Indikatoren-Trading

Die Akteure an den Finanzmärkten sind nicht immer zu verstehen. Manchmal scheuen sie die Unsicherheit, greifen aber beherzt zu, wenn es irgendwo Kriege gibt. In solchen Momenten malen sie sich Chancen aus, die zwar niemand sieht, aber an der Börse rechtfertigt der Gewinn jede Handlung. Derzeit ist der Krieg in Syrien ein Thema, der Handelskrieg zwischen USA und China ebenso, sowie der Nervenkrieg rund um den Brexit. Überall herrscht Unklarheit und trotzdem notiert der DAX am Jahreshoch.

Noch Mitte August notierte der deutsche Aktienindex bei 11.300 Punkten. Zwei Monate später ist der Index bis auf 12.900 Punkten geklettert. In dieser Zeit wurden die wirtschaftlichen Aussichten schlechter und die Unternehme haben Prognosen zurückgenommen und Stellenkürzungen angekündigt. Nichts also, warum Investoren in solchen Zeiten Aktien kaufen müssten. Gleichzeitig haben die Anleger auf ein Ergebnis beim Handelskrieg zwischen den USA und China gehofft, passiert ist nichts. Und das endlose Thema Brexit, das ursprünglich am 31. Oktober 2019 ein Ende finden sollte, geht wieder einmal in die Verlängerung. Alles keine Gründe, um genau jetzt zu investieren.

DAX, Stundenchart, Stand 12.892 Punkte

Der Aktienmarkt hat zur Kursrallye angesetzt, als die US-Notenbank FED von ihrem Kurs abwich und eine neue Runde der Stimulation der Märkte in Aussicht gestellt hat. Die Anleger sind so dressiert, dass sie die Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben. Was beim ersten Mal, nach dem Ausbruch der Lehman-Krise, funktioniert hat, soll wieder klappen. Die Wirtschaft soll zum Wachstum angetrieben werden. Doch diesmal wiederholt sich die Geschichte nicht.

Es ist so, als ob jemand eine Lüge erzählt. Beim ersten Mal hört man gespannt zu und beginnt auch sofort zu handeln. Es setzt sich eine Bewegung in Gang. Doch beim zweiten Mal ist die Situation eine andere. Nicht, dass die Zentralbanken lügen würden, doch ihre Mittel haben an Wirkungskraft verloren. Gesenkte Zinsen haben eine stimulierende Wirkung. Diese Runde ist jedoch schon vorüber. Die Zinssätze sind ja weit gesenkt worden und notieren bekanntlich bei Null (EZB) oder nahe der Nulllinie (FED). Noch tiefer geht es es im Normalfall nicht. Im nächsten Schritt bleibt nur noch der Negativzins und dieser ist keinesfalls positiv, wie es fälschlicherweise in den Nachrichten wiedergegeben wird.

Und dennoch steigen die Aktienkurse in einem Umfeld, in der ganze Branchen (Industrie, Automobil) vor einem Wandel stehen. Investoren sind dabei getrieben von dem Wunsch, immer investiert zu sein. Ihnen fehlen die Alternativen, so die gängige Meinung. Dabei gibt es auch funktionale Gründe, wie der Hype um ETF’s. Je mehr Leute in diese Anlegeform investieren, umso mehr Geld muss in den entsprechenden Aktien angelegt werden. Somit geht den Börsen eine Grundnachfrage bisher nicht verloren, auch wenn die Rahmenbedingungen schlechter werden. Erst wenn die Nachfrage nach ETF’s nachlässt bzw. die Kunden ihre Gelder abziehen, dann erst werden Marktteilnehmer erkennen, dass auch ETF‘s im Preis sinken können. An der Börse ist nichts eine Einbahnstraße, auch wenn es manchmal für eine kurze Periode so wirken mag.

Den Anlegern wird in immer größer werdenden Tafeln angezeigt, dass viele Krisen auf sie zukommen. Vor allem jedoch sind die konjunkturellen Aussichten trüb. Wenn Unternehmen weniger oder gar nichts verdienen, dann hat der heutige Käufer von seinem Aktieninvestment nichts, da kann er sich noch die besten Hoffnungen machen. Im Moment jedoch prallt jede Sorge am Markt ab, und jeder, der in diesen riskanten Zeiten einkauft, klopft sich erst einmal auf die eigene Schulter, weil er denkt, alles richtig gemacht zu haben. Der DAX notiert bekanntlich auf Jahreshoch.

Trotz aller Euphorie an den Börsen kann der Anleger leicht erkennen wie es um den Markt tatsächlich steht. Jeder sollte sich fragen, welches der vielen Probleme (Bankenkrise, Schuldenkrise, Flüchtlingskrise, Handelskonflikt oder der schwelende Krieg im Nahen Osten) gelöst wurde. Wenn Ihnen nichts einfallen sollte, dann sind Sie nicht allein. Die Kursentwicklung am Aktienmarkt passt gerade gar nicht zu den Gegebenheiten in der Realität. In der Regel passen sich die Börsenkurse über kurz oder lang an die wirklichen Rahmenbedingen an.

Spannende Zeiten stehen bevor, bleiben Sie informiert.

Internet: krisenblick.de – Meinungen von Blogs und Medien (extern ansehen)

Buch: Verstehen Sie Geld? – Die Folgen der aktuellen Politik (extern ansehen)

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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