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In der Türkei wehrt sich das Volk gegen die diktatorische Herrschaft des Premierministers Erdogan und seiner AKP-Partei. Das ist auch gut so, da sich Erdogan zu sehr in das Leben der Menschen eingemischt hat. Gleichzeitig hat er die demokratischen Grundrechte beschnitten und den Lebensraum der türkischen Bürger eingeengt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Fass überlaufen würde. Nun ist es soweit, das Volk wehrt sich. Atatürk, der verehrte Staatsgründer der Türkei, wäre stolz.

Es ist leider in der Türkei so, dass jede Regierung irgendwann den Hang zum Machtwahn hat. Diese Entwicklung geht dann einher mit der Bescheidung der Freiheiten der Bürger. In der Vergangenheit war es das türkische Militär, das dafür gesorgt hat, dass die Verfassung geachtet wurde und dass Nachteiliges vom türkischen Volk abgewandt wurde. Die Generäle hatten immer einen Blick auf die Finger der Personen an der Macht.

Da Erdogan über diese Art der Kontrolle Bescheid wusste, hat er als erstes die Macht der Generäle zurückgedrängt, damit sie ihm nicht gefährlich werden konnten. Umso wichtiger ist es, dass das Volk nun nicht mehr die Generäle braucht, sondern selbst in der Lage ist, für sich und seine eigenen Rechte zu demonstrieren. Das ist ein enormer Fortschritt für die Menschen in der Türkei, die durch jahrelange Repressalien der Polizei (Stichwort: Folter) eingeschüchtert wurden.

Auch jetzt, bei den Demonstrationen um den Gezi-Park in Istanbul, ging die Polizei mit unangemessener Härte gegen die friedlichen Demonstranten vor. Das ist das übliche Vorgehen der Eliten an der Macht. Die Bürger sollen schnell eingeschüchtert werden. Hinzu kommen die vorschnellen Verhaftungen. Es ist ein wesentlicher Teil des Machterhalts der AKP-Partei, dass Menschen, die gegen ihre Meinung sind, einfach weggesperrt werden. Das ist nicht nur dieser Tage so, sondern schon seit der gesamten Regierungszeit der AKP.

Trotz aller wirtschaftlichen Erfolge des Premiers ist das Volk nicht zufrieden. Zu Recht, muss man sagen. Der Islam, dem sich die AKP-Partei verpflichtet fühlt, schleicht sich immer deutlicher in den Alltag der Menschen ein. Öffentliches Küssen ist in der Türkei nicht gewollt, das öffentliche Trinken von Alkohol auch nicht, das Produzieren von Wein wird nicht gern gesehen. Wer sich nicht angemessen kleidet, wird öffentlich zurechtgewiesen, wer eine andere Meinung als die öffentliche vertritt, ausgegrenzt.

Ganz in diesem Sinne sind die religiösen Werte in der Gesellschaft. Wer nicht am Freitag zum Freitagsgebet geht, der wird in der Türkei schief angesehen. Die Bürger müssen sich rechtfertigen, warum sie nicht die Moschee besuchen können. Soweit ist es schon in der Türkei. Kinder, die eine Koranschule besuchen, werden mehr geschätzt als Kinder, die eine normale Schule besuchen. Den Friseur dürfen Mann und Frau nicht gemeinsam besuchen, es gibt für jedes Geschlecht eigene Salons. Der Islam gewinnt schleichend die Überhand.

Internationale Korrespondenten vermischen oftmals den Eindruck, den sie aus den Großstätten wie Istanbul und Izmir haben, mit den wirklichen Zuständen in der Türkei. Die Türkei ist eben nicht nur Istanbul. Dort, wo die Reichen leben, wo man weiß, wie man feiert, dort, wo angeblich besonders viel Freiheiten herrschen. Nein, die Türkei ist immer noch eine ländliche Nation und viele leben noch von Ackerbau und Viehzucht. Genau dort sind die Menschen besonders gläubig und geben ihr Schicksal in die Hände von Gott und dem Premier Erdogan.

Wer sich also gefragt hat, warum Erdogan die Mehrheit in der Türkei innehat und warum das Volk diesen Mann gewählt hat, findet in Anatolien die Antwort. Die Menschen sind oftmals noch immer nicht gebildet genug, um die Machenschaften der AKP-Regierung zu hinterfragen und zu verstehen. Sie wählen diejenige Partei, die ihnen viel von Gott gibt und Dinge zu tun vorgibt, die von Gott (scheinbar) gewollt sind. Genau hier sind viele Bürger der Türkei leicht zu überreden. Gerne begeben sich gläubige Menschen in die Hände derer, die ihre Ideale vertreten. Das ist der Grund, warum die AKP in der Türkei punkten kann.

Die Wut, die sich bei den Bürgern aufgestaut hat, entlädt sich nun, da Erdogan sich eine Machtfülle angeeignet hat, die nicht mehr gut für das Land ist. Vor allem seine selbstherrliche Darstellung seiner Meinung und Überzeugungen sind oftmals nicht im Sinne der Bürger. Doch genau für sie sollte er sich einsetzen. Diesen Bruch haben die Menschen erkannt und trauen sich nun sich zu wehren, während sich der Premier noch immer unverstanden fühlt und mit Härte reagiert.

Diese Reaktion ist falsch und zeigt, wie sehr die AKP-Regierung die Menschen entweder nicht verstehen will oder verstehen kann, weil sie schon zu sehr in der eigenen Welt lebt und die Bürger nicht mehr kennt. Was auch immer zutrifft, beides wäre nachteilig für die Menschen im Land und deshalb ist es besonders lobenswert, dass sich hier Widerstand regt und sich auch nicht kleinkriegen lässt.

Atatürk, der Vater aller Türken, der sich schon immer für die Trennung von Staat und Religion eingesetzt hat, würde diesen Widerstand unterstützen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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