Service

Im Verlauf der Krise hat sich eine besondere Art der Behandlung herauskristallisiert. Was immer getan wurde, um die Krise zu verschlimmern, nie durfte das oberste Gebot angetastet werden: Die Sparer durften nicht aufgeschreckt werden. Das hatte seinen Grund. Die Sparer sind diejenigen, die das Geld erarbeiten und beisammenhalten. Sie darf man nicht aufschrecken, damit sie nicht weglaufen.

Die EU wusste schon, warum ihr die Sparer bisher am Herzen lagen. Man garantierte ihnen ihre Einlagen, man sprach von Sicherheiten und Garantien, vor allem unterstrich man, dass ihr Sparvermögen sicher sei. Das macht die EU deshalb, da sie die Sparer in Sicherheit wiegen will, damit sie weiter ahnungslos ihre Kreise drehen.

Man muss sich die Sparer als friedvolle Schafe auf der grünen Wiese vorstellen.  Sie haben nichts Böses im Sinn, können sich auch nicht vorstellen, dass jemand anderes ein böser Wolf sein könnte. Diese Gutgläubigkeit nutzen die Raubtiere. Die Sparer werden von Zeit zu Zeit gefressen oder zumindest zu Schur geführt, weil sie eben nicht vorsorgen.

Was nicht sein durfte, ist in Zypern geschehen. Das Vermögen der Sparer wurde angetastet. Man hatte die Sparer aufgeschreckt. Die Enteignung fand damit ihren Anfang auf der kleinen Mittelmeerinsel. Weitere Enteignungen werden in Europa folgen. „Vorbei sind die ruhigen Zeiten“, dachte man als Beobachter sofort. „Jetzt werden die Sparer ihre Konten räumen“, war die naheliegendste Interpretation. Die Zyprioten waren auch dazu bereit, nur durften sie bisher nicht an ihr Geld. EU und EZB haben Angst, dass ein Bankenrun die Institute und auch das Land in die Pleite stürzen würde. Am morgigen Donnerstag sollen die Banken wieder öffnen, aber Kapitalverkehrskontrollen werden den Handlungsspielraum der Sparer stark eingrenzen.

Nachdem die Sparer in Zypern in Aufruhr geraten waren, sollte man davon ausgehen, dass auch andere Sparer im Euroland den Wolf in Form der Troika erkannt haben sollten. Erwartet wurde wenigstens ein kleiner Bankenrun, der den Aufruhr der Sparer verdeutlichen sollte. Weit gefehlt. Die Sparer im restlichen Europa verhalten sich weiter ruhig. Sie glauben noch immer den Beteuerungen der Regierungen und glauben an den Einlagensicherungsfonds.

Es geht sogar soweit, dass in Deutschland die Bankkunden ihre Bank anrufen und besorgt fragen, ob ihre Einlagen sicher sind. Das wäre so, als würde das Schaf den Wolf fragen, was es heute Abend zu essen gibt. Natürlich sagt die Bank, alles sei in bester Ordnung und die Bankeinlagen seien sicher. Was soll die Bank auch sonst sagen?

Jetzt kommt der erschreckende Teil der Geschichte: Das Sparer-Schaf ist nach dieser Aussage der Bank wieder beruhigt.

Es ist kaum zu glauben, wie unbeeindruckt die Menschen nach den Geschehnissen in Zypern sind. Wer keine Vorsorge trifft, wird wie immer überrascht werden. So war das schon immer.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This