Indikatoren-Trading

Im Laufe der Krise haben wir gelernt Dinge zu glauben, die nicht so sind, wie sie erscheinen. Man muss dem Betrachter nur oft genug etwas Falsches wiederholen, bis dieser es für wahr hält. So gesehen ist die erzählte Geschichte, Investoren würden Geschäfte machen und würden dafür Risiken eingehen, für die sie sich entsprechend entlohnen lassen, mit dem heutigen Wissensstand anzuzweifeln. Denn im Falle des Ausfalls musste ja gar kein Gläubiger einspringen.

Immer wieder lesen wir von Prämien für italienische Staatsanleihen, die aktuell gestiegen sind. Die Investoren würden höhere Zinssätze fordern. Und warum? Weil die Risiken gestiegen sind, dass Italien  in Zukunft seine Schulden nicht bedienen kann. Das klingt insoweit in Ordnung. Wer das Risiko hat, soll dafür entsprechend entlohnt werden. Die Gläubiger werden auch nicht müde, das Risiko besonders deutlich an die Wand zu malen, um ja noch eine Kommastelle aus dem Zinssatz herauszuholen.

Die Funktionsweise ist also einleuchtend. Ganz anders verhält es sich in Deutschland. Für stabile deutsche Staatsanleihen gibt es geringe Zinssätze. Für unsichere eben mehr. Wir sind demnach umgeben von zahlungskräftigen Investoren, die, auf der Suche nach ordentlich Rendite, verschuldeten Staaten Geld leihen wollen, sofern diese sich mit einem hohen Zinssatz zufriedengeben. Während uns heute dieser Mechanismus, Staat gibt Staatsanleihen heraus und der Investor kauft zu einem bestimmten Zinssatz, als normales Geschäft verkauft wird, müssen wir die Augen aufhalten, wenn der Notfall eintritt.

Geht man davon aus, dass Italien in der Zukunft seine Schulden nicht bezahlen kann, dann müssen wir genau auf die Reaktion der Gläubiger und die der Politiker achten. Denn obwohl die Regeln im Vorfeld klar waren, und die Investoren in guten Zeiten auch gutes Geld verdient haben, passiert im Krisenfall etwas ganz Ungewöhnliches. Plötzlich will der Gläubiger nichts mehr von seinem Risiko wissen, das er im Vorfeld bewusst in Kauf genommen hat.

Plötzlich mischt sich die Politik in die Geschehnisse in der Finanzwirtschaft ein, obwohl sie sonst immer wieder beteuert, wie sehr man die marktwirtschaftlichen Gesetzte achten sollte. Das alles haben wir im Falle Griechenlands schon einmal gesehen. Wenn nun Italien in die Knie gehen sollte und seine Schulden nicht zahlen kann, dann sollten wir genau hinsehen, dass sich die Investoren an ihren Teil ihrer Abmachung halten, nämlich den Verlust zu tragen, der ihnen durch dieses Geschäft entstanden ist.

Mal sehen, wann die Bürger aufhören, sich ein X für ein U vormachen zu lassen. Oft genug wurden die Gläubiger geschont. Oft genug hat sich der Investor seinem Risiko nicht gestellt. Damit sollte bald Schluss sein. Dann nämlich, wenn die Bürger die Pflicht des Gläubigers einfordern. Die Chancen stehen jedoch gut, dass diesmal die Gläubiger die Verluste aus ihren Geschäften tragen müssen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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