum Beispiel ein ganzes Unternehmen aufzukaufen, sondern sie müssen nur zusehen, dass der Aktienkurs etwas ansteigt, denn dann kommen die Hedgefonds in Not (Verluste laufen auf). Genau das gelang den Hobbytradern.

Was passiert mit dem Aktienkurs? Zuerst kaufen die Trader von Wallstrettsbets, der Aktienkurs erfährt Nachfrage und setzt sich in Bewegung. Durch die Kommunikation in den Foren werden immer mehr Anleger auf die Gamestop-Aktie aufmerksam. Sie kaufen sich ebenfalls in den Anstieg hinein. Der Kurs klettert nach oben. Der Ansteig weckt das Interesse der Medien, diese lenken die Aufmerksamkeit auf die Gamestop-Aktie und Spekulanten und Trader machen hier mit. Sie riechen den schnellen Gewinn. Der Aktienkurs steigt immer stärker an. Und nun kommt es zu dem berichtigen Moment, der sich Shortsqueeze nennt. Sie können sich das mit dem Ausdrücken einer Zitrone vorstellen. Die Hedgefonds werden ausgepresst, weil einer nach dem anderen in Panik gerät und die wenigen Aktien am Markt zurückkauft. Also diejenigen, die zuvor auf fallende Kurse gehofft haben, die erzeugen jetzt selbst Nachfrage nach der Gamestop-Aktie und der Kurs geht durch die Decke. Die Käufer aus den Foren und die Hedgefonds kaufen um die Wette. Das alles passierte letzte Woche.

Die Freude, dass die Kleinanleger es hier dem starken Player aus der Wall-Street gezeigt haben, hielt nicht lange. Denn die Hedgefondsunternehmen haben Macht und Verbindungen. In einer koordinierten Aktion meldeten am Donnerstag plötzlich viele Broker, dass sie den Kauf der Gamestop-Aktie aussetzen. Ein Shock für die Gemeinschaft! Wenn die Privattrader keine Gamestop-Aktien mehr kaufen können (Verkaufen war möglich) ließ sich kein Druck mehr aufbauen und der Aktienkurs fiel wieder zurück. Vermutlich wird das jetzt Teil mehrerer Untersuchungen, unter anderem der Börsenaufsicht SEC, weil hier Absprachen getroffen wurden, um nicht noch mehr Hedgefonds in Liquiditätsschwierigkeiten zu bringen. Das wäre ein illegaler Eingriff in das Börsengeschehen. Die Entrüstung im Web ist groß und das zu Recht.

Schnell wurde versucht, die Jungs von Wallstreetbets als böswillig zu betiteln, die das Finanzsystem ins Wanken bringen würden. Das ist großer Quatsch, der in vielen Medien wiederholt wurde. Die Hobbytrader haben nur das System genutzt. Sie haben niemandem erlaubt, mehr Aktien zu shorten, als vorhanden sind. Sie haben niemanden gesagt, mit dem Geld ihrer Kunden solche Risiken einzugehen. Das Finanzsystem ist völlig undurchsichtig und die Entwicklung der letzten Woche hilft, dieses Durcheinander zu hinterfragen.

Finanzielle Bildung ist wichtig

Die Wahrheit ist schlicht. Die Hedgefonds sind viel zu gierig gewesen und haben jegliche Risikovorsorge unterlassen. Niemand sollte eine Aktie shorten, die solch eine enorme Shortquote hat. Den Privatanlegern wird immer eingetrichtert, geht nicht zu hohe Risiken an der Börse ein, aber die Hedgefonds halten sich nicht an diese Regel. Die Jungs von Wallstreetbet können nichts dafür, dass die Hedgefonds sich selbst in Schieflage gebracht haben. Wer das Risiko eingeht, muss auch die Rechnung für den Fall tragen können, wenn die Wette nicht aufgeht. Wenn es das Finanzsystem erlaubt, dass Hedgefonds mit geliehenen Aktien solche Schieflagen im System hervorrufen können, dann muss man schon an der Quelle ansetzen und nicht mit dem Finger auf die Hobbytrader zeigen.

Eine weitere Wahrheit ist, dass die Broker hier einen Bärendienst geleistet haben. Sie haben sich mit dem Verbot des Handels auf die Seite der Hedgefonds geschlagen, anstatt die Interessen ihrer Kunden zu verteidigen. Am Freitag ist manchen Brokern ein Licht aufgegangen, nämlich dass sie einen Fehler gemacht haben. Sie beeilten sich die Scherben aufzukehren, doch die Jungs von Wallstreetbets sind schlau genug um zu erkennen, nach wessen Musik die Broker tanzen. Wenn es wirklich um die Freiheit des Handels geht, dann hätten sich die Broker an diesem Donnerstag hervortun müssen und den Handel mit den Gamestop-Aktien weiter erlauben müssen.

Der Kampf zwischen den Guten und den Bösen, zwischen Klein und Groß, wird weitergehen. Hier haben die kleinen Anleger eine Möglichkeit gefunden, sich gegen die Machenschaften der großen Marktteilnehmer zur Wehr zu setzen. Die Börse ist Zockerei, die Börse ist nicht fair. Die großen Marktteilnehmer haben schon eine viel zu lange Zeit auf dem Rücken der Kleinanleger ihre Gewinne eingefahren. Umso wertvoller ist hier der Mut, mit dem sich die Hobbytrader zur Wehr setzen.

Ihre Aktion hilft besonders, dass sich mehr Menschen mit finanzieller Bildung (mehr erfahren) beschäftigen. Sie regt zur Diskussionen in der Politik an, denn der Markt regelt sich keinesfalls von selbst. Der Staat muss sich hier an die Nase fassen, denn er hat zur Deregulierung maßgeblich beigetragen und kann die Finanzwirtschaft jetzt kaum bändigen. Es muss auch wieder ein Gleichgewicht geschaffen werden, damit alle Marktteilnehmer dieselben Chancen an den Börsen wiedererlangen. Damit all das gelingen kann, muss man die Wahrheit kennen.

Zur Wahrheit gehört auch, dass an der Börse nicht alle gewinnen können. Der Leitspruch „together strong“ ist gut aber an der Börse unvollständig. Auch unter den Jungs von Wallstreetbets wird es Gewinner und Verlierer geben. Die Gamestop-Aktie wird auch wieder in den Keller rauschen, wenn die Euphorie verpufft ist. Daher ist es wichtig, das eigene Risiko an der Börse zu kennen und einzugrenzen.

Wir verfolgen die weitere Entwicklung und melden uns mit neuen Beiträgen. Lassen Sie sich informieren. Nutzen Sie unseren Newsletter (hier eintragen).

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

P.S. IOTA ist eine kluge Zukunftstechnologie (mehr erfahren)

 

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