Service

Heute Morgen geriet der Aktienmarkt in Schieflage, doch in allerhöchster Not wurde das Ruder noch einmal herumgerissen. Der DAX war am Vormittag schon kurz unter die 12.000 Punkte Marke gerutscht, da meldete sich der Magier der Märkte, EZB Präsident Mario Draghi, zu Wort. Die EZB hätte (sinnbildlich zusammengefasst) alle Möglichkeiten und werde diese auch zu nutzen wissen, um die Märkte bei Laune zu halten. Die Anleger waren sofort verzaubert.

Die Überraschung ist dem EZB-Chef tatsächlich gelungen. Ähnlich der Stellungsnahme der US-Notenbank, will man alles im Bereich des Möglichen unternehmen, um eine Marktschwäche zu unterbinden. Das lässt sich natürlich so einfach formulieren, wenn man Geld aus dem Nichts erschaffen kann (lesen Sie mehr dazu). Die EZB sitzt an der Quelle und kennt damit keine finanziellen Grenzen.

Die viel wichtigere Frage lautet jedoch, wonach die EZB ihr Handeln ausrichtet. Sie hat weder ein Mandat um Wirtschaftswachstum zu fördern, noch um schuldengeplagte Unternehmen oder Staaten zu retten. Dennoch bleiben die Zinsen niedrig (weitere Zinssenkungen wären möglich), was besonders den Schuldnern zugutekommt.

DAX, Tageschart, Stand: 12.285 Punkte

Die Aktienmärkte profitieren von diesem Ausblick. Die Hoffnung auf günstiges Kapital für eine lange Zeit beflügelt die Investoren. Bedeutet dies doch, dass zum einen Pleiten (Unternehmen und Staaten) verschoben werden, dass Unternehmen mit billigem Geld eigene Aktien zurückkaufen (über Schulden) können und natürlich all das neue Geld, so wie in den letzten zehn Jahren, seinen Weg in den Aktien- und Immobilienmarkt finden wird. Ein Freudensprung geht durch die Investorenmenge.

Den Anlegern ist eine euphorische Grundhaltung nicht zu verdenken. Sie denken in Kursgewinnen, in Rendite und Profite. Doch die entscheidende Frage ist diese: Warum müssen die Maßnahmen der EZB noch aggressiver, die Geldpolitik noch locker werden? Draghi sagt, ohne Besserung brauchen wir zusätzlichen Stimulus. Die Schlussfolgerung ist daher, dass die EZB-Geldpolitik der letzten 10 Jahre gescheitert ist. Die EZB hat keinen Erfolg vorzuweisen, sie hat ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreichen können und das mahnt zu Sorge. Kann die EZB die Krisenursachen vielleicht gar nicht lösen? (Ausblick hier)

Die Marktteilnehmer sind von den positiven Worten verzaubert. Die EZB wird ihnen zu Hilfe eilen, wann immer es nötig sein sollte. Den Märkten wird niemals das Geld ausgehen, so die hoffnungsvollen Gedanken. In der ersten Reaktion handeln die Computer am schnellsten. Noch bevor sich der Mensch eine Meinung bilden kann, steigt der DAX deutlich an. Erst nach einer Beruhigung wird es zu einer menschlichen Urteilsfindung kommen, denn alleine der Anstieg der Börsenkurse verbessert in der Realwelt nichts. Die Probleme bleiben.

Der DAX erreicht die wichtige, schwarze und fallende Trendlinie. Lesen Sie in der Analyse „DAX: Enttäuschungspotenzial beachten“, die vor dem Auftritt des Magiers veröffentlicht wurde, worauf es jetzt ankommt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This