Service

In der Schule lernen wir die Grundprinzipien der Preisbildung. Ist das Angebot kleiner als die Nachfrage, dann steigt der Preis. Im Studium lernen wir die Details, wie sich Nachfrage und Angebot auf den Preis auswirken. Sind wir dann im Arbeitsleben, dann merken wir schnell, dass bei Produkten das Erlernte zwar anwendbar ist, jedoch in manchen Berufsgruppen dieser Preismechanismus versagt. So kann ein Erzieher händeringend gesucht werden, der Markt leergefegt sein und dennoch sein Gehalt nicht steigen. Warum ist das so?

Wer von unseren Lesern Kinder hat, die im Kindergartenalter sind, der weiß, wovon die Rede ist. In jeder Stadt, in jedem Kindergarten fehlt es an Erziehern. Das ist auch nicht verwunderlich, weil die Arbeit schlecht bezahlt wird. Es kommen keine jungen Leute nach, da diese sich nicht für einen "mageren" Lohn hergeben wollen. Der Markt ist somit leergefegt. Jetzt müsste nach der Marktwirtschaftslehre das Gehalt anziehen. Tut es aber nicht.

Das gibt zu denken. Während also Obst und Gemüse am Markt dem Preisbildungsmechanismus von Angebot und Nachfrage folgen, gilt das für Erzieher offensichtlich nicht. Auch bei Aktien kennt man diese Logik. Ist die Nachfrage höher als das Angebot, steigt der Aktienkurs. Aber beim Personal bzw. einigen Personengruppen ist diese Theorie nicht anwendbar. Nicht nur Erzieher sind davon betroffen, auch Krankenschwestern, Altenpfleger oder Lastwagenfahrer haben das gleiche Problem. Bei allen Personengruppen rührt sich trotz Mangel am Markt nichts am Gehalt.

Folgender Grund könnte für die Aussetzung des Marktmechanismus zutreffen. Die genannten Personengruppen sind für die Wettbewerbssituation, für den Profit des Unternehmens nicht relevant. Den Erzieherjob kann nach Meinung des Betreibers jeder machen. Das stimmt zwar nicht, jedoch denkt die Kindergartenführung so. Man ist also nicht in Eile, neue Erzieher anzuwerben, bzw. diese mit einem besseren Gehalt anzuwerben. Damit bleibt alles beim Alten.

Eher wird die Kindergartenleitung die Kinder in größere Gruppen stecken, als bessere Konditionen für die Erzieher anzubieten. In der Folge bleibt alles, wie es ist. Es wird zwar geklagt, es gebe keine neuen Leute, jedoch wird nichts unternommen, um neue Menschen für diesen Beruf zu animieren.

Anders verhält es sich in der IT-Branche. Dort herrscht auch Fachkräftemangel. Dieser Mangel äußert sich in höheren Gehältern für die Experten. Der Grund ist, dass die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens von einer funktionieren IT-Lösung abhängt. Zum Beispiel ist eine funktionierende Warenwirtschaftslösung elementar für den reibungslosen Ablauf. Daher kann und will auch kein Unternehmen die Arme verschränken, sondern muss quasi handeln, will es nicht gegenüber der Konkurrenz in Rückstrand geraten.

Das hilft natürlich dem Erzieher nicht. Sein Wert für die Erziehung der Kinder, für die wir immer das Beste wollen, wird nicht von der Kindergartenleitung gewürdigt. Daher bekommt er kein besseres Gehalt und seine Berufsgruppe auch nicht. Der Beruf des Altenpflegers wird nicht attraktiver gestaltet, lieber holt die Unternehmensleitung sich Pflegekräfte aus dem Ausland, um ja nicht mehr bezahlen zu müssen. Auch die Lastkraftwagenfahrer gehen bei der Hoffnung auf steigende Löhne leer aus.

Obwohl diese genannten Berufsgruppen wichtig sind, findet bei ihnen die marktwirtschaftliche Funktion der Preisbildung keine Anwendung. Der Markt kann eben doch nicht alles richten, manchmal versagt er eben auch.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This