Indikatoren-Trading

Vor zehn Tagen versuchten wir, einen Blick in die Köpfe der Anleger zu werfen. Gierig, schrieben wir, war die Gemütslage unter den Anlegern. Immer mehr Aktien wollten damals gekauft werden. Fast schon panisch war die Absicht der Anleger, weiter steigende Kurse zu erzwingen. Zu dem Zeitpunkt waren die Marktteilnehmer bereits resistent gegenüber jeder Art von Warnung. Damals notierte der DAX bei 9700 Punkten. Jetzt, 400 Punkte später, weicht die Gier der Angst.

An der Börse wird nicht zum Ausstieg geklingelt, heißt es treffend. So auch jetzt. Plötzlich fallen die Kurse deutlich und an mehreren Tagen. Das war in der Vergangenheit anders. Plötzlich sind die Marktteilnehmer einer immensen Anzahl an negativen Nachrichten ausgesetzt. Noch wird oft von Überraschung gesprochen oder von Dingen, die man so nicht erwartet hatte. Es könnte jedoch auch sein, dass der Anleger für solche Art von Nachrichten blind war (selektive Wahrnehmung).

Mit jedem Tag, an dem der Aktienmarkt nicht zur alten Stärke zurückfindet, steigt auch das Unwohlsein unter den Anlegern, welche erst kürzlich Aktien erworben haben. Diese müssen schon die ersten Verluste akzeptieren. Bisher seien das Buchverluste, redet sich der Anleger ein. Solange sie nicht realisiert werden, würde man (hoffentlich) bald wieder gute Zeiten vorfinden.

Von Gier jetzt erst mal keine Spur, denn es könnte ja auch noch tiefer fallen. Die drückende Last der Nachrichten über Tapering (Reduzierung der Stützungsmaßnahmen der FED), die Schwäche der chinesischen Konjunktur und die Probleme der Schwellenländer aufgrund der begonnenen Kapitalflucht lassen die Sorgenfalten stärker zum Vorschein kommen. Angst kommt auf.

Hat der Anleger vielleicht zum falschen Zeitpunkt gehandelt? Könnten die Verluste noch größer werden und wann soll man die Reißleine ziehen? Das sind Fragen, die manchem Investor den Schlaf rauben können. In der Regel hat der gewöhnliche Anleger auf diese Fragen nämlich keine Antwort. Denn solange die Kurse stiegen, war ein Plan nicht nötig, Hauptsache, das Depot hatte grüne Vorzeichen. Fallen die Kurse, ist man schnell überfordert.

Dominiert die Angst die eigenen Gedanken und haben viele Marktteilnehmer die gleichen Sorgen, dann ist ein kollektives Aufgeben der bisher positiven Haltung jederzeit möglich. Die Folge wäre ein unkontrolliertes „Werfen der Aktien auf den Markt“ um jeden Preis. Das Ziel ist die Angst, die an einem nagt, loszuwerden.

Diese Angst nimmt mit jedem Tag zu. Das ist nicht ungewöhnlich, da fallende Kurse fast schon aus dem Gedächtnis der Investoren verflogen waren. Man kannte sinkende Aktienkurse gar nicht mehr. Manche Anleger werden auch jetzt an ihrer Meinung festhalten und sich Gedanken um einen Ausstieg verwehren. Das wird den Markt trotzdem nicht aufhalten, den Verkaufsdruck aufrechtzuerhalten.

Die Aktienkurse sind viel zu weit gestiegen. Bereits exzellente Unternehmenszahlen (z. B. Apple) reichen heute nicht mehr, um noch Phantasie in einen Aktienkurs zu interpretieren. Die Börse hat ihre Karten überreizt.

Fällt der Markt weiter, wird der Angstzustand der Marktteilnehmer zunehmen und bald unerträglich werden. Die Sorgen nehmen zu, die Verkäufe ebenfalls, die Kurse fallen, der Druck nimmt zu, es kommt zu mehr Verkäufen und damit zu einer Flucht aus dem Markt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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