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In der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftswoche wird über den suspekten Verlauf des Goldpreises der letzten Wochen berichtet. Vor allem wird darauf hingewiesen, dass viele Put-Optionen wertlos verfallen wären, wenn der Goldpreis nicht so dramatisch eingebrochen wäre. Das führt zu der oft geäußerten Annahme, dass wenn das Großkapital fallende Kurse sehen will, es dann dieses Ziel auch erreicht, sogar bei der Fluchtwährung Gold. Das ist erschreckend.

Jeder weiß, dass der Goldpreis von sich aus nicht so dramatisch gefallen wäre. Das ist nicht mal ein Geheimnis. Und doch konnte nur durch das vertragliche Ankündigen von Goldverkäufen (echte Bewegungen fanden ja nicht statt, kein echtes Gold wurde verkauft) ein Verkaufsdruck erzeugt werden. Dieser erfreute alle Shortanleger (auch Besitzer der Put-Optionen), weil der Preis ihrer Wertpapiere stieg, je tiefer der Goldpreis fiel. Zusammengefasst bedeutet das: Wenn das Großkapital mit einer Wette schief liegt, dann kann es mit einer Hau-Ruck-Aktion die bereits fast verlorene Wette noch in einen Gewinn münzen.

So etwas führt jegliche Art einer Investition ad absurdum. Niemand kann heute mehr sicher sein, dass die ausgewiesenen Preise wirklich anhand von Nachfrage und Angebot gebildet wurden, und nicht von wenigen Marktteilnehmern, welche das Geld und vor allem den Willen haben, manipulativ vorzugehen.

Das klingt erschreckend, dass der Anleger an sich kaum Einfluss auf wichtige Bewegungen hat. Wie man an dem Verfall des Goldpreises gesehen hat, fiel der Preis pro Unze, ohne dass sich jemand diesem Treiben in den Weg stellen konnte. Bei feindlichen Firmenübernahmen taucht manchmal ein weißer Ritter auf, der das zu übernehmende Unternehmen verteidigt. Wer hat den Goldpreis verteidigt?

Ist der normale Anleger so ohnmächtig? Man muss diese Frage mit JA beantworten. Wenn es um ein manipulatives Eingreifen von Marktteilnehmern geht, dann zählt der Vorteil des Großkapitals und nicht die Gesetze des Marktes, die man sonst immer wieder so vehement verteidigt.

Wer bisher glaubte, dass an der Börse, an den Rohstoffmärkten, oder sonst irgendwo Nachfrage und Angebot aufeinanderträfen und es mit fairen und vor allem sauberen Mitteln zuginge, der sieht sich wieder einmal getäuscht. Diese Erfahrung sollte nicht neu sein. Immer wieder gibt es ein Verzerren des Kursverlaufs in einem Basiswert, das Anleger sprachlos dastehen lässt, weil sie sich darauf keinen Reim bilden können. Und dennoch, es passiert. Beim amerikanischen Aktienmarkt hält zum Beispiel das sogenannte PPT-Team (Plunge-Protection) seine schützende Hand über die Märkte.

Bei Gold ist der Preis besonders stark verzerrt worden. Denn Folgendes passt einfach nicht zusammen. Zum einen kam es zum massiven Einbruch im Preis, was auf starken (künstlichen) Verkaufsdruck hindeutet. Zum anderen aber gab es die ungebremste Nachfrage nach physischem Gold. Das passt einfach nicht zusammen und regt die Zweifel all derer an, die die „Normalität" der Kursbewegung des Goldpreises nicht verstehen können.

Für den kleinen Anleger gilt: Wenn er sich mit den großen Haien in einem Becken tummelt, dann muss er wissen, dass die großen Haie stärker, schneller und bissiger sind. Wer das vergisst bzw. nicht wahrhaben will, der wird schnell gefressen werden. Gegen die großen Markteilnehmer hat der einfache Investor einfach keine Chance.

Diese Tatsache wurde jetzt beim Verfall des Goldpreises erneut unter Beweis gestellt.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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