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Den Italienern sagt man eine gewisse Listigkeit nach. Das mag ein waghalsiges Überholmanöver auf der Autobahn sein, ein Vordrängeln in einer Warteschlange oder eine Schwalbe im Fußball, die den entscheidenden Elfmeter beschert. In Rom scheint man jetzt eine Idee gefunden zu haben, wie man sich den Gängeleien der EU widersetzen kann. Man druckt einfach eigenes Geld. Das ist zwar verboten, doch das schert die neue Regierung nicht, denn was soll die EU schon machen?

Die Wahlen in Italien sind vorbei. Gewonnen haben die kleineren Parteien, der Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega, die nun eine Koalition bilden und eine Regierung stellen werden. Damit sind hier Parteien an der Macht, die nicht viel vom vereinten Europa halten und die in den letzten Jahren auch nicht davon profitiert haben. Zumindest nach der Leseart derjenigen italienischen Bürger, die die neue Koalition gewählt haben. Die beiden Parteien haben den Bürgern viele Geschenke versprochen, obwohl die Staatskasse gähnend leer ist. Das ist zunächst nicht unüblich, machen das doch die anderen Parteien in anderen Ländern ebenso. Das Besondere in Italien ist jedoch, dass man das Blaue vom Himmel verspricht und diese Versprechen mit neuem Geld einlösen will. Man ist gewillt dem Volk endlich Gutes zu tun. Vor allem jedoch wähnt man sich sicher, dass man dieses Vorhaben umsetzen werden kann und das macht dem Rest von Europa Sorgen.

Endlich Zusammenhänge verstehen

Die Idee dahinter sind die „Mini-Bots“ genannten Papiere, die in der Stückelung von 5 bis 500 Euro angeboten werden sollen. Damit sind sie ähnlich den Euroscheinen, die jetzt auch im Umlauf sind. Für die Italiener soll damit die Möglichkeit geschaffen werden Bezahlvorgänge durchzuführen. Zu Beginn spricht man von staatsbezogenen Transaktionen, so wie der Übergabe dieser neuen Geldscheine an Handwerker und Unternehmen, die Staatsaufträge aufgeführt haben. Diese wären damit in der Lage, mit den Mini-Bots dann bei Behörden zu bezahlen oder auch ihre Steuerschuld zu begleichen. Der Umfang dieses Vorhabens ist noch nicht konkret, doch das Ziel ist klar. Man hat eine Parallelwährung ins Gespräch gebracht und das bringt Finanzmärkte und die Politik in Schwierigkeiten.

Wie soll man die „verrückten“ Italiener bremsen? Können die das wirklich machen und ihr eigenes Geld herausbringen sind die drängendsten Fragen. Die EZB hält sich mit einer Stellungnahme bisher zurück. Man nennt die neuen Mini-Bots bisher Schuldtitel und nicht eine neue Währung, damit die Konfrontation ausbleibt. Sie soll auch kein gesetzliches Zahlungsmittel sein. Was man jedoch meint, ist, dass es sich um neues Geld handelt, womit Waren und Dienstleistungen getauscht werden können.

Der Grund ist naheliegend. Würde man Italien mit Verboten kommen, dann wäre die nächste Stufe laut über einen EU-Austritt zu spekulieren. Eine Konfrontation mit Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft in der EU, werden sich die Gläubiger nicht trauen, denn bei einem möglichen Austritt wären alle geliehenen Gelder verloren. Und genau um dieses Druckmittel weiß Italien und schöpft daher den Mut, sein Vorhaben umsetzen zu können. Der neuen Regierung ist der Währungsverbund herzlich egal. Der EU könnten die Hände gebunden sein.

Sollte Italien seine Idee, nämlich neues Geld zu erfinden, umsetzen können, würden sie sich dem Spardiktat der EU entziehen. Ob das gelingen wird, wird sich noch zeigen. Sollte der Plan klappen, dann wären die Italiener an den Gelddruckmaschinen und könnten sich jeden Wunsch erfüllen, so wie die neue Koalition es versprochen hat. Doch Geld lässt sich nicht hemmungslos drucken, denn es führt dann schnell zu Inflation, so wie in der Türkei gerade. Die heutige List der Italiener würde sich dann schnell als ein Fehler herausstellen.

Neues Geld zu versprechen ist einfach. Neues Geld wirksam einzuführen ist deutlich komplizierter. Es gibt Zusammenhänge, die man unbedingt beachten muss. Wie werden der Staat, die Wirtschaft und die Bürger auf das neue Geld reagieren?

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Es muss nun abgewartet werden, wie sich die neue Regierung präsentieren wird. Sie hat jedoch ein wichtiges Thema in den Fokus der Anleger, der Medien und der Politik bringen können.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

 

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