Buchtipp

An der Börse ist das Herdenverhalten besonders ausgeprägt. Anleger kaufen Aktien, die andere auch kaufen. Marktteilnehmer investieren, weil die Stimmung gut ist und sie sich in der Gemeinschaft wohlfühlen. Die Mehrheitsmeinung ist dann entscheidend. Seit Dezember letzten Jahres läuft eine Rallye, die nun immer mehr Anleger in seinen Bann zieht. Dabei gibt die fundamentale Lage solch einen Kursverlauf nicht her, es sei denn, beim aktuellen Anstieg handelt es sich um eine Bärenmarktrallye.

Besonders der deutsche Aktienmarkt steht vor großen Herausforderungen. Die Sorge über baldige Importzölle auf deutsche Fahrzeuge durch die USA ist noch immer akut. Aber auch die Unternehmen haben Probleme. Sie kämpfen mit Überkapazitäten, dem Wandel hin zum Elektroantrieb und einer drohenden Phase des konjunkturellen Abschwunges. Heute muss der Automobilzulieferer Schäffler verkünden, dass die Geschäfte nicht rund laufen. Die Aktie verliert gerade satte 7 %. Es wundert gar nicht, dass auch Continental, Daimler, BMW und VW auf den Verliererlisten zu finden sind. Wenn eine so dominante Industrie, wie die Automobilindustrie, in Schwierigkeiten kommt, dann gibt es kaum Hoffnung, dass sich die jeweiligen Aktien positiv entwickeln werden.

DAX, Wochenchart, Stand 11.601 Punkte

Über die Wachstumsschwäche in China ist derzeit viel zu lesen. Wenn die Konjunkturlokomotive abbremst, dann ist naheliegend, dass auch andere Staaten mit Bremspuren rechnen müssen. Die USA können sich derzeit nur über Wasser halten, indem sie Handelsstreitigkeiten anzetteln. Aber auch hier ist die Hoffnung der Aktienanleger fundamental unbegründet. Wie auch immer eine Einigung zwischen den Großmächten von USA und China ausfällt, einer wird den Kürzeren ziehen. Die Schlussfolgerung ist, dass die Schwäche des Einen, die Not des anderen ist. Bevorteilt sich die USA auf Kosten von China, dann schwächt sich in Asien die wirtschaftliche Tätigkeit ab und das zum Nachteil zum Beispiel Deutschlands, dass gerne seine Produkte nach China verkauft. In unserer Welt hängt alles miteinander zusammen. Lesen Sie hierzu unseren Buchtipp „Verstehen Sie Geld?“ (mehr erfahren).

Blicken wir auf den DAX. Dieser kann sich seit Dezember 2018 um starke 1.300 Punkte nach oben kämpfen. Solch ein Anstieg sieht für die meisten Beobachter nach einem Stimmungswandel an der Börse aus. Hier zeigt sich die zuvor angesprochene Dominanz, denn es geht um die dominierende Marktmeinung. Steigende Kurse animieren weitere Käufer zu handeln und das hat erneut steigende Notierungen zufolge. Doch die Rahmenbedingungen geben einen dauerhaft positiven Kursverlauf gar nicht her. Das große Bild finden Sie in dem Artikel „DAX 2019: Ausblick für Aktien, Börse, Wirtschaft“ (mehr erfahren).

Es ist naheliegend, dass es sich bei dem aktuellen Börsenanstieg um eine Bärenmarktrallye handelt. Anleger sollten sich mit dieser Interpretation des Börsenverlaufs auseinandersetzen. Eine Bärenmarktrallye ist eine starke Erholung innerhalb eines Abwärtstrends. Und dieser hat noch Bestand, wie der Blick auf das obige Chartbild zeigt.

Short Signal ID 2281

Aktuell bewegt sich der DAX im Bereich von 11.600 Punkten und hadert mit seinem Anstieg. Viele sind schon investiert und nun braucht es neue Aktieninteressenten, man spricht auch von Anschlusskäufern. Denn ohne neue Nachfrage bleibt der Index, wo er ist und dann nehmen die Sorgen, der bereits Investierten zu. Sie wollen ihre Gewinne sichern und sind bereit, zu verkaufen. Sie zögern nur deshalb, weil noch Hoffnung im Markt ist und sie dadurch die laufende Bewegung so weit wie möglich mitnehmen wollen. Eine Hoffnung basiert darauf, dass eine Beilegung des Handlesestreits zwischen USA und China die Anleger bei Laune halten könnte.

Ein weiterer Grund ist die Europäische Zentralbank (EZB), die sich wieder als helfende Hand zeigt und mit neuen Maßnahmen die Liquidität am Markt erhöhen will. Doch letzten Endes entscheidet über wirtschaftlichen Erfolg, ob Unternehmen klug investieren, die Produkte den Erwartungen der Kunden entsprechen und letztendlich auch, ob der Kunde kauft. Und hier wird es kompliziert, denn der Kunde wird sich in einer konjunkturellen Abschwungphase zurückhalten.

Anleger sollten sich von gerade steigenden Kursen nicht blenden lassen. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um eine Bärenmarktrallye, die schon weit gelaufen ist. Wir behalten die weitere Kursentwicklung im Auge und melden uns mit aktuellen Einschätzungen. Nutzen Sie unseren Newsletter (hier eintragen).

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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