Angebot

Europa stellt sich oft als eine Einheit dar. In Wirklichkeit jedoch handelt kein Land nach den Grundsätzen von Einigkeit. Kein Land würde im Notfall ins kalte Wasser springen und ein anderes Land retten. Kein Land würde sein letztes Brot mit einem anderen europäischen Staat teilen. Das einzige, was Europa bisher geeint hat, war die Aussicht auf Gewinne für die Konzerne. Jetzt, wo diese Einnahmequelle versiegt, ist sich jedes Land selbst das nächste.

Wenn Europa über sich selbst spricht, dann meist in den besten Tönen. Man lobt sich für die Gemeinsamkeiten, für die starke Einheit, die man bildet. Man stellt sich als etwas dar, das man gar nicht ist. Dass Europa nie einheitlich war, weiß man nicht erst seit Ausbruch der Schuldenkrise. Denn solange das Gewinnmachen funktionierte, auf Schuldenbasis wohlgemerkt, da hat sich niemand aufgeregt. Der Bruch unter den europäischen Staaten kam erst deutlicher zutage, als die Not größer wurde.

Jetzt, wo sich die Arbeitslosigkeit in Europa auf Rekordniveau befindet und jetzt, wo die Kassen in jedem Land knapp sind, jetzt erst zeigt sich, wie vereint Europa wirklich ist: Nämlich gar nicht. Jeder versucht, sich an den letzten Strohhalm zu krallen. Jeder versucht, seine Bonität so gut wie möglich zu verteidigen. Jedes Land denkt an sich und an die eigenen Risikoaufschläge, die es zahlen muss.

Wenn Europa eine Einheit wäre, dann müsste man mit einer Stimme sprechen, man müsste sich gemeinsam gegen andere behaupten, man müsste füreinander da sein. Der letzte Satz klingt wie aus einer fremden Welt.

Diejenigen Nationen, die sich in der dominanten Rolle befinden, lassen die Schwächeren ihre Macht spüren. Man braucht nur die Art und Weise verfolgen, wie Frau Merkel und Herr Schäuble mit Griechenland oder Zypern umgehen. Das spricht Bände. Wo ist die vielbeschworene Einheit?

Europa lebt in einer Scheinwelt. Ein Projekt, das schon längst den Bach herunter geht, wird noch als erfolgreich vermarktet.

Wenn Europa eine Einheit wäre, dann müsste es sich gegenseitig keine Steine in den Weg legen, es müsste füreinander einstehen und gemeinsam Probleme lösen. Getreu dem Motto: Einer für alle und alle für einen. Von solch einer selbstlosen Haltung ist Europa sehr weit weg.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass hier von Einigkeit geredet wird, aber keine Einigkeit gelebt wird. Niemand sollte Beteuerungen glauben, dass Europa eine Einheit sei. Es ist ein Zusammenschluss vieler Staaten mit einer gemeinsamen Währung.

Von einem vereinten Europa profitierten in erster Linie die Konzerne (wie auch von dem geplanten Freihandelsabkommen mit den USA). Das haben sie lange genug getan und nun ist die Zitrone ausgepresst. Der europäische Bürger ist dabei nur Konsument, ein Nebendarsteller, ein Mittel zum Zweck gewesen.

Nicht die Bürger, nicht der Kontinent waren die Einheit, sondern die Konzerne.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This