Service

Was man als Kind beigebracht bekommt, sollte für den Erwachsenen selbstverständlich sein. Dinge zu kaufen, die man sich nicht leisten kann, ist falsch. Wer kein Geld hat, muss solange sparen, bis er welches hat. Sind die Kinder erwachsen, dann bleibt nichts von den guten Ratschlägen hängen. Die Erwachsenen kaufen auf Pump, die Unternehmen leihen sich ebenfalls Geld und nennen es Fremdkapital. Staaten leihen sich fortwährend Geld, wohl wissend, dass ihr Handeln nicht richtig ist.

Immer wieder wird sich in den Medien gefreut, dass sich ein Land am Kapitalmarkt erfolgreich finanziert hat. Es heißt dann, dass eine Finanzierungsrunde gut verlaufen sei. All das klingt professionell, es klingt nach einem Geschäft. In Wirklichkeit jedoch ist es ein Armutszeugnis. Jedes Mal, wenn ein Staat sich Geld leiht, dann ist das ein Eingeständnis, dass man kein Kapital mehr in der Haushaltskasse hat und daher sich frisches Geld leihen muss.

Bei den Staaten ist der Auswuchs des Geldleihens bereits so weit ausgeprägt, dass sich nicht nur schwache Staaten Geld leihen müssen. Auch Deutschland muss weiter neue Schulden machen, trotz Rekordsteuereinnahmen. Das bedeutet, das Problem liegt nicht an einem speziellen Land und seiner Haushaltsführung, es liegt in der Natur der Sache.

Sich Geld borgen zu müssen ist ein Ausdruck von Schwäche. Es ist ein Eingeständnis, dass man mit dem Geld, das man zur Verfügung hat, seine Ausgaben nicht decken kann. Anstatt sich also um die Ausgabenseite zu kümmern, sucht man in der heutigen Politik nach Wegen, um die Einnahmenseite zu vergrößern. Dabei gilt das Thema Steuererhöhung als nicht mehr ergiebig genug. Von denen, die es haben (die Wohlhabenden, den Unternehmen) will man es nicht nehmen, von den Armen kann man nichts nehmen und die Mittelschicht ist bereits ausgepresst.

Wenn der Staat nicht über Einnahmen an neues Geld kommt, müsste er eigentlich die Ausgaben senken. Das wiederum will der Staat nicht (auch seine Bürger wollen es nicht). Man will vom Lebensstandard nicht abweichen und keine Wähler verprellen. Also bedient man sich hier eines Tricks, der nicht nur falsch, sondern auch fatal ist. Man wendet sich an den Geldverleiher.

Die Staaten haben aus diesem Umstand ein seriös wirkendes Konstrukt geschaffen. Man hat es geschafft, das negative Image des Geldleihens zu verwischen. Den Geldverleiher, den nennt man "Kapitalgeber" oder "Gläubiger", das Geschacher um die Zinsen eine "Finanzierungsrunde" und das Versprechen der Rückzahlung schreibt man auf ein Papier und nennt es "Staatsanleihe". Schon hat man ein viel positiveres, ein geschäftlicheres Bild aus einer negativen Sache gemacht.

Das ändert dennoch nichts daran, dass hinter der Fasse erneut Menschen sitzen, die hier glauben lassen wollen, dass man sich immer weiter Geld leihen könne. Wenn irgendein Staat wirklich ein Interesse an der Rückzahlung der Schulden hätte, dann müsste die Verschuldung irgendwann auch mal sinken. Das tut sie zu keiner Zeit.

Damit ist klar, dass hier nur ein Scheingeschäft eingegangen wurde. Vor allem ist klar, dass man den Bürgern vorgaukelt, dass Geld für Ausgaben da wäre, obwohl das nicht der Fall ist. Der Staat suggeriert hier eine Einnahmequelle, die gar keine ist. Noch schlimmer, er verleitet die Bürger dazu, sich ebenfalls zu verschulden (trotzdem ist jeder selbst verantwortlich). Dieser sieht, dass es akzeptiert ist, Dinge auf Kredit zu kaufen und folgt diesem Beispiel. Nur weil der Staat etwas macht, heißt das noch lange nicht, dass das etwas Gutes sein muss.

Es ist Zeit für ein Umdenken. Frühere Generationen hatten sehr recht, wenn sie uns erklärten, dass man haushalten muss, dass man sparen muss. Niemand sollte sich von der aktuellen Verschuldungsmanie irritieren lassen. Sich Geld zu leihen ist falsch.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This