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Eine Neuerung im Bundesarbeitsministeriums macht derzeit die Runde. Es wurde jetzt beschlossen, dass die Mitarbeiter am Abend und am Wochenende in Ruhe gelassen werden sollen. Keine Mails und keine Telefonanrufe sollen die Erholungsphase des Mitarbeiters stören. Das klingt zu himmlisch für die Arbeitnehmer-Ohren, als dass sie den Worten Glauben schenken könnten. In der rauen Wirtschaft traut sich bisher niemand, nicht abzunehmen, wenn der Chef klingelt.

Die Idee ist wirklich gut. Sie kommt zudem passend vor der Wahl und zeigt die Arbeitsministerin von der Leyen in einem arbeitnehmerfreundlichen Licht. Das sie sich schon ein ganzes Jahr Gedanken über dieses Thema macht und bisher den Dingen ihren Lauf gelassen hat, wird nicht thematisiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Neuerung im Bundesministerium für Arbeit. Mitarbeiter sollen nach Dienstschluss in Ruhe gelassen werden.

Jetzt stellt sich dem Leser schnell die Frage, warum nur das Arbeitsministerium das Wohl der Mitarbeiter im Sinn hat und die anderen Resorts nicht? Warum gilt eine, offensichtlich tolle Idee, nicht gleich für alle?

In einer Welt, in der Praktikanten für einen Hungerlohn ausgepowert werden und in der Mitarbeiter allzeit verfügbar sein müssen, erscheint diese eigentlich normale Regelung einem fremd. Man kennt nur den Chef, der einem immer wieder klar macht, dass man das Diensthandy bekommen hat, um auch erreichbar zu sein. Und wehe, der Mitarbeiter hat das nicht verstanden, dann hagelt es Ärger. Ebenso kennt man die E-Mail-Jünger, die sich, kaum zu Hause angekommen, gleich wieder an die E-Mails machen.

Alles muss scheinbar immer und sofort erledigt werden. Solange die Chefs den Druck hoch halten, spuren die Mitarbeiter. Für den Chef ist jeder Auftrag ist der wichtigste und jedes Angebot muss unbedingt innerhalb von Stunden heraus. Sie kennen das bestimmt. Warum also den Mitarbeiter schonen, es gibt doch so viele, denken sich die Unternehmen. Lahmt der eine Mitarbeiter, tauscht man ihn gegen den Nächsten.

Jetzt kommt so eine Initiative des Bundesarbeitsministeriums daher und sagt, damit ist nun Schluss? Das ist mal eine Kehrtwende. Die Idee ist gut und hoffentlich wird sie von den Chefs nicht ausgehöhlt (plötzlich wird alles dringend).

Die wirkliche Initiative muss von den Mitarbeitern kommen. Wenn diese eben Feierabend haben, dann müssen sie dafür einstehen. Abends und am Wochenende nicht ans Telefon zu gehen und E-Mails nicht zu beantworten, ist das das Beste, was dem Mitarbeitern passieren kann. Denn wenn alle Arbeitnehmer so vorgehen, dann wird das, was uns heute unnormal scheint, wieder normal.

Der Chef ist zur Dienstzeit der Chef. Irgendwann hat er sich auch zum Chef am Abend und am Wochenende gemacht. Das sollten die Arbeitnehmer nicht mehr dulden. Hoffentlich macht diese Einstellung die Runde und führt zu einem Umdenken.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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