Buchtipp

Das Tolle an der lächerlichen Situation rund um den Haushaltsstreit der USA ist, dass je länger dieses politische Patt andauert, der 17. Oktober immer näher rückt. An diesem Tag soll den USA das Geld ausgehen, sofern das Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht wieder einen Winkelzug erfindet. Bisher sind sich Gläubiger und Finanzmärkte einig, dass es nicht zum Äußersten kommen wird, nämlich zum Zahlungsausfall. Niemand sollte jedoch das Unmögliche ausschließen, denn es handelt sich hier um Amerika.

In den USA ist alles möglich. Das muss nicht nur Raumfahrt und Höchstleistungen sein. Auch im Umgang mit Krieg und Frieden, mit freier Meinungsäußerung und mit Manipulation der Massen sind die USA den Konkurrenten immer einen Schritt voraus. Man weiß bei den USA, dass man sich auf nichts verlassen kann. Allein schon die automatischen Budgetkürzungen sind zu einer Farce geworden. Nachdem diese in Kraft getreten sind, um eine weitere Kostenexplosion des Haushalts zu vermeiden, zeigten sich die Behörden gleich wieder kreativ, wie sie diese Regel umgehen können.

Sie riefen viele der Mitarbeiter doch wieder zur Arbeit und bestätigten, dass sie die Gehälter, für die jetzt kein Geld da ist, im Nachhinein zahlen werden. Worin besteht also der Zweck eines Ausgabestopps, wenn es in Wirklichkeit keine Einsparungen geben wird? Eben, die USA weiß, wie sie eigene Regeln außer Kraft setzen kann.

Bisher klingt das noch positiv. Die Behörden argumentieren, dass sie das öffentliche Leben am Laufen lassen wollen. Die Finanzmärkte sehen die andauernde Diskussion rund um den Haushalt auch nur aus der sorgenfreien Brille. Die Zankhähne werden sich wohl noch einigen, denkt sich der sorglose Investor. Die Großbanken haben einen Plan B ausgearbeitet, gehen jedoch auch von einer Einigung aus. Allzu oft in der Vergangenheit hat man sich erst lange gestritten und am Ende wurde das Schuldenlimit doch angehoben.

Auch dieser Umstand, dass es eine Schuldengrenze gibt, ist eine Farce. Wozu gibt es ein Schuldenlimit, wenn es gar keine Limitfunktion ausübt? Ja, so sind die USA eben. Die Regeln gelten nur für den Feind, nicht für einen selbst.

Das Land, die Bürger und die Finanzmärkte erwarten noch ein dramatisches Finale, mit einer Einigung in letzter Minute. So, als würde der Filmheld in einem Hollywoodstreifen die Bombe in allerletzter Sekunde entschärfen. Das wäre wieder einmal typisch für das Land des medialen Irrsinns.

Nun, was würde passieren, wenn die USA sich doch nicht einigen? Das wäre doch mal eine Überraschung. Ein Zahlungsausfall würde kurzfristig Verwerfungen mit sich bringen, die sogar genutzt werden können. Zunächst würden die Großbanken an dem Einbruch der Märkte verdienen, dann plötzlich würde sich doch eine Regelung für die Anhebung der Schuldengrenze finden lassen und die Wallstreet würde erneut an den jetzt steigenden Kursen (Erlösungsrally) verdienen. Am Ende wären alle zufrieden (sogar die derzeit besonders stillen Ratingagenturen).

Das mag noch als unmöglich gelten, doch die USA sind in eine Ecke gedrängt. In Panik kann der Bedrohte zu allem fähig sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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