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Die USA ist ein ganz besonderes Volk. Das konnte man auch gestern nach dem Bombenanschlag in Boston verfolgen, denn schnell wurde Stärke demonstriert. Klare Ansagen des Präsidenten füllten die TV-Bilder. Entschlossenheit wurde kommuniziert, Sicherheitsstufen wurden erhöht und die Gefahr von Terrorakten in allen Facetten ausgemalt. Kommt Ihnen das beim Lesen bekannt vor? Kann es auch. Die USA reagiert immer nach dem gleichen Muster. Auch die Börsenkurse reagierten wie immer in solch einem Fall.

Doch zunächst noch zum Präsidenten. Noch bevor irgendjemand irgendetwas zum Tathergang und zum Täter wusste, wurden bereits die Weichen gelegt. Es muss sich um einen Terrorakt handeln war die „Message“. Das wiederum gibt dem Präsidenten noch mehr Möglichkeiten, in das Leben der Menschen einzugreifen. In Wirklichkeit wusste man zu diesem Zeitpunkt nur eines: Man weiß nichts.

Die USA ist ein verängstigtes Volk. Sie stehen im Krisenfall nahe beieinander und versuchen, sich so Kraft zu geben. Vor allem stehen sie hinter ihrem Präsidenten, egal ob er Unfug von sich gibt oder Werthaltiges. Das liegt daran, dass die US-Bürger wenig das große Ganze verstehen. Sie sind nur effektgetrieben, so wie sie es aus Hollywood und dem Fernsehen kennen. Aus diesem Grund weiß auch die US-Regierung, welche Knöpfe sie drücken muss, um die entsprechende Reaktion in der Bevölkerung hervorzurufen.

Ein ähnliches Bild fand sich auch in den deutschen Medien. Bei spiegel-online war zu lesen: "Die Behörden rechnen mit weiteren Toten, deutlich mehr als 140 Menschen sind verletzt, davon viele schwer". Die Grundrichtung der Aussage ist schlicht Panik. Sie soll den Schreck der Nachricht an den Leser weitergeben. Das lässt sich einfach erfassen, wenn man sich den Mittelteil näher ansieht. Es heißt "deutlich mehr als 140 Menschen sind verletzt". Sind es jetzt 140 Verletzte und ein paar mehr oder sind es sehr viel mehr, vielleicht 190 Menschen? Wenn es mehr sind, dann müsste es auch eine greifbare Zahl geben. Die gibt es jedoch (zu dem Zeitpunkt) nicht, da man sich ja nur auf die offizielle Zahl von 140 Menschen stützt. Es geht also wieder um die Dramatik, um den Effekt, um die Angst, die man im Bürger hervorrufen will. Es geht jedoch nicht um Nachrichten. Das ist traurig.

Hat man sich gestern Abend den Kursverlauf der amerikanischen Börsen-Indizes an der Wallstreet angesehen, dann waren viele verwundert, dass diese deutlich im Plus geschlossen haben. Wollen die Menschen an solch einem Tag wirklich Aktien kaufen?

Nach dem ersten Schreck zur Eröffnung griffen starke Hände zu und ließen die Börsenkurse steigen. Immer weiter ging es nach oben. Es wundert auch nicht, dass die Indizes am Tageshoch geschlossen haben. Es ist eine Art der Antwort der USA, die sehr häufig anzutreffen ist. Sie zeigen ihre Stärke an der Wallstreet, eben, dass sie wieder aufstehen können und dass sie sich nicht einschüchtern lassen.

Börsenkurse haben nichts mit Stärke zu tun. Doch der einfache US-Amerikaner lässt sich gerne davon beirren. Es nimmt ihm den Schmerz für den Moment und gibt ihm etwas, woran er sich festhalten kann. Wundern Sie sich nicht, wenn bei einem nächsten Ereignis die amerikanischen Börsen wieder emporsteigen. Das hat schon seinen Grund.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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