Indikatoren-Trading

Auch wenn es die Börsen noch nicht glauben lassen wollen, die Wirtschaft in Europa ist bereits in der Krise. Ihr größtes Problem ist der schnelle Wegfall der potentiellen Käufer ihrer Produkte. Diese können sich nichts mehr kaufen, weil einfach keine Arbeit und kein Geld da sind. Und dennoch rühmen sich noch viele Unternehmen mit positiven Quartals- und Jahresergebnissen und wahren den Schein, dass die Gewinne noch sprudeln. Das ist ein Trugschluss.

Am gestrigen Tag, als der DAX deutlich einbrach, da haben die Aktien der Automobilindustrie deutlich Federn lassen müssen. Das kam daher, dass diese besonders gerne in dem Land der aufgehenden Sonne ihre Produkte verkauft. Die Anleger schlossen aus der Schwäche der chinesischen Wirtschaft, dass die Aussichten ihrer PKW-Hersteller schlechter werden und in der Folge der Gewinn einbricht.

Noch ist es nicht so weit. Noch weisen die Unternehmen Gewinne aus. Diese sind jedoch nicht immer das, wonach es aussieht. Wer sich mit dem Thema Bilanzierung auseinandergesetzt hat, der weiß, dass sehr Vieles in der Bilanzwelt Ermessenssache ist. Wenn ein Unternehmen also den Schein wahren will, um positive Gewinne auszuweisen, obwohl die Umsätze schon nachlassen, dann ist das über Bilanztricks möglich. Das ist nicht mal ungesetzlich.

Unternehmen haben Spielraum, wie sie welche Investitionen und welche Einnahmen buchen können. So kann es sein, dass Gewinne vorgezogen werden und Kosten erst zu einem späteren Zeitpunkt gebucht werden können. Als Resultat hat man dann ein tolles Quartalsergebnis ausweisen, das vielleicht sogar die Erwartungen der Analysten übertrifft. Die Anleger freuen sich.

Trotzdem bleibt eine schwache Unternehmensentwicklung das, was sie ist. Die Frage ist nur, wie lange sich diese Situation kaschieren lassen kann. Ein Unternehmen kann nur Gewinne erzielen, wenn es wettbewerbsfähige Produkte hat, die es mit einer Gewinnmarge verkaufen kann. Alles andere sind Rechenschiebereien. Wenn also auf die Kostenbremse getreten wird und z.B. Firmenwagen und Unternehmensteile reduziert werden, dann ist das ein kurzfristiger Effekt, der die Ausgabenseite der Bilanz betrifft. Dennoch muss Geld ins Unternehmen kommen und das geht nur durch den Verkauf. Am Beispiel des Automobilsektors hapert es bereits seit letztem Jahr an den Verkäufen, dennoch können Gewinne ausgewiesen werden, aber die Absatzzahlen schrumpfen schon.

Gleiches gilt für die Maßnahmen zur Mitarbeiterentlassung. Fast alle Unternehmenslenker haben gelernt, dass man schnell an den Mitarbeitern sparen kann. Vor allem hat die Kostenreduktion direkt eine Auswirkung auf das Unternehmensergebnis. Verkauft das Unternehmen trotz schwierigen Umfelds noch seine Güter und senkt gleichzeitig die Kosten für Personal, dann kann vorübergehend der Gewinn stabil gehalten werden. Trotzdem ändert es nichts an dem Zustand, dass die Verkaufsaussichten schlechter werden.

Genau an diesem Punkt sind wir derzeit, wenn wir die europäischen Unternehmen betrachten. Deren internationale Märkte fangen an zu schwächeln. Chinesen wollen scheinbar nicht mehr ungehemmt einkaufen, wie man an dem sich abschwächenden Einkaufsmanagerindex verfolgen konnte. Auch die japanischen Konsumenten fallen als Käufer aus, da sie sich Importware kaum noch leisten können, da diese immer teurer wird. Das ist die Folge der bewusst herbeigeführten Yen-Schwäche. In Europa herrscht gleichzeitig Rekordarbeitslosigkeit und es besteht kaum Hoffnung auf eine Veränderung.

Das sind alles keine rosigen Aussichten für Unternehmen, auch wenn viele noch Gewinne ausweisen können. Trauen Sie daher dem Braten nicht.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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