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Die Jamaika Verhandlungen sind gescheitert. Das ist für viele Medien überraschend und für mache Journalisten auch enttäuschend. Schnell wird daher auch mit dem Finger auf die FDP gezeigt, die mit ihrem Entschluss, die Gespräche zu beenden, einen Schlussstrich gezogen hat. Dabei wusste der einfache Bürger von Anfang an, dass eine Regierung mit der FDP und den Grünen nicht möglich ist, aber wer hört dieser Tage schon auf den Wähler? Nun steht Deutschland ohne Regierung da und die Verantwortung dafür hat eine Frau.

Wer hätte es noch geglaubt, dass die kleine FDP als einzige Partei den Mut aufbringt, dem Leiden der Sondierungsgespräche ein Ende zu setzen. Es war kaum noch auszuhalten, wie sinnlos die Tage verstrichen und wie inhaltsleer die Phrasen dahingeredet wurden. Es waren ja auch keine Verhandlungen, sondern eine Art Bühnenstück, dass mit dem täglichen Auftritt auf dem Balkon seinen Höhepunkt hatte. Zumindest die Medien hatten ihren Spaß an solch lächerlicher Berichterstattung, nur würdig war das ganze Theater eines großen Landes in der Mitte Europas nicht.

Die europäischen Nachbarländer lachen nun über Deutschland. Manche unter vorgehaltener Hand und andere freuen sich ungeniert über das Chaos. Denn lange Zeit haben sich die Deutschen als Musterschüler gezeigt und oberlehrerhaft andere Nationen gemaßregelt. Wie sie sparen sollen, wie sie wirtschaften oder gar wen sie wählen sollen. Zu allem wusste man eine schlaue Antwort und nun ist man selbst nicht in der Lage eine stabile Regierung zu bilden. Autsch!

Es wäre jetzt einen Fehler mit dem Finger auf die FDP zu zeigen, wie sich bereits in den ersten voreiligen Schuldzuweisungen zeigen. Sie hat als einzige Partei Mut bewiesen, etwas klar auszusprechen. Es geht nämlich nicht mehr darum, sich irgendwie durchzuwurschteln oder sich an die Macht zu klammern. Was Deutschland seit Jahren fehlt, ist eine Form der Verlässlichkeit. Klare Worte fehlen und auch klare Bekenntnisse. Umso bedeutender ist die Aussage der Liberalen, dass sie nicht regieren wollen, wenn sie dafür ihre Überzeugungen über Bord werfen müssten.

Nun steht Kanzlerin Merkel ganz schön unter Druck. Bis zuletzt hatte man das Gefühl, sie ließe die Parteien mal machen, irgendwie werden sich diese ja schon einigen. Dieses Abwarten kennt man bei ihr ja schon. Sie hat diese Technik des Regierens in der Vergangenheit schon allzu oft genutzt (Teflon-Merkel) und sich damit viele Probleme vom Hals gehalten. Aber wie das mit Strategien so ist, je länger man diese einsetzt, umso stumpfer werden sie. In diesem Fall fanden die Parteien keinen Konsens und es muss gefragt werden, warum die geschäftsführende Kanzlerin nicht schon viel früher die Sondierungsgespräche zur Chefsache gemacht hat. Hat sie zu lange gezögert?

Mehr verstehen!

Lange Zeit hat man in Deutschland von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) profitiert. Man hat sich fast zinslos verschulden können, hat von dem schwachen Euro profitiert und viel ins Ausland verkauft. Die Exporte erreichten Rekorde. Die Steuereinnahmen sprudelten. Die Kassen waren voll. Und dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass der Erfolg solch toller Zeiten, nicht ersichtlich ist, außer am Aktienmarkt natürlich, wovon nur die Vermögenden profitieren. Aber der normale Bürger, die vielen unsicher Beschäftigten, die Pflegebedürftigen, die Rentner und die vielen Arbeiter und Anlegestellen, die mit ihrem Lohn kaum über die Runden kommen. Sie alle haben nicht profitiert. Warum nicht, wenn die Zeiten doch so gut sind?

In den letzten Jahren hat man in Deutschland von einer Ausnahmesituation profitiert. So deutlich muss man das sagen. Anstatt Veränderungen bei vollen Kassen anzugehen, hat man sich auf die Schulter geklopft und sich ausgeruht. Die gemütliche Zeit ist nun vorüber. Plötzlich muss man etwas hinbekommen, nämlich eine neue Regierung, und dieser Aufgabe ist man nicht gewachsen. Man weiß in Berlin, nach vielen Jahren der GroKo, gar nicht mehr, wie man verhandelt und wie man einen Konsens findet. Daher ist das Scheitern wenig überraschend.

Nun ist es zu spät, über das Wenn und das Warum zu debattieren. Fakt ist, dass die Sondierungsgespräche gescheitert sind. Damit will nicht nur die SPD nicht mehr mit Frau Merkel regieren, sondern die FDP (zusammen mit den Grünen) auch nicht. Somit steht sie nun recht alleine da, die mächtige Frau Europas. Sie könnte noch den Versuch wagen, sich mit einer Minderheitsregierung über Wasser zu halten, aber das ist eher unwahrscheinlich. Naheliegend sind nun Neuwahlen und das mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Frau Merkel. Ihr Ende ist für die CDU eine Möglichkeit des Neuanfangs.

Die politische Landschaft hat nun erkannt, dass das Volk klare Worte braucht. Die AFD versucht das schon länger und auch die SPD hat erkannt, dass man für etwas stehen muss, wenn man vom Wähler beachtet werden will. Aktuell ist es die FDP, die sagt, was mit ihnen möglich ist und was nicht. Nur die CDU und die CSU schlingern sich noch durch, was jedoch nicht mehr vom Bürger toleriert wird. Politik muss in Deutschland wieder verlässlich werden. Aus dieser Sicht betrachtet ist das Scheitern der Jamaika Sondierungsgespräche befreiend. Neuwahlen sind auch ein Neuanfang.

Nicht nur politisch steuert Deutschland auf unsichere Zeiten hin, auch wirtschaftlich wird sich die Stimmung verändern. Einen ausführlichen Ausblick finden Sie im Kapitel 32 des Buches „Verstehen Sie Geld?“ (bei amazon ansehen).

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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