Indikatoren-Trading

Die deutsche Börsengemeinde plagt sich mit der Frage, wann der DAX endlich die 10.000 Punkte erreichen wird. Endlich will man den deutschen Vorzeigeindex auch mal fünfstellig sehen. Bald will man von oben herab auf diese runde Zahl blicken. Man hofft, betet, wünscht und giert geradezu auf steigende Kurse. Die Anleger müssen nur fest genug daran glauben, dann klappt es auch mit dem Index.

An der Börse wird oft gebetet. Manche Anleger wollen, dass die Verluste aufhören, die ihnen unruhige Nächte bereiten. Sie haben vielleicht zu lange an einer Position festgehalten und kommen nun nicht mehr aus ihr heraus. Trader wollen vielleicht ein KO-Limit vermeiden, damit sie nicht ausgestoppt werden. Sie haben Sorge, dass sie dann einen Totalverlust dieser Position verkraften müssen. Das sind echte Sorgen, möchte man da schreiben.

Da fällt es schwer zu ergründen, warum sich die Anlegerschar auf einen DAX-Anstieg eingeschworen hat. Es muss doch einen Grund geben, warum diese geliebte Kursmarke solch eine Anziehungskraft besitzt. Will man als Aktionär dabei sein, wenn der deutsche Leitindex erstmalig in seiner Geschichte diese runde Marke durchbricht? Will der Börsianer mit den anderen Investoren gemeinsam durch das selbst gesteckte Ziel rennen? Oder will man sich als Marktteilnehmer für das Erreichen dieser Marke feiern lassen, so als wäre es die eigene mühselige Arbeit, den DAX so weit emporgehoben zu haben?

So beginnt derzeit jeder neue Tag an den Börsen gleich. Nach Handelseröffnung machen sich die Anleger sofort an die Arbeit und heben den DAX, kaufen Aktien, ordern Wertpapiere, um ja keine Schwäche aufkommen zu lassen. Sie zwingen den Index, zu steigen. Dabei versuchen sie, Rückschläge jeglicher Art zu vermeiden. Nie darf der Index fallen, nie mal den Rückwärtsgang einlegen.

Die Gemeinschaft der Anleger, die angeblich alle das gleiche Ziel verfolgen, will so knapp vor dem Ziel nicht aufgeben. Auch wenn der Index nicht mehr können würde, sie würden ihr letztes Hemd geben, um die Nachfrage nicht sinken zu lassen. So überzeugt sind sie von ihrer Aufgabe.

Derzeit glauben die Anleger an die Kraft der anderen Marktteilnehmer. Vor allem an die gleiche Absicht der anderen. Sie glauben noch, dass irgendwo Nachfrage aufkommen wird, um die letzen paar hundert Punkte zu erklimmen. Sie glauben so fest an ihre Mission, dass ein Scheitern für sie nicht in Frage kommt. Daher kann sich auch kaum ein Anleger vorstellen, dass die anderen vielleicht vor dem heiligen Ziel ihre Anteile verkaufen könnten. An der Börse geht es schlussendlich um Gewinne und nicht um runde Kursmarken.

In den Köpfen viele Anleger sind die 10.000 DAX-Punkte bereits ausgemachte Sache. Jetzt muss die Realität nur noch nachlegen, sonst endet der geplante DAX-Anstieg vielleicht noch böse.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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