Indikatoren-Trading

Dieser Tage bekommt man das Gefühl, dass die Zentralbanken jede Art von Schmerzen behandeln können. Die Investoren brauchen nur etwas Furcht haben, dann werden sie schon mit wohlwollenden Worten beruhigt. Haben sie größere Sorgen, dann stehen schon Spritze und Aspirin bereit. Es erfolgt ein sofortiger Eingriff, meist überraschend und über Nacht. Am Ende solcher Eingriffe steigen die Aktienkurse und alle freuen sich über die heilsame Behandlung.

Ganz aktuell wurden die Geldhäuser aus China in die Intensivstation eingeliefert. Der Grund: Sie liehen sich gegenseitig kein Geld mehr. Das machen sie alle paar Monate nicht. Da Geld für die Wirtschaft ein Schmiermittel ist, kommt ohne Geld der Wirtschaftskreislauf ins Stocken, die Konjunkturdaten fallen daraufhin mies aus, die Aktienmärkte fallen deutlich und die Gewinne bleiben aus. Da China auch noch eine Konjunkturlokomotive ist, also andere Nationen mit im Schlepptau hat, würden sich die negativen Folgen in China auf die Welt auswirken. Aber soweit muss es ja nicht kommen.

Es gibt da die People‘s Bank of China (PBoC). Die hat wirkliche Wundermittel in ihrem Arzneischrank. So hat sie überraschend die Märkte mit Liquidität versorgt, mit satten 31 Milliarden Euro. Damit der Patient (die Geldhäuser) keinen Schreck bekommen, wurde dieser Schritt vorher nicht angekündigt. Dafür ist die Freude über diesen Schritt umso größer.

Und siehe da, die Finanzmärkte reagierten erleichtert. In Asien stiegen die Aktienkurse, in Europa ebenfalls und die US-Futures natürlich auch. Die Investoren freuen sich nun ganz besonders. Hat doch der gute chinesische Doktor mit seiner Medizin das Leid der Geldverwalter verschwinden lassen.

Dabei ist die chinesische Zentralbank nicht die einzige Institution, die gerne die Geldspritze zum Lindern verschiedenster Schmerzen einsetzt. Die Japanische Zentralbank ist schon seit einem ganzen Jahr am Bereitstellen von Liquidität. Sie benutzt besonders gerne die Geldspritze. Hauptsache, die Börsen steigen und die japanische Konjunktur erwacht endlich aus dem Jahrzehnte andauernden Schlaf, ist dabei ihr Ziel.

Die gleiche Medizin wird auch in Europa (EZB) und auch in den USA (FED) angewandt. Scheinbar wurde hier ein Heilmittel gefunden, das alle Investoren quer durch die Bank glücklich macht. Ganz einfach wird Geld in Milliardenhöhe gezaubert und sofort sind alle Sorgen verschwunden. Warum sollten sich Investoren mit Kopfschmerzen plagen, wenn es auch ohne geht?

Über die Nachteile solch einer Politik will sich derzeit niemand so recht Gedanken machen. Warum auch, wenn die chinesische Medizin einen angenehmen Effekt hat. Jedenfalls für alle, die sich an den Aktienmärkten tummeln, allen anderen wird mulmig zumute.

Die Fähigkeit der Zentralbanken ist leider nur gut für die Finanzmärkte. Die Sparer leiden, weil die Zinsen künstlich gedrückt werden. Die Währung leidet, weil sie mit jeder Marktflutung weniger wert ist. Die Importe verteuern sich, weil nun mehr Geld (lokale Währung) aufgebracht werden muss. Und die Inflation springt an, weil die Menge an neuem Geld nicht mit der Wirtschaftsentwicklung wächst.

Derzeit wollen die Anleger nichts von den Konsequenzen der heutigen Behandlung wissen, spätestens, wenn die Betäubung nachlässt, werden neue Schmerzen zum Vorschein kommen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This