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Aktionäre und die FED haben sich wieder lieb. Nachdem es bei der letzten Sitzung zu kleinen Unstimmigkeiten kam, hat Chef Bernanke gestern Abend den Anlegern bildlich zugerufen: "Kommt alle an meine Brust". Damit wollte der FED-Chef seinen "Ausrutscher" vom letzten Mal wieder gutmachen. Das ist ihm auch gelungen, wie man an den vorbörslichen Kursindikatoren erkennen kann. Einige Anleger fragen sich dennoch zu Recht: Was soll das ganze Hin und Her?

Die Frage ist berechtigt. Beim letzten Sitzungstreffen war die vorherrschende Meinung der FED, Liquidität aus dem Markt nehmen zu wollen bzw. die Anleger auf diesen Schritt vorzubereiten. Auch die FED erkennt, dass ihre bisherigen Maßnahmen konjunkturell nichts gebracht haben. Nur der Aktienmarkt erfreut sich immer neuer Höhen, die aber den Arbeitern und Angestellten keine Arbeitsplätze bieten, sprich, der Konjunktur bringt die Börsenhausse nichts.

An der Arbeitsmarktsituation hatte Bernanke bisher auch seine Politik festgemacht, dass er nämlich die Leitzinsen so lange niedrig lassen werde, solange die Arbeitslosenquote der USA nicht unter 6,5% fällt. Gestern war alles doch ganz anders. Bernanke sagte, es sei gar nicht gewollt, die Zinsen sofort anzuheben, wenn diese Marke erreicht ist. Die FED könne die Zinsen auch darüber hinaus weiter niedrig halten. Er ginge davon aus, dass die US-Wirschaft sich bessere, aber sie noch weiter Liquidität brauche.

Das ist schon ein Widerspruch in sich. Wenn es der US-Wirtschaft bessergehen würde, dann bräuchte die amerikanische Notenbank auch nicht soviel Geld bereitstellen. Das jedenfalls wollen die Anleger gar nicht hinterfragen. Steigende Aktienkurse sind schön, wer will da schon meckern.

Ebenso wird nicht hinterfragt, warum die FED in ihren Ankündigungen jetzt plötzlich umschwenkt. Erst hat sie wochenlang etwas anderes behauptet und nun macht sie kehrt und sagt eine lange Zeit der ultralockeren Politik zu. Das müsste die Anleger zum Denken animieren.

Der Grund für den Politikwechsel der FED ist das Vorpreschen der EZB. Sie hat den Märkten erst letzte Woche eine lange Zeit des billigen Geldes versprochen. Damit hat sie nicht das gemacht, was die FED gerne von ihr gesehen hätte, nämlich das die EZB ebenso beginnt, die geldpolitischen Zügel zu straffen. Da auch Japan zu den Staaten gehört, die die Märkte auf jeden Fall weiter mit Liquidität versorgen wollen, steht die FED unter Zugzwang.

Man muss genauer sagen, sie stand. Mit der gestrigen Ankündigung des FED-Chefs sind alle Probleme beiseitegeschoben, jedenfalls an der Börse. An Mutters Brust ist es für die Anleger eben am angenehmsten. Die Marktteilnehmer fühlen sich geschützt und werden ausreichend mit Nahrung versorgt. Bei solchen Aussichten kann es den Anlegern ja nur gutgehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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