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Derzeit sind sich die meisten Anleger ganz sicher, dass der DAX eine Jahresendrally hinlegen wird. Besonders große Adressen erfreuen sich an dem Aufhübschen der Kurse, da das Jahresergebnis Eingang in viele Prospekte findet. Die Hoffnung wird dadurch genährt, dass sich die Anleger jeweils auf die anderen Anleger verlassen. Jeder hofft, dass sein Nachbar noch Aktien kaufen wird und ihm zu einer tollen Jahresperformance verhilft. Was aber, wenn der Nachbar gar keine Aktien kaufen will?

Die Ereignisse an der Börse sind manchmal schwer in Worte zu fassen. Warum etwas passiert ist nämlich die große Unbekannte. Niemand kauft gerade eine Aktie, weil ein Analyst dazu geraten hat. Der DAX fällt nicht, weil es Krieg in Syrien gibt, und steigt auch nicht, weil  Unternehmen mehr Güter in China verkaufen. Der direkte Bezug ist gar nicht vorhanden, so sehr sich die Medien auch mühen, den Kursbewegungen eine Begründung mitzuliefern.

Jetzt naht das Jahresende und die Anleger sind heiß darauf, die bisherige Performance auch noch über die Ziellinie zu tragen. Das heißt, die Kurse müssten ihr derzeitiges Niveau mindestens halten. Kein Marktteilnehmer dürfte auf die Idee kommen, schon vor dem Jahresende verkaufen zu wollen. An diesem Punkt wird die Sache zwischen Bullen und Bären nun besonders spannend.

Die optimistisch eingestellten Anleger sind sich ihrer Sache sehr sicher. Ist die Meinung unter den Marktteilnehmern jedoch zu einseitig, dann ist die Wahrscheinlichkeit für noch weiter steigende Kurse gering. Man nimmt an, dass dann all diejenigen, die optimistisch sind, bereits gekauft haben und keine Wertpapiere mehr nachfragen. Nicht geklärt ist das „wann“. Wann ist die Stimmung zu einseitig? Darauf gibt es keine Antwort, weil der Irrsinn der Märkte schlicht in keine Formel gepackt werden kann.

Die bereits investierten Anleger müssen also die Werbetrommel rühren und dadurch immer neue Käufer finden, die sich Aktien kaufen wollen. Nicht zu vergessen ist, dass die Zentralbanken eine Grundversorgung an frischer Nachfrage bilden (über den Weg des billigen Geldes). Dennoch könnte eine Ermüdung bald eintreten. Auch an der Börse muss jemand den ersten Stein ins Rollen bringen. Jemand muss seine Anteile loswerden wollen und dabei die Macht haben, auch andere Teilnehmer zur gleichen Handlung zu bewegen. Das führt dann zu einer Kettenreaktion.

Sorgen könnten die erreichen Kursniveaus in den großen Indizes bereiten. Der Dow Jones hat die 16000 Punkte erreicht, der Nasdaq100 die 3400 Punkte und der S&P 500 die 1800 Punkte. Das sind alles schwindelerregende Niveaus, die nichts mehr mit der wirtschaftlichen Realität zu tun haben. Gestern konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Abprall von diesen Niveaus wie das Zurückzucken einer Hand verlief, die den heißen Herd berührt hat.

Auf solch einem hohen Kursniveau, der DAX notiert bei 9200 Punkten, könnte es durchaus sein, dass sich die ersten Teilnehmer weiteren Wertpapierkäufen verweigern. Ein Ausbleiben der Jahresendrally wäre zwar schlecht für die Markteilnehmer, gut jedoch für den Aktienmarkt. Ein paar deutlich schwache Tage und aus den überzeugten Bullen könnte schnell gegrilltes Steak werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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