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Am Beispiel Frankreichs lässt sich der Werdegang der europäischen Krise gut verfolgen. Die Franzosen wollen nicht mehr sparen. Sie sagen, sie wollen in der Zukunft kürzer treten, jedoch nicht sofort. Was immer das Land versucht, es kommt zu keiner Besserung. Das gleiche Leid kennen die europäischen Nachbarn aus dem Süden des Kontinents. Kein Land hat ein Heilmittel gegen die um sich greifende Krise, die immer mehr Länder erfasst. Die Krankheit Krise ist nicht heilbar.

Jede Regierung will den schmerzhaften Wandel umgehen. Dabei muss auf bisherige Bonbons verzichtet werden, der Beamtenapparat, den sich heute jeder Staat gönnt, ausgedünnt werden. Vor allem wird und muss das Ausgeben auf Pump vermieden werden. Das alles wollen die Regierungen nicht. Sie wollen so weitermachen wie bisher. Sie haben nur nicht mit der Macht der Krise gerechnet.

Keine Zentralbank und keine Regierung ist in der Lage, den Auswuchs der Krise zu unterbinden. Immer wieder kommen die Wunden zum Vorschein. Die Franzosen haben vor einem Jahr ihren Präsidenten Hollande gewählt, weil der ihnen Wachstum für das Land versprochen hatte. Er wollte der Krise so begegnen, wie man das schon immer macht. Mit Konjunkturspritzen, die eine neue Phase des Wachstums in Gang setzen sollten.

Damit sollten die französischen Unternehmen vermehrt Aufträge erhalten, Gewinne erziehen, Steuern zahlen, Mitarbeiter einstellen, diese Gehalt erhalten und verkonsumieren. Diese Theorie ist alt und greift heute nicht mehr. Die Krise ist immun gegen diese Art der Stimulation. Wie oft berichtet, handelt es sich diesmal nicht um eine Konjunkturdelle, sondern um eine Systemkrise. Diesmal müssen Veränderungen passieren, es geht nicht anders.

Erst kürzlich hat Frankreich mit der Billigung der deutschen Regierung beschlossen, noch mehr Geld auszugeben und damit auch Defizitgrenzen zu reißen. Italien hat sich sofort zu dem gleichen Schritt bekannt. Man will nicht sparen. Zu schmerzhaft sind die Folgen, wie man in Portugal, Spanien und Griechenland sehen kann. Das traut sich keine Regierung.

Es zeigt jedoch, wie sehr sich die Krise schon durchgefressen hat. Es gibt kein Mittel und keinen Weg, diese erfolgreich zu bekämpfen. Nicht, wenn man an dem Status quo festhalten will. Leider wollen das alle Staaten, da diese auf dem Prinzip der Schuldenmacherei aufbauen. Würden sie einer Änderung zustimmen, würden sie ihren eigenen Ast, auf dem sie sitzen, absägen.

Auffallend ist, dass sich Frankreich aufgrund seiner Größe in der Eurozone herausnehmen kann, seine Defizitgrenzen nicht einzuhalten. Man murrt zwar unter der Hand, aber niemand widerspricht öffentlich. Vor allem ist es offensichtlich, dass sich keine Regierung an die Regeln halten will, wenn es eng wird. In der Theorie war man sich einig, nicht zu viele Schulden zu machen. Doch in der Praxis, jetzt, wo der Wind rauer wird, will man von der Unterschrift, die man geleistet hat, nichts wissen. 

Je weiter sich die Krise durch Europa frisst, Frankreich und die Niederlande sind die nächsten Kandidaten, umso deutlicher wird, dass die Krise sich verselbständigt hat. Sie bestimmt die Regeln und den Grad des Schmerzes. Die Staaten reagieren nur und können aber sich nicht von dem Druck befreien, dem sie ausgesetzt sind.

Veränderungen in Europa werden nun nicht mehr gesteuert verlaufen können, sondern durch die Gesetze der Krise diktiert werden. Das wird sich nicht abwenden lassen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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