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Wer gestern Aktien gekauft hat und sich heute über Kursverluste beschwert, der verdient es nicht anders. Das muss man so direkt formulieren, da es sich dem Betrachter nicht erschließt, warum jemand Aktien kauft, während sich die Weltgemeinschaft auf einen Militärschlag vorbereitet. Heute beginnt der DAX bereits schwach und baut seinen Verlust schnell deutlich aus. Man spricht von Unsicherheit an den Märkten. Hoffentlich wird aus Unsicherheit nicht bald Panik.

Dass der deutsche Aktienmarkt gestern die Geschehnisse rund um Syrien so teilnahmslos betrachtet hat, war tatsächlich überraschend. Wir hatten diesen Umstand aufgriffen (hier) und folgendermaßen zusammengefasst:

Dennoch, an der Börse kann kein externes Ereignis ohne Auswirkungen bleiben. Sobald die Strategie abgesprochen ist, wie man in Syrien vorgehen will, wird auch die Börse mit einer kleinen Verspätung auf den geplanten Militäreinsatz reagieren.

So passiert heute, was gestern bereits erwartet wurde. Die Aktionäre bekommen ein ungutes Gefühl. Erst verkaufen wenige, dann immer mehr. Handelscomputer beschleunigen die Abwärtsbewegung.

Gleichzeitig trommelt die USA immer lauter und ist sich sicher, dass der Giftgasangriff von der syrischen Regierung verübt wurde. Damit ist sie sich einer Antwort in Form eines Militärschlags sicherer. Diese Erkenntnis scheint den Marktteilnehmern nun zu dämmern.

Hinzu kommen weitere Faktoren, die die Verkaufsbereitschaft der Anleger verstärken. Der DAX kommt seit Monaten nicht vom Fleck. Irgendwann ist auch der stärkste Bulle ermüdet und wird nicht mehr gegen das Jahreshoch anrennen. Die amerikanischen Indizes (ausgenommen Nasdaq) haben schon seit Wochen den Rückzug angetreten. Die Märkte haben nicht mehr die Kraft und den Willen, weiter zu steigen. Sie haben auch nicht mehr den Mut, weiter Karten auf ein gebrechliches Kartenhaus zu bauen. Der ganze Börsenanstieg steht nämlich auf wackligen Beinen.

Nun kommt es darauf an, wie sich die Käufer aus dem Markt verabschieden. Wenn  die Anleger gleichzeitig aus dem Markt flüchten, dann fallen die Preise schneller, als es neue Käufer gibt, die Aktien erwerben wollen. Vor allem trauen sich bei einer Verschlechterung des Börsenumfelds viele Teilnehmer nicht, Aktien zu kaufen. So bleibt die Käuferseite dünn, während viele Verkäufer ihre Aktien abstoßen wollen. Ein zu großes Angebot trifft auf eine zu kleine Nachfrage, die Preise fallen.

Zudem kommen weitere Faktoren hinzu, die eine besondere Gefahr darstellen. Im Zuge eines guten Börenumfelds haben immer mehr Anleger wieder auf Pump Aktien gekauft. Besonders in den USA ist der Aktienkauf auf Kredit wieder besonders beliebt. Solch eine Zeit gab es schon beim Platzen der Neuer-Markt-Blase (an der Nasdaq: dot.com Blase).

Die Eigendynamik, die sich aus solch einer Konstellation entwickeln kann, ist enorm. Die einen Anleger wollen dabei sofort verkaufen, diejenigen, die auf Kredit gekauft haben, müssen bei fallenden Kursen verkaufen. Beides führt zu noch mehr Druck auf die Preise. Handelscomputer erkennen den Trend, auf fallende Kurse zu spekulieren. Hedgefonds wollen die Schwäche am Markt nutzen und setzen Leerverkäufe ein, um vom Kursrutsch zu profitieren. Der Markt fällt weiter und tiefer.

Der Grad zwischen kontrollierten Kursverlusten und einem panikartigen Abverkauf ist derzeit am Markt sehr schmal. Eine schöne Formulierung für solch eine Situation kommt aus dem Amerikanischen: "when panic, panic first". Übersetzt bedeutet das in etwa: "Wenn Panik aufkommt, reagiere als Erster".

In diesem Sinne.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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