Indikatoren-Trading

Gerüchte machen die Runde, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung den Leitzins senken könnte. Das überrascht, da noch zum Jahreswechsel die Konjunktur in der Eurozone gelobt und gepriesen wurde. Für 2013 hatte man ein Wachstum vorhergesagt, welches jetzt ausfällt. Warum hat die EZB das getan? Wollten sie Zwangsoptimismus verbreiten? Wollten sie den Leuten eine heile Welt vorspielen? Solch eine Annahme liegt nahe, denn die EZB hat nämlich keine andere Wahl.

Natürlich weiß jeder, der es wissen will, dass die Eurozone nicht von den Landesregierungen, sondern von der EZB regiert wird. Die EZB sitzt bei jeder wichtigen Entscheidung mit am Tisch. Die EZB ist es, die bei einer Rettungsmaßnahme den Daumen nach oben dreht oder nach unten schwenkt. Die EZB entscheidet, ob es Geld gibt (die Staaten haben ja keines).

Aus diesem Grund wundert es auch nicht, dass nun die beteiligten Staaten alle gebannt auf die europäische Zentralbank blicken. Sie wollen von der EZB hören, wie die Wirtschaft wieder in Gang gebracht werden kann. Allerdings weiß diese auch keine plausible Antwort. Sie handelt, wie jede Zentralbank handeln würde, wenn die Konjunktur schwächelt: Sie spielt mit dem Gedanken, die Zinsen zu senken.

Die Hoffnung durch Leitzinssenkungen die Konjunktur aufzupeppen ist jedoch töricht. Folge Frage bringt schnell Klarheit: „Was haben die vielen Zinssenkungen in all den vergangenen Jahren gebracht?“ Wenn darauf keine positive Antwort zu erhalten ist, dann kann jeder mit Sicherheit davon ausgehen, dass auch eine jetzt folgende Zinssenkung nichts bringen wird.

Es heißt oft, die Zentralbank versorge den Markt mit Liquidität. In Wirklichkeit versorgt die EZB die Bankenbranche mit günstigem Geld, nicht die Wirtschaft. Die Unternehmen und Konsumenten müssen das Geld erst nachfragen, damit es in den wirtschaftlichen Kreislauf gelangt. Auch hier ist die Ausgangslage recht einfach. Die Konsumenten halten sich zurück und darüber hinaus noch Angst vor einem Arbeitsplatzverlust. Deshalb werden sie keine Kredite in Anspruch nehmen wollen.

Kein Unternehmen tätigt eine Investition, nur weil die Zinsen günstig sind. Zunächst muss es eine Möglichkeit geben, das Produzierte auch verkaufen zu können. Wenn dies nicht gegeben ist, warum sollte ein Unternehmen zum Beispiel neue Produktionsstätte hinstellen? Eben, das macht es nicht. Geht es in der Wirtschaft bergab, wie derzeit zu verfolgen, dann werden die Unternehmen auch keine anderweitigen Kredite benötigen, da sie ihren Verschuldungsstand nicht erhöhen wollen. Das klingt logisch. Das Geld der EZB bleibt bei den Banken und gelangt nicht in die Wirtschaft.

Damit ist die Wirkung einer Leitzinssenkung der EZB dahin. Denn sie kann jedes Jahr die Zinsen senken, ja sogar bis sie auf null sind, und dennoch wird nichts passieren. Jedenfalls nicht für die Konjunktur. Freuen können sich nur die Banken über das billige Geld (Milliardengewinne sind die Folge). Beim Verbraucher und bei den Unternehmen fruchtet die Maßnahme der Zentralbank jedoch nicht.

Dieser Wirkungsmechanismus einer Leitzinssenkung ist keine komplexe Sache und die Logik ist für jeden ersichtlich. Auch für die EZB. Sie kämpft hier mit einem stumpfen Schwert und aus diesem Grund muss sie von Zeit zu Zeit Optimismus verbreiten (siehe hier). Sie muss die Leute zum Konsumieren und die Unternehmen zu Investitionen animieren. Das erreicht sie dadurch (sie erhofft es sich), dass sie die zukünftigen Konjunkturerwartungen besonders optimistisch darstellt. Sie muss die tatsächliche Lage in der Eurozone deutlich beschönigen. Sie hat gar keine andere Wahl.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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