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Heute ist der Tag, auf den so viele Anleger gewartet haben. Das Unternehmen Teamviewer hat den Börsengang gewagt. Solch ein Start am Aktienmarkt wird häufig mit tollen Kommentaren und großem Event begleitet. Je mehr Aufmerksamkeit für die neue Aktie entsteht, umso besser, und natürlich soll jeder an dieser Erfolgsgeschichte mitverdienen. So jedenfalls die unterschwellige Werbesprache. In Wahrheit gewinnen andere.

Anleger haben es schwer einen Börsengang richtig zu bewerten. Die Zahlen, die man zu Gesicht bekommt, sehen meist blendend aus und sollen natürlich die Investoren überzeugen, diese Aktie zu zeichnen. So nennt man die Bestellzeit, in der Anleger die neuen Aktien ordern können, noch bevor man sie an der Börse handeln kann. Die Werbetrommel scheint gut gerührt worden zu sein, denn die Aktien von Teamviewer konnten zum gewünschten Ausgabepreis von ca. 26,25 Euro unter die Leute gebracht werden.

Teamviewer, Intradaychart, Stand 25,30 Euro

Mit dem heutigen Tag beginnt nun der Handel. Der erste Kurs lag bei 26,25 Euro, also in Höhe des Ausgabepreises. All diejenigen, die sich die Aktie im Vorfeld gekauft haben, sind enttäuscht, denn sie hatten auf ein Kursplus zum Börsenstart gehofft. Daher sprechen die Medien jetzt von einem „schwachen Start“ und manche auch von einer „Enttäuschung“.

Ab jetzt können diejenigen, die im Besitz der Aktie sind, diese verkaufen, und diejenigen, die von den zukünftigen Aussichten des Unternehmens überzeugt sind, diese kaufen. Offenbar sind nicht so viele Anleger bereit diesen Wert zu kaufen, denn der Kurs fällt am ersten Tag zurück. So etwas ist häufig der Fall, wenn die Aktie zu teuer in den Markt kommt und dann die Anschlusskäufer fehlen.

Manch ein Marktteilnehmer fragt sich nun, warum der Börsenstart so enttäuschend verlief. Da ist zum einen das Produkt. Es handelt sich nämlich um eine Software, mit der Konferenzen abgehalten und mit der Fernwartungen durchgeführt werden können. Alles konzentriert sich auf dieses eine Produkt und das ist riskant. Was, wenn es in der Zukunft günstigere oder ebenso gute Alternativen geben wird? Wird das Unternehmen den Umsatzausfall dann kompensieren können?

Es ist allzu verständlich, dass sich neue Käufer zurückhalten. Dieses Unternehmen wird mit ca. 4,5 Milliarden Euro bewertet, was nicht nur sportlich ist, sondern einfach nur teuer. Und warum ist es so teuer, werden sich manche Leser fragen. Weil es bei einem Börsengang (IPO) um das Erzielen des höchsten Preises geht. Das ist das Ziel. Alle anderen begleitenden Nachrichten sind nur Fassade. Passend dazu ist die Meldung, dass das Unternehmen von den Einnahmen des Börsengangs gar nichts erhält. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Erlös von ca 2,2 Milliarden Euro geht direkt an den Eigentümer, eine Beteiligungsgesellschaft mit dem Namen Permira. Einen Gewinner gibt es daher schon.

Ein Börsengang hat zuallererst das Ziel, die Kassen der Eigentümer zu füllen. Das klingt jetzt wenig nach Investorensprache, aber es ist die schlichte Wahrheit. Man preist ein Unternehmen an, gibt neue Wertpapiere aus und erhält dafür viel Geld. Was dann die Anleger an der Börse machen, ist den Eigentümern dann egal. Sie haben ja ihr Projekt abgeschlossen. Diese Denkweise gilt natürlich für jedes Unternehmen, welches an die Börse gebracht wird.  An der Börse ist vieles nur Schein. Daher lohnt es immer auch hinter die Fassade zu blicken. Lesen Sie mehr über den Aktienmarkt in unseren Buchtipp „Verstehen Sie Geld?“ (mehr erfahren).

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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