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Nun hat es die deutsche Autoindustrie auch erwischt – die Autoabsätze gehen runter. Noch zum Jahreswechsel hat man sich als Musterschüler gegeben und grinsend den Problemen aus Spanien, Frankreich und Italien zugesehen. Da hat wohl jemand vergessen, dass alle im gleichen Boot sitzen. Wer zu viele Autos produziert, braucht sich nicht wundern, dass er nicht alle Autos verkaufen kann. Wer Arbeitnehmer entlässt, braucht sich nicht wundern, dass niemand seine Produkte kaufen kann.

Quer durch alle PKW-Hersteller ziehen sich die Minuszahlen. Fast alle verkaufen weniger als in der Vergangenheit. Nun ist eben auch Deutschland auf der Liste der Staaten, die Probleme mit ihrem PKW-Absatz haben. Im März 2013 wurden 17% weniger Autos in Deutschland verkauft als im Vorjahresmonat. Das ist starker Tobak. Eine Schwalbe macht bekanntlich nicht gleich einen Sommer, doch sie zeigt die Richtung an. Und diese ist vor allem schmerzhaft.

Die Automobilindustrie hat schon seit längerem Probleme, die sie einfach nicht angehen will. Es gibt keine Neuerungen, die möglicherweise auch nicht zugelassen werden. Die Diskussion um alternative Antriebe gibt es schon ewig. Lösungen auch. Nur angehen will das niemand. Also fahren alle noch mit dem Kraftstoffmotor, so wie wir das seit über 100 Jahren kennen. Damit die Menschen an eine Weiterentwicklung glauben, gibt es immer mal wieder ein kleines Elektroauto, das präsentiert wird. Das ist dann meist ein mickriges Ei, das natürlich schon bei der Vorstellung verloren hat. Im Grunde will man als Autohersteller hier Birnen mit Äpfeln vergleichen. Der Kunde sagt gleich „nein“ zum Elektroauto, da er seinen Komfort des aktuellen PKWs nicht aufgeben will.

Die Autohersteller würden am liebsten den Status quo behalten. Die Mineralölkonzerne auch, die Ölförderer sowieso. Vielleicht auch der Staat, der bei den vielen Vehikeln kräftig zulangt. Würde es wirklich zu einer Schrumpfung des Marktes kommen, was man jahrelang vermieden hat (man erinnere sich an die Abwrackprämie), dann würden viele Beteiligte Einnahmen verlieren. Möglicherweise will man das nicht.

Jetzt ist es so, dass ein Markt nicht ewig manipulierbar ist. Auch nicht den Automarkt. Wenn Menschen kein Geld haben, neue Autos zu kaufen, dann ist eben kein Geld für solch eine Anschaffung da. Wer Angst um seinen Arbeitsplatz hat, der kauft lieber einen günstigen Gebrauchten. Diejenigen, die durch Werksverlegung (Autoindustrie) ihren Arbeitsplatz verloren haben, kaufen auch keinen Neuwagen. Diejenigen, die in anderen Branchen entlassen wurden, können sich auch keinen mehr leisten.

Lange Zeit hat man das „Nicht-Leisten-Können“, durch Autokredite ausgeglichen. Die Käufer bekamen Kredite von Banken oder gleich von den Herstellern (Hausbank), um ja weiter Autos zu kaufen. Erinnern Sie sich daran, die Automobilindustrie will um jeden Preis den Status quo erhalten. Jetzt funktioniert auch dieser Weg nicht mehr, da Menschen, die keine Arbeit haben, auch keinen Kredit bekommen. Das gilt doch deutlicher für die Menschen in Südeuropa. Die Autoindustrie braucht sich also keine Hoffnungen machen, den heimischen Nachfragerückgang durch Exporte ausgleichen zu können.

Es überrascht daher nicht, dass die Automobilindustrie vor großen Veränderungen steht. Vor allem steht sie vor einer Zeit des Schrumpfens. Das tut zwar weh, aber wird denn gleich heulen? Es ist doch zum Wohle dieser Industrie.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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