Indikatoren-Trading

Im Verlauf der Krise hört man immer wieder das Wort Sparen. Staaten hätten über ihre Verhältnisse gelebt und müssten sparen. Hilfsgelder gäbe es nur, wenn man auch sparen würde, so heißt es. Nur wer spart denn wirklich? Auch der Musterschüler Deutschland spart nämlich nicht, Unternehmen sparen nicht und Verbraucher geben alles aus, was sie haben. Alle reden vom Sparen, niemand scheint es jedoch wirklich ernst zu meinen.

Sparen heißt, sich einzuschränken. Das ist besonders schwer, da kaum jemand schon Erreichtes abgeben möchte. Besonders der Staat hat sich an die immer frischen Gelder der Investoren gewöhnt. Daher redet ein Staat gerne von Schuldenbremse oder ausgeglichenem Haushalt. Beides bedeutet aber, dass die Verschulderei weitergeht, es klingt nur schöner und kann den einen oder anderen Bürger glauben lassen, ein Staat würde es mit dem Sparen ernst meinen.

Die meisten Unternehmen, die man kennt, sind verschuldet. Sie nennen es ganz professionell „Fremdfinanzierung“, jedoch ist das nichts anderes als Kredit, den man sich geliehen hat und mit Zinsen zurückzahlen muss. Es ist heute im Unternehmensumfeld eher üblich, mit fremdem, geliehenem Geld zu expandieren oder zu investieren, als zunächst Rücklagen zu bilden. Das würde ja bedeuteten, dass das Unternehmen sparen müsste. Das will man jedoch nicht.

Die Verbraucher haben nie gelernt zu sparen. Wenn die Eltern im Zuge der Erziehung diesbezüglich nichts mitgegeben haben, dann fehlt dieses Wissen gänzlich. In Deutschland sind 6 Millionen Privatpersonen verschuldet. Viele davon legen ein falsches Konsumverhalten zutage. Ein Auto auf Kredit ist fast schon Normalität, das neue i-Phone muss sein, die Immobilie wird vollfinanziert. Das sind nur wenige Beispiele, wie Menschen auf nichts verzichten wollen und daher sich verschulden müssen.

Obwohl Verschuldung etwas Schlechtes ist, versucht der Staat nicht wirklich aufzuklären, denn geben die Verbraucher mehr aus (als sie haben), dann freut sich der Staat, da die Konjunktur angekurbelt wird. Unternehmen freuen sich auch, da sie ihre Produkte an den Mann bringen können. Woher das Geld für den Kaufpreis kommt, ist den Unternehmen egal.

Das steht im krassen Gegensatz dazu, dass alle Welt vom Sparen redet. Als Lippenbekenntnis klingt das Wort Sparen auch toll. Es klingt nach einer besonderen Leistung, was es zweifellos ist. Nur tatsächlich sparen will niemand. Besonders fordert man den Sparwillen bei den anderen (z. B. Griechenland, Italien, Spanien) ein. Das lässt sich halt leicht fordern, obwohl der Finanzminister Schäuble selbst nicht spart.

Die Lage ist verzwickt. Vom Arbeitnehmer wird Enthaltsamkeit gefordert (wir müssen sparen), während die Managergehälter steigen. Viele reden von Spritsparen und kaufen sich einen PKW mit ordentlich PS unter der Haube. Viele wollen sich beim Konsum einschränken, nur nicht wenn Weihnachten ist, nicht wenn Ostern vor der Tür steht, und auch nicht im Sommer, wenn es in den Urlaub gehen soll.

Alle reden vom Sparen. Reden ist bekanntlich zu jeder Zeit möglich. Reden ist nicht bindend. Reden kann bekanntlich jeder. Nur handeln, dass erfordert Willen und Stärke. Daher wollen alle reden, jedoch niemand wirklich sparen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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