Service

Mit Spannung war es erwartet worden, das Kanzlerduell im Fernsehen. Dieses Duell zwischen Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinbrück sollte den Bürgern die Standpunkte der jeweiligen Kandidaten näher bringen. In 90 Minuten sollte das Fernsehen das vermitteln, was die Politik eine ganze Legislaturperiode nicht zu schaffen vermocht hatte. In Wirklichkeit ist es ein Armutszeugnis sowohl für den Bürger als auch für die Politik, dass man sich auf solch ein tiefes Niveau begeben muss.

In  Zeiten wurmfressender C-Promis, andauernder Suche nach Superstars oder unentdeckten Schönheitskönigen, darf das Medium Fernsehen auch bei der Suche nach politischer Orientierung scheinbar nicht fehlen. Das ist insofern erschreckend, da ein Fernsehduell nur ein Spektakel ist, aber auf keinen Fall von Nutzen sein kann.

Denken Sie doch mal an ein Beurteilungsgespräch mit Ihrem Chef. Wenn der Ihre Leistung der letzten drei Wochen bewerten würde und damit Ihr Profil der letzten vier Jahre einschätzen will, würde jeder Mensch aufschreien und rufen, dass das nicht ginge. Warum also traut man dem Wähler genau solch ein Urteil in einem Fernsehduell zu?

Politik ist ein andauernder Prozess, bei dem die Meinungsbildung im Laufe der Zeit reift. Politiker und Parteien vermitteln ihre Vorstellungen also fortwährend, so dass die Bürger diese verstehen können. Die Menschen eigenen sich die Standpunkte im Laufe der Zeit an und urteilen dann, ob sie damit einverstanden sind oder nicht.

Warum hat die Politik es nicht geschafft, den Wählern ihre Positionen zu vermitteln? Warum braucht es überhaupt eine Fernsehsendung dazu? Warum ist der Bürger so unklug und will sich in einer 90-minütigen Diskussion eine Meinung bilden? Und warum will das Fernsehen hier als Aufklärer fungieren, obwohl sie die letzten Jahre jegliches kritische Hinterfragen der ausgeübten Politik vermieden hat?

Das Fernsehen suggeriert wieder einmal die falsche Message. Es suggeriert, dass der Bürger eine Wahl hat, nämlich zwischen Kandidat eins und Kandidat zwei. In Wirklichkeit geht es aber nicht um das „wen“, sondern um das „warum“. Warum sollte einer der beiden Kandidaten Kanzler werden und warum wäre er oder sie die richtige Wahl für Deutschland?

Wie man heute anhand der medialen Berichterstattung deutlich erkennen kann, gab das Fernsehduell darauf keine Antwort. Das kann es auch gar nicht, wie dieser Artikel verdeutlichen soll. Die Politik hat versagt, weil sie den Bürgern ihr Handeln nicht zu vermitteln vermag. Die Wähler trifft ebenso eine Schuld. Diese haben versagt, weil sie ihr Recht auf eine verständliche Politik nicht einfordern.

Ein Wähler braucht kein Fernsehduell, das ihm angeblich die Augen öffnet. Ein mündiger Bürger braucht eine durchgehend verständliche Politik. Alles andere ist nur eine mediale Inszenierung, von der sich der Bürger abwenden sollte.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This