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In der Wirtschaft ist schon lange kein Land mehr für sich selbst verantwortlich. Dies fällt besonders stark auf, seitdem die Welt global ist. Dadurch wird von überall her eingekauft und überall hin verkauft. Auch wenn man dabei nicht der Führende ist, reicht es auch, dass andere große Nationen erfolgreich sind. Diese nennt man Konjunkturlokomotiven. Sie ziehen die anderen Staaten mit ihrem Erfolg hinter sich her. Doch was passiert, wenn die Lokomotiven ausfallen?

So langsam versteht es wohl jeder, dass die so lange beschworene Konjunkturlokomotive aus China eine Vollbremsung hinlegt. Wachstumsraten schrumpfen immer deutlicher, die Zentralbank will nicht mehr stützend helfen und alle haben Angst vor dem Platzen der China-Blase. Die Medien nehmen es schon vorweg, denn es wird kaum noch von der konjunkturellen Führungsmacht China geschrieben. Still ist es geworden um das Land der aufgehenden Sonne.

Lange hatte man sich auf die starke Leistungsfähigkeit Chinas verlassen. Immer, wenn Europa geschwächelt hat, immer, wenn die Konjunktur in Deutschland Schwäche gezeigt hat, dann wurde der Ruf nach der Konjunkturlokomotive laut. Sie sollte die Exportindustrie, besonders in Deutschland, wieder zu alter Kraft ziehen. Doch was passiert, wenn die chinesische Lokomotive stottert?

Manche wollen noch eine Zugwirkung aus den USA wahrnehmen. Die amerikanische Konjunkturlokomotive hat viel von ihrem vergangenen Glanz verloren. In dem Land geht kaum noch etwas. Es stellt ja selbst kaum noch etwas her (außer gesammelten Daten, aber das ist ein anderes Thema). Was passiert, wenn die amerikanische Konjunkturlokomotive nicht mehr ziehen will?

In beiden Fällen wird es den heimischen Wirtschaften dämmern, dass man sich zu sehr auf das Ausland verlassen hat. Das ist schon immer falsch gewesen, wurde jedoch im Rahmen des globalen Wettbewerbs als "alternativlos" hingestellt. Man hat sich nur auf den Export fokussiert und die Binnennachfrage vernachlässigt. Nicht umsonst blühen in Deutschland die minderbezahlten Jobs, die Leiharbeiter, die Billigkräfte. Das hat seinen Grund, man will die eigenen Produkte im Ausland verkaufen. Dabei will man die Kosten im Inland so weit wie möglich drücken. Dass Arbeiter und Angestellte im Land auch etwas verdienen müssen, um die in Deutschland hergestellten Produkte zu erwerben, wird einfach ignoriert.

Wenn Sie noch ein wenig positive Nachrichten aus Amerika und aus China hören und lesen, dann glauben Sie den süßen Formulierungen nicht. Manche Medien versuchen das Erstarken einer Konjunkturlokomotive herbeizureden, doch das stellt sich regelmäßig als Irrtum heraus. Das Wichtigste, was bei einem Aufschwung mitziehen muss, sind die Arbeitskräfte. Nur wenn diese eine Anstellung zu ordentlichen Konditionen finden, nur dann kann ein Aufschwung von Dauer sein.

Alles andere ist nur Schall und Rauch. Mal ein guter Indikator hier, mal ein positiver Konsumklimaindex dort, das alles taugt nichts. Auch ein kurzfristiges positives BIP oder Unternehmensgewinne sind nicht von Dauer. Jeder kann heute mehr herstellen und die Statistik steigern. Ob die Güter jedoch verkauft werden, das steht nämlich auf einem anderen Blatt. Jedes Unternehmen kann heute seine Gewinnsituation steigern, indem es Mitarbeiter entlässt. Kurzfristig funktioniert das und wird Statistiken in positive Bereiche schießen lassen. Langfristig lässt sich dadurch eine schwache Unternehmensentwicklung nicht aufhalten.

So ist es nun auch in Amerika und in China. Beide Konjunkturlokomotiven sind bereits am Bremsen. Das wird sich in Europa und auch in Deutschland auswirken, auch wenn viele es noch nicht wahrhaben wollen. Vielleicht wird man sich in Deutschland auch mal Gedanken machen, dass Globalisierung negativ sein kann. Dann nämlich, wenn man sich zu sehr in die Abhängigkeit von anderen begibt. Jedes Land muss, soweit es möglich ist, auf den eigenen Beinen stehen oder in den Worten der Lokomotive ausgedrückt, seinen eigenen Motor betreiben.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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