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Heute geht Twitter an die Börse. Das wird wieder gefeiert, wie die Anleger das auch schon bei dem Börsengang von Facebook getan haben. Man spricht von einem Internetgiganten, einem Big Player, einem Unternehmen, das Millionen Menschen begeistern kann, weil diese miteinander zwitschern können. Was daran die Unternehmung ist, kann nicht so leicht beantwortet werden. Das wissen die Anleger wohl auch nicht. Es geht ja aber auch nicht um den Wert von Twitter, sondern um den Hype. Und der ist entfacht.

Es geht bei einem Börsengang (IPO) für ein Unternehmen immer nur darum, so viele Aktien (die vormals nur leeres Papier waren und jetzt bedruckt sind) wie nur möglich unter die Leute zu bringen. Dabei ist ein Ausgabepreis am oberen Ende einer Bookbuilding-Spanne erstrebenswert. Twitter werden mit 26 Dollar pro Aktie ausgegeben und würde damit ca. 14 Milliarden Dollar wert sein. Wofür? Das kann wohl niemand so recht sagen.

Außer vielen Servern, Büros und ein paar Angestellten hat Twitter nicht soviel vorzuweisen, jedenfalls nichts, was auf einen Maschinenpark, Rohstoffe, Fuhrpark oder eine andere Art von Anlage hindeuten würden. Es gibt also nichts Konkretes, was der Aktionär für seine Anteile erhält, wenn er sich an dem Unternehmen beteiligt. Das Unternehmen erwirtschaftet nicht einmal Gewinne. Wofür zahlt er dann soviel? Er bezahlt die Marke Twitter.

Bei Twitter (übersetzt: zwitschern) wird untereinander gezwitschert bzw. einer zwitschert am lautesten und alle anderen hängen an seinen Lippen. Dabei geht es gar nicht um etwas Sinnvolles. Menschen twittern, was sie gerade machen oder ob ihnen das Abendessen noch im Magen liegt. „Dafür sind Aktionäre bereit, Geld zu bezahlen?“, werden einige zu Recht fragen. Der Finanzmarkt muss trunken sein, könnte man daraus schlussfolgern. Wohl wahr.

Die Börse muss auch nicht den tatsächlichen Unternehmenswert abbilden. Hier ist ein oft gemachter Denkfehler zu beobachten. Die Börse feiert nämlich die Chancen und lässt sich das was kosten. Dabei muss nur die Story stimmen und der mediale Hype entsprechend angefacht sein. Wenn die Stimmung super ist, dann ist der Investor spendabel und lässt sich die Aktie was kosten. Aus diesem Grund finden IPO (Börsengänge) auch immer zu guten Zeiten an der Börse statt.

Bei Twitter zahlen die Investoren für den Namen. Die Aktionäre kaufen sozusagen eine Marke. Mit dem Namen Twitter können Millionen Menschen etwas anfangen. Und das wollen sich die Anteilseigner zunutze machen. Nur deshalb wird hier Geld für etwas bezahlt, was eigentlich keinen (echten) Gegenwert hat. Man hat ja nichts in der Hand, nichts, was man anfassen kann.

Die Börse ist jedoch nicht der richtige Ort, um echte Werte zu entdecken.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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