Indikatoren-Trading

Manchmal ist der Schein einer Sache schnell erkannt. Das, was einem als „X“ präsentiert wird, stellt sich schnell als ein „U“ heraus. So geschehen in Zypern. Die Regierung hat einen neuen Plan B zur Vermeidung des drohenden Staatsbankrottes vorgelegt und will damit auch die Forderungen der EU erfüllen, um an das Geld aus dem Hilfsfonds zu kommen. Bis gestern hatte Zypern kein Geld und brauchte dringend Hilfe und jetzt soll das Land plötzlich aus eigenen Mitteln die nötigen Milliarden zusammenbekommen? Das glaubt doch niemand.

Noch vor wenigen Tagen musste der Finanzminister von Zypern in Russland betteln gehen, um dort frisches Geld einzusammeln. Er musste mit Putin und Co schachern, ob man nicht Staatseigentum veräußern könnte oder eventuell den Russen Zugriff auf die Gasvorkommen des Landes gewähren könnte. Das alles nur, damit man die rettenden 5,8 Milliarden Euro zusammenbekommt, um in der Folge die Zahlung in Höhe von 10 Milliarden von der EU zu erhalten. Allerdings kam mit Russland kein Geschäft zustande. Die Russen haben abgelehnt, da sie nicht die Feuerwehr für die misslungene Rettungsaktion der EU sein wollten.

Zurück in Nikosia, der Hauptstadt des Landes, zückte die zypriotische Regierung plötzlich einen Plan B aus der Tasche. Dieser zeigt auf, wie das Land die nötigen Milliarden aus eigenen Mitteln, diesen Teil muss man doppelt lesen, zusammenbekommen kann und wird. So wird es jedenfalls kommuniziert. Das Geld soll aus Mitteln der Rentenkasse kommen, aus Mitteln der Kirche und die Goldreserven des Landes sollen verkauft werden.

Irgendwie klingt das gar nicht überzeugend. Noch am Anfang der Woche war das Land fast pleite und am Ende derselben Woche ist plötzlich Geld da. Das ist äußerst unwahrscheinlich. Wir hatten unsere Zweifel schon in dem Artikel: „Zypern: Gibt es überhaupt einen Rettungsplan?" geäußert. Die Regierung in Zypern will offensichtlich die Sparguthaben der Bürger verschonen, sich dafür aber das Vermögen der Allgemeinheit einverleiben, wie Goldreserven und Mittel aus der Rentenkasse.

Dass die Zyprioten wirklich einen Plan haben, ist derzeit zu bezweifeln. Sie hangeln sich von einer Aktion zu nächsten. Sie lassen die Banken geschlossen, versperren den Zugang der Bürger zu ihren Konten (Informationen über Kapitalverkehrskontrollen machen bereits die Runde) und wissen selbst nicht, ob sie der EU oder dem eigenen Volk die Stirn bieten sollen.

Das Vertrauen zwischen EU und Zypern ist jedenfalls dahin. Zwischen der zypriotischen Regierung und seinen Bürgern auch. Niemand vertraut dem anderen mehr. Daher wird auch kaum jemand einem Plan B Glauben schenken, der so plötzlich aus der Tasche gezogen wurde.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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