Indikatoren-Trading

Haben Sie in letzter Zeit die Gelegenheit gehabt, mal mit einem Freund oder Kollegen zu sprechen, der im Aktienmarkt investiert ist? Womöglich hatte er strahlende Augen, als er darüber sprach, da seine Positionen im Depot deutlich im Plus sind. Sie haben sich mit ihm gefreut, haben sich jedoch gleichzeitig gefragt, ob er es schaffen wird, rechtzeitig dem Markt den Rücken zu kehren, bevor die Gewinne dahinschmelzen.

Es ist Ende Mai und es bleiben wenige Tage für all diejenigen Anleger, die die Börsenregel "Sell in May and go away" beherzigen wollen. Sich im Mai vom Aktienmarkt zu verabschieden hat sich vor dem Computerzeitalter als sinnvoll erwiesen. Seitdem die Anleger, die Trader und die Investoren in jedem Winkel der Erde zu jeder Zeit handeln können, ist der Wert dieser Börsenregel zurückgegangen. Dennoch, sich Gedanken über einen Ausstieg zu machen ist nicht falsch, denn ein echter Gewinn ist nur einer, der realisiert wurde.

An den Buchgewinnen sind schon viele Anleger gescheitert. Der Film, der dabei abläuft, ist immer derselbe. Man ist im Plus und fühlt so sicher in seiner Rolle als Anleger, der genau weiß, wie der Hase läuft, dass man bald immun gegen sämtliche Warnungen wird. Diese Sicherheit, die sich während des Anstiegs des Marktes als vorteilhaft erwiesen hat, nämlich das sture Festhalten an den eigenen Long-Positionen, kehrt sich bei fallenden Kursen ins Gegenteil um.

Die Investoren erachten jede kritische Information als ein Haar in der Suppe. Die Anleger glauben, es wird so sein wie in der Vergangenheit. Eine kurze Atempause am Markt und dann soll es mit neuen Kräften weiter gehen. Was in Wirklichkeit passiert ist, dass der Anleger mit dieser Haltung den Zeitpunkt zum Verkaufen oftmals verpasst.

Am Anfang dieser Phase wird das Abschmelzen der Gewinne als notweniges Übel hingenommen. Manchmal steigt der Markt, manchmal fällt er eben, so der gängige Gedanke. Irgendwann ist der Gewinn dahin und der Anleger sieht ein, dass er einen Fehler gemacht hat. Nun will er erst recht nicht mehr verkaufen, denn er war ja schon im Plus. Diesen Betrag betrachtet er als seinen Gewinnanteil, den er gerne wiederhaben will. Er hofft nun auf wieder steigende Kurse (so wie in den alten Zeiten eben).

Der Markt tut den Anlegern diesen Gefallen nicht. Die Kurse fallen weiter und die Anleger sind nun im Minus. Manch einer kauft nach, um seine Position zu verbilligen. Vor allem hofft er mit einer größeren Position schneller aus den Verlusten zu kommen und bei einem ordentlichen Anstieg (wieder hofft er auf die guten alten Zeiten) doppelt profitieren wird.

Irgendwann hält der Anleger dem Druck der Verluste nicht mehr stand und schmeißt hin. Er verkauft seine Anteile. Manche sind gar gezwungen zu verkaufen, da sie das Geld an anderer Stelle brauchen.

Ein Gewinn ist erst ein Gewinn, wenn man ihn realisiert hat. Sollte sich Ihr Freund oder Ihr Kollege noch über die hohen Kurse im DAX freuen, dann erinnern Sie ihn, dass er sich auch Gedanken um den Ausstieg machen sollte.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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