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Es ist schon unglaublich, wie leicht die Eurokrise lenkbar ist. Es gibt keine offensichtlichen Probleme mehr, die dem Wahlkampf der Kanzlerin im Wege stehen würden. Es ist vollkommen still um die Krisenstaaten geworden. Auch um die, die es noch werden wollen. Es scheint also möglich zu sein, die Krise temporär abzuschalten, wenn man sie nicht gebrauchen kann. Das ist nicht nur beängstigend, das ist Irreführung erster Klasse.

Frau Merkel hat es wieder geschafft. Pünktlich zu ihrem Wahlkampf ist jedes Krisenfeuer erloschen. Als wären die Dinge in Zypern nur ein Kapitel in einem Buch gewesen, so als hätte man es gelesen und abgeschlossen. Nichts kommt mehr durch die Medien an die deutschen Bürger, wie es sich heute in Nikosia und anderswo verhält. Gelegentlich werden Statistiken herumgereicht, die jedoch nur Beiwerk sind. Auf jeden Fall gibt es derzeit nichts mehr, was nach Krise aussieht. Ist das alles so gewollt?

Passend zu der besagten Entwicklung passt der Plan der EU, die Sparvorgaben nicht mehr so streng zu nehmen. Manche Staaten sollen mehr Zeit bekommen und Defizitgrenzen temporär reißen dürfen. Das wird plötzlich geduldet, war jedoch vor Monaten vollkommen unmöglich. Das hat bestimmt etwas mit dem Wahlkampf in Deutschland zu tun. Kanzlerin Merkel will jetzt auf der Schlussgeraden, in der heißen Phase des Wahlkampfes, nicht von Nebenkriegsschauplätzen abgelenkt werden. Für sie gilt es, eine Wiederwahl zu erzielen und damit an der Macht zu bleiben. Nur darauf kommt es an.

Nicht umsonst plant die Bundesregierung genau jetzt ein Kreditprogramm für kleinere Unternehmen in Südeuropa. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn den Firmen drückt es am meisten an fehlendem Geld. Damit es in den südeuropäischen Wirtschaften still bleibt, gibt man ihnen, was sie am dringendsten benötigen. Unternehmen erhalten Geld und die Bundesregierung hat Ruhe.

Man darf das große Ziel der Kanzlerin nicht aus den Augen lassen. Es geht um den Sieg in der kommenden Bundestagswahl. Dem muss sich alles unterordnen und dafür ist jeder Schritt recht. Plötzlich geht sie einen Schritt auf den ungeliebten französischen Präsidenten Hollande zu. Plötzlich reicht sie dem britischen Präsidenten Cameron die Hand, obwohl zuvor verhärtete Fronten herrschten. Alles nur, um jetzt keine neue Diskussion, keinen neuen Streit mehr zuzulassen.

Das gelingt der Frau Merkel auch. Jetzt, kurz vor dem Wahlkampffinale, ist es still um die Eurokrise geworden, genau so, wie sie es wollte. Es ist unglaublich, dass man die Eurokrise einfach so abschalten kann. Jedenfalls kann man sie aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängen, denn in Wirklichkeit geht die Eurokrise ungehindert weiter, die Probleme nehmen zu.

Die deutsche Regierung, angeführt von der Kanzlerin, ist in der Lage, den Werdegang der Eurokrise deutlich und in eigenem Sinne zu beeinflussen. Fast so, als wäre die Kanzlerin eine Dirigentin der Eurokrise.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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