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Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die Macht der Finanzindustrie immer weiter ausgedehnt. Ihr Interesse gilt es zu schützen, ihr Unmut muss vermieden und ihr Vertrauen muss gewonnen werden. Den Märkten wird jeder Weg geebnet und jedes Tor alternativlos geöffnet, damit das Wohl des Kapitals gewahrt werden kann. Bei aller der Konzentration auf die Märkte fragt man sich: Wie wichtig ist der Mensch überhaupt noch?

Besonders in den letzten Jahren hat die Fokussierung auf den Finanzmarkt unschöne Formen angenommen. Arbeitslosigkeit, Insolvenzen, Armut und Rezessionen sind alles Dinge, die man in der Gesellschaft bereit ist hinzunehmen, sofern der Markt keinen Schaden davonträgt. Das Hauptinteresse ist, die globalen Geldströme nicht zu stören. Sie erinnern sich bestimmt, wie lange und wie sehr darum gerungen wurde, dass die Gläubiger eines Staates der EU nicht für ihre Fehlinvestition bluten mussten. Man wollte unbedingt die Türen zum Kapitalmarkt offen halten.

Das Gleiche kennen wir von den Diskussionen um die Beteiligung der Gläubiger bei einem Schuldenschnitt. Immer und immer wieder wird vehement versucht, das Kapital der Geldgeber zu schützen. Es darf, so heißt es, nicht zu einem falschen Signal an die Märkte kommen. Man dürfe auf keinen Fall das Vertrauensverhältnis stören. Dabei ist es so, dass Geld niemandem vertraut. Nur der Mensch spricht ihm (dem Finanzmarkt) die Wertigkeit einer Vertrauensperson zu und macht sich damit zum Knecht des Geldes.

Wenn Geld nicht vertrauen will, dann fließt es nicht. Das erkennen Sie immer wieder daran, wenn der Interbankenmarkt gelegentlich einfriert. Dann leihen sich Banken untereinander kein Geld mehr. Warum machen sie das? Weil die verleihende Institution kein Vertauen hat, dass sie ihr Geld bald wiedersieht. Während also die Banken nichts auf Vertauen geben, ist das beim Mensch anders. Das ist ein großer Fehler.

Dabei ist der Mensch derjenige, den es zu schützen gilt. Ohne Menschen gäbe es die Banken nicht und es gäbe die Finanzindustrie nicht. Ohne die Menschen gäbe es auch keinen Kredit und auch keine Wirtschaft. Der Mensch ist derjenige, der die Zügel in den Händen halten müsste, doch in der Realität ist alles anders. Der Mensch hat nichts zu melden. Er gilt als Teil des Finanzapparates. Er ist derjenige, der das Geldvolumen der Märkte immer weiter vergrößert, indem er konsumiert und dafür Kredite benötigt.

Der Mensch hat es geschafft, sich selbst in die Abhängigkeit von Computern und Finanzmärkten zu manövrieren. Das Finanzmonster, das er selbst geschaffen hat, kann er nun nicht mehr kontrollieren. Ob das Risiken am Derivatemarkt sind, Blasen am Anleihe- und am Aktienmarkt oder um das unkontrollierte Verhalten von Zentralbanken. Offensichtlich ist alles aus den Fugen geraten und dennoch schafft es die Finanzmacht, sich auf den Beinen zu halten.

Dabei sind die Märkte bereit, auch über Leichen (über Menschen) zu gehen. Man ist gewillt, ganze Volkswirtschaften den sogenannten Bach runtergehen zu lassen. Man ist bereit, Menschen in Armut und Perspektivlosigkeit zu stürzen, nur um den eigenen kleinen Hintern zu retten. Verworren ist dabei die Rolle der Politik, die von den Menschen gewählt wurde, um die Interessen der Menschen zu vertreten. Die Politik jedoch dient der Finanzindustrie. Sie ebnet alternativlos jeden Weg der Rettung, um ja keine Katastrophe heraufzubeschwören. Dabei weiß niemand, ob es eine wirkliche Katastrophe geben wird, es reicht eben, die Angst davor zu schüren.

Der Mensch hat sich selbst in eine Sackgasse manövriert, aus der er sich nicht befreien kann. In der Konsequenz muss er nun die Macht der Märkte erdulden. So denkt er jedenfalls. Muss er das wirklich?

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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