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In der Schuldenkrise herrscht Stillstand. Es passieren keine Veränderungen, da die Akteure Staat, Bürger, Finanzinstitute und Zentralbanken alle miteinander verwoben sind. All diese Gruppen stehen in Abhängigkeit miteinander. Jeder kann dem anderen nicht seinen Willen aufdrängen, ohne dabei Konsequenzen zu fürchten. Aus diesem Grund können Banken fast alles machen was sie wollen, während der Steuerzahler emsig zahlen muss und der Staat dabei kuscht. Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig. Ein Erklärungsversuch.

Damit eine Party steigen kann, so wie in der Bankenwelt, braucht es Geld. Woher kommt Geld? Eine Variante ist: Das Geld wird erarbeitet. Das macht der Steuerzahler. Er verdient Gehalt und konsumiert. Dabei zahlt er in beiden Fällen (Einnahmen & Konsum) Steuern. Auch Unternehmen zahlen Steuern, sie wissen jedoch, wie man diese Last kleinrechnen kann. Der Staat gibt ihnen die Möglichkeit dazu. Den Großteil des Geldes stemmen die Bürger. Die zweite Variante ist, dass die Zentralbanken Geld drucken. Das machen sie derzeit fleißig, um die Probleme des Systems zu kaschieren.

Das Geld der Bürger fließt über Versicherungen, Fonds und andere Anlageformen an die Finanzwirtschaft (Versicherungen, Banken und andere). Das gleiche passiert mit den frischen Geldern der Zentralbank. Sie erreichen die Banken und diese können das Geld nach Belieben verwenden. In beiden Fällen landet Geld bei der Finanzindustrie. Was macht sie damit?

Zu einem Großteil kauft sie Anleihen von Staaten. Sie erhält dafür Zinsen bei gleichzeitigem Nullrisiko. Risikolos wird diese Aktion, weil ein Staat in der Regel nicht zusehen muss, das geliehene Geld am Ende der Laufzeit zusammenzusparen und zurückzugeben. Wenn es Zeit zum Abrechnen ist, dann leiht sich der Staat einfach neues Geld. Sie gibt neue Staatsanleihen aus, erhält dafür neues Geld und zahlt die Gläubiger aus. Da dieses Schneeballsystem schon ewig so geht, weiß sowohl der Staat als auch die Finanzwirtschaft, dass diese stille Abmachung für beide Seiten profitabel ist.

Der Staat kann seine unendlichen Ausgaben auf diese Weise kaschieren. Jedes Haushaltsloch wird über neue Schulden ausgeglichen. Die Regierung spricht dann freudig von einem ausgeglichenen Haushalt, was jedoch nur Augenwischerei ist. Das Geld für die immer weiter steigendenden Schulden kommt von den Käufern der Staatsanleihen. Diese sind Banken, Fondsunternehmen und Versicherungen, welche das Geld vom Bürger eingesammelt haben.

Sie merken schon, es hängt alles miteinander zusammen. Wenn nun der Staat den Banken die Handschellen anlegen will, indem er Anforderungen an deren Geschäftsmodell erhöhen will oder bestehende Regeln verschärfen will, dann grinst der Banker nur und weist dezent darauf hin, dass er die Haushaltskasse des Staates füllt. Das ist Erpressung, wird jedoch geduldet. Sofort macht der Staat kehrt und meint es doch nicht mehr so genau mit seinen Forderungen. Sie haben bestimmt verfolgen können, wie die Regierungen nach Ausbruch der Finanzkrise vehement nach verschärften Regeln gerufen haben. Es ist beim Ruf geblieben.

Im Grunde sind solche Ankündigungen nur Sand in den Augen der Bürger. Diese schimpfen auf die Banker, wenn diese am Zocken sind, und wollen Konsequenzen sehen, werden aber nur mit Ankündigungen hingehalten. Ändern tut sich nichts.

Aus demselben Grund war der Staat schnell zur Stelle, als es darum ging, die Banken zu retten. Die Banken (im größeren Bild betrachtet: die Finanzindustrie) bezahlen sozusagen die Diäten der Politiker, die Pensionen und andere Vergünstigungen derjenigen, die über die Finanzwirtschaft wachen sollen. Vor allem bezahlen sie den Ausgabenwahn der Regierung. Auch das ist eine Zockerei, das muss man so deutlich sagen. Keine Regierung will die Ausgaben kürzen (alle sind bereits süchtig nach immer neuen Schulden), sondern an dem bestehenden System nichts verändern.

Der Bürger könnte diesem (kriminellen?) Zusammenspiel von Staat und Finanzwirtschaft widersprechen und auf die Straße gehen, doch auch hier lauern erneut Abhängigkeiten. Viele Bürger leben vom Staat. Diejenigen, die Sozialleistungen beziehen, sowieso. Aber auch andere Hilfszahlungen wären davon betroffen, genauso wie Zahlungen an die Rentner, welche vom Staat gezahlt werden. Gefühlt hätte man also ein Drittel der deutschen Bevölkerung schon mit dem Staatsausgaben verwoben. Wenn die den Staat stürzen, dann auch ihre eigene Einnahmequelle.

Es ist verzwickt. Die besten Karten hat die Finanzindustrie, da sie an der Geldquelle sitzt. Sie kann diktieren, wem sie wann welches Geld zugesteht. Es fällt ihr leicht, andere zu erpressen. Na gut, so direkt wollen wir es nicht formulieren, sagen wir sie weist auf die Konsequenzen hin, wenn man ihnen ihre Macht einschränkt bzw. das Finanzkasino wegnimmt. Sie kann ebenso dem Staat drohen (kaufen keine neuen Staatsanleihen mehr), als auch dem Bürger (wenn wir fallen, sind eure Einlagen weg). Am Ende rührt sich keiner, weil niemand sich den ersten Schritt einer Veränderung traut, aus Angst vor den Folgen.

Aus diesem Grund hat sich seit dem Ausbruch der Finanzkrise nichts verändert. Die Banken verdienen Milliarden, der Staat gibt Milliarden aus und der Bürger erarbeitet fleißig die Milliarden. Die Abhängigkeiten sind so stark, dass niemand wirklich Veränderungen ohne nachteilige Konsequenzen durchsetzen kann.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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