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Der DAX hat heute Vormittag ein neues Jahreshoch markiert. In den Medien und unter den Anlegern freut man sich über diese Dominanz der Stärke. Trotz aller Zwischenkrisen haben es die Marktteilnehmer geschafft, einen Börsenanstieg hinzulegen, der seinesgleichen sucht. An der Börse machen die Kurse die Nachrichten, das heißt, schlechte Nachrichten werden verdrängt und gute besonders unterstrichen. Denn vieles ist nämlich nicht so toll, auch wenn uns der Aktienmarkt etwas anderes suggerieren will.

Wenn sich die Aktionäre nun auf die eigene Schulter klopfen und bei dem einen oder anderen Weihnachtsessen ihre Aktienperlen des Jahres aufgezählt werden, ist die Lage nicht so rosig, wie es scheint. Oft wird die Konjunktur über alles gelobt. Eine gute Wirtschaft führe zu guten Unternehmensergebnissen und damit zu steigenden Aktienkursen. Im Moment geht es jedoch nur Deutschland wirklich gut, allen anderen Staaten eher mittelmäßig oder katastrophal, je nachdem, wo man hinsieht.

Da wir in einer globalisierten Welt leben, ist der Gewinn des einen der Verlust des anderen. Alles hängt miteinander zusammen. Aus diesem Grund ärgern sich viele Staaten über den deutschen Leistungsbilanzüberschuss. Deutschland verkauft seine Produkte wie ein Weltmeister und andere müssen in die Röhre gucken. Manche nennen das Wettbewerb.

Warum Deutschland dabei  so deutlich im Vorteil ist, lässt sich an der immer größer werdenden Anzahl an prekären Beschäftigungsverhältnissen (Leiharbeit, Minijobs usw.) erkennen, wo wenig gezahlt und keine Sicherheit gewährt wird. Während sich die Arbeitenden Sorgen um die Zukunft machen (müssen), freuen sich Unternehmen und Aktionäre über geringe Personalkosten. Dem Unternehmen kommt das im Wettbewerb und im Gewinn zugute. Der Aktionär freut sich über die Dividendenausschüttung. Auch in diesem Beispiel profitieren wenige von der Struktur, die (nicht nur) in Deutschland vorherrscht.

Am Ende des Tages leiden jedoch alle. Die Mitarbeiter sind die Konsumenten von Morgen. Wer nichts verdient der wird keine Autos und andere Güter kaufen können. Aus diesem Grund schlagen Experten schon seit Jahren Alarm, Deutschland möge die Binnennachfrage ankurbeln. Doch passiert ist leider nichts. Das gleiche Bild herrscht im Ausland. In einer globalen Welt sitzen die Konsumenten (welche die deutschen Produkte kaufen) in anderen Ländern. Geht es den anderen Ländern (heruntergebrochen auf die Verbraucher) immer schlechter, dann wird auch dort die Nachfrage nachlassen.

Spätestens dann stellt sich die Frage, was der DAX-Anstieg volkswirtschaftlich für einen Nutzen hatte. Dann nämlich, wenn niemand mehr Einkommen hat, um die deutschen Produkte zu erwerben. Niemand sollte sich über den Anstieg am Aktienmarkt zu sehr freuen. Denn Börsenkurse sagen nichts über ein Unternehmen und auch nichts über die Konjunktur aus. Genau diesen Zusammenhang wollen Medien und Anleger immer wieder herstellen.

Anleger neigen dazu, Negatives für ihr Investment auszublenden, solange ihnen der Aktienmarkt mit steigenden Kursen eine heile Welt vorspielt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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