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Merken Sie auch die gelegentlichen Heiß-Kalt-Attacken? Eben noch war es fröstelnd kühl und plötzlich ist es heiß. So verläuft die Krise in Europa. Immer wieder stehen wir vor Momenten, in denen das Schicksal Europas entschieden wird. Immer wieder ist eine Entscheidung von solch großer Bedeutung, dass die Bürger die Luft anhalten müssen. Warum muss es soweit kommen, warum wird nicht im Vorfeld solch eine Eskalation verhindert? Das sollte man von Eurorettern erwarten dürfen.

Wären die Euroretter tatsächlich in der Lage, eine Besserung der Lage herbeizuführen, dann hätten sie es bereits getan. Im Umkehrschluss bedeutet das: Sie wissen nicht, was sie tun. Monatelang war man mit der Rettung Griechenlands beschäftigt. Heiß ging es her, ob die Hellenen den Spardiktaten aus Brüssel folgen würden oder nicht. Dann gab es wieder Momente, in denen es still rund um die Eurokrise wurde.

Für den Beobachter zu still, denn an die gewollte Ruhe hielten sich auch die großen Medien. Manch einer sah die Krise schon als überwunden an, je länger die Stille anhielt. Politiker und Wirtschaftsvertreter untermalten die gefühlte Entspannung, dass das Gröbste hinter den Bürgern läge. Blogs und kleinere Medien wurden nicht müde zu widersprechen, dass von Krisenende nicht die Rede sein könne (www.krisenblick.de) und dennoch wurde die Krise totgeschwiegen. Das waren die Momente der Ruhe, die ein Ende der Gedanken rund um die Krise herbeiführen sollten.

Dann geriet die EU in Aufruhr wegen der Wahl in Italien, dann plötzlich, weil sie Zypern retten musste. Sie hatte schon lange Zeit, sich um die Probleme des kleinen Mittelmeerlandes zu kümmern (Zypern erbat bereits im Sommer 2012 Hilfe) und dennoch passierte nichts. Die Euroretter wollten die Phase der sommerlichen Ruhe wohl nicht stören. Oder wussten sie nicht, was sie machen sollten?

Diese Vermutung kristallisiert sich immer mehr heraus. Niemand, wirklich niemand unter den Eurorettern ist in der Lage, vorausschauend zu handeln. Keinem Politiker und keiner Institution ist es zuzutrauen, eine Lösung der Eurokrise zu erarbeiten. Sie wissen selbst nicht, was sie machen sollen und das erkennt man in jeder eilig herbeigerufenen Sitzung. Man setzt sich bis in die Nacht zusammen und spielt dann vor den Kameras den erschöpften Helden, der sich die Nacht zum Wohle der Bürger um die Ohren geschlagen hat.

Um die Bürger geht es in Europa schon lange nicht mehr. Jeder, der den Verlauf der Krise verfolgt, weiß, dass jeder Rettungseuro für die Rettung der Banken draufgeht. Aber auch das soll so lange wie möglich von den Eurorettern geleugnet werden. Wie lange werden die Bürger dieses unfaire Spiel noch mitmachen?

Die Euroretter zeigen sich nun wie die bekannten Hühner im Stall, die wild umherfliegen und viel Staub aufwirbeln. Sie wissen nichts weiter, als eilig Entscheidungen zu treffen, die sie so nicht gemeint haben. Siehe das Hin und Her rund um die Zypernrettung, die Enteignung der Bürger und widersprüchlichen Aussagen von Eurogruppenchef Dijsselbloem.

Wo sind wir jetzt? Die Euroretter wollen sich nur noch selbst retten. Die Deutschen denken nur an ihren Wahlkampf und wollen vor ihrem Volk gut dastehen. Die Franzosen wollen ihre Krise mit staatlichen Hilfen überpinseln. Präsident Hollande will Wachstum um jeden Preis. Spanien befindet sich schon am Abgrund. Italien ist kopflos ohne Regierung, Griechenland am Boden und Zypern ist scheinbar gerettet, aber befindet sich in Handschellen.

Wo bitte ist hier ein Ende der Krise zu erkennen? Fragen Sie doch mal Herrn Schäuble, der war sich zum Jahresende noch besonders sicher, dass das Gröbste hinter Europa liegen würde. „Wie geht es nun weiter?“, fragen sich all diejenigen, die den Eurorettern keinen Glauben schenken wollen. Die Euroretter haben den Kampf um eine Rettung der europäischen Gemeinschaft und der europäischen Währung schon aufgegeben. Sie handeln nicht, sie reagieren nur noch. Auf wen? Auf die Wünsche der Märkte.

Das, was die Euroretter lange Zeit verteidigt haben, ist ihnen nun über den Kopf gewachsen. Sie wollten die freien Märkte, sie wollten so wenig wie möglich Regulierung (was ihnen gelungen ist) und nun stehen sie dem Finanzmonster gegenüber, dem sie nicht mehr gewachsen sind. Folglich gibt der Markt den Takt vor. Wenn die Investoren den von der Pleite bedrohten Staaten kein Geld mehr geben will, dann muss die EZB springen und selbst Anleihen aufkaufen. Wanken die Banken in einem Land, so dass schnell das Wort systemrelevant aufkommt, dann eilt die EU zu Hilfe und stützt mit einem Kredit.

So werden die kommenden Monate weiterverlaufen, liebe Leser. Man wird in immer kürzeren Abständen von einer Krise in die nächste stolpern. Das passiert so lange, bis die Mehrheit der europäischen Bürger nicht mehr mitmachen will oder der Markt den Stecker zieht. Wir werden gemeinsam verfolgen, was zuerst eintreffen wird.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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