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Am Wochenende wurde viel über Zypern diskutiert. Vor allem, dass nun Sparer in die Rettungsmaßnahmen einbezogen werden sollen, war ein großer Stein des Anstoßes. Hinzu kam die Unsicherheit, dass niemand wusste, ob zu Wochenbeginn ein Bankenrun in Europa startet oder ob die Zyprioten sich weigern werden, den Vorschlag der EU überhaupt mitzutragen. Eigentlich sind solche Vorlagen ideal für fallende Kurse. Doch ganz im Gegenteil, scheinbar will niemand seine Aktien verkaufen. Der DAX gab bisher kaum nach.

Der Kursverlauf am gestrigen Montag ließ einige Beobachter staunen. Eine wiedererstarkte Krise in Europa und der DAX hält sich stabil? Da konnte man sich als Betrachter nur die Augen reiben. Schon der ganze Tagesverlauf hatte etwas Unnatürliches. Nach schwacher Eröffnung wurde ein Teil der Verluste schnell aufgeholt, danach ging es in kleiner Spanne seitwärts. Am Ende blieb nur ein Minus von 0,4% übrig. Was mag wohl  in den Köpfen der Anleger vorgehen, dass sie mit solch einer Sicherheit an ihrem Investment festhalten?

Denken die Börsianer vielleicht Zypern sei weit weg und die Vorgehensweise der EU ist eine Ausnahme? Oder denken die Anleger, dass die eigene Investition wenig mit den Geschehnissen rund um Zypern zu tun hat, so dass man sich keine Sorgen machen muss? Irgendwie fühlt sich das Verhalten der Börse nicht normal an. Der Aktienmarkt ist im Grunde ein scheues Tier. Jede Art von Unsicherheit lässt ihn normalerweise flüchten. Daher ist sein Verhalten suspekt.

Es könnte jedoch auch sein, dass die einseitige Betrachtung des Aktienmarktes die Anleger blind gemacht hat. Sie sehen nur die positiven Aspekte und glauben an weiter steigende Kurse. Der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Der DAX führt seit geraumer Zeit ein Eigenleben. Sich verschlechternde Unternehmensaussichten und die aufkeimenden Krise in Europa machen dem Index nichts. Schlechte Nachrichten prallen am Aktienmarkt ab.

Schon dieser Fakt ist mit Vorsicht zu genießen. Wenn Rahmendaten an der Börse keine Beachtung mehr finden, dann ist die Sorglosigkeit unter den Marktteilnehmern besonders groß. Das bedeutet, dass kaum noch ein Risiko am Markt als der Rede wert erachtet wird.

Die Anleger sind ja auch schon geübt in dieser Haltungsweise. Bereits seit knapp einem halben Jahr gibt es immer wieder Warnungen, dass der Aktienmarkt auf wackeligen Füßen steht, und dennoch steigt die Börse. Dadurch haben die Anleger sich eine dicke Haut angeeignet. Sie hören nicht mehr auf die Risiken, auch nicht auf die, die von Zypern ausgehen. So lässt sich erklären, warum die Anleger sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Unter diesen Umständen weiß gar niemand so genau, ob man sich mit dem DAX freuen oder über diese Unnatürlichkeit im Markt staunen soll. Es stimmt etwas an der Verhaltensweise der Börse nicht. Auch wenn die Börse sich nach außen hin cool gibt, der Ruhe ist nicht zu trauen. Vorsicht war schon immer besser als Nachsicht. In diesem Sinne.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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