Angebot

Lange Zeit hat Deutschland die Sparpeitsche gezückt und die anderen Nationen vor sich hergetrieben. Diese konnten nicht anders und mussten vor der eisernen Sparkanzlerin kuschen. Mit der Wahl von Hollande in Frankreich und der Wahl von Bersani in Italien kommen der Kanzlerin zwei große Staaten abhanden, die nun ihren eigenen Weg gehen wollen, nämlich den in Richtung Wachstum. So langsam gehen Deutschland die Staaten aus, die Frau Merkel maßregeln kann.

Die wesentliche Nachricht ist, dass sich das Volk keinem Spardiktat unterwerfen will. Sowohl in Frankreich als auch in Italien haben die Bürger bewusst den Kandidaten ausgewählt, der sie aus dem Sparkorsett befreien will. Bersani hat auch nicht lange gefackelt und einen 8-Punkte-Plan vorgelegt, wie er die Probleme Italiens angehen wird. Die wesentliche Nachricht lautet: „Schluss mit dem Sparzwang“. Sowohl Frankreich als auch Italien eint, dass sie sich auf (schuldenfinanziertes) Wachstum konzentrieren wollen. Auch in Spanien wird die gleiche Strategie angewandt. Weg vom Sparen, hin zum Wachstum.

Inmitten dieser abtrünnigen Staaten steht jetzt Deutschland etwas isoliert da. Die guten Freunde aus Frankreich (zu Sarkozys Zeiten) sind der Kanzlerin nicht mehr wohlgesonnen, und auch die Freunde aus Italien (zu Montis Zeiten) gehören der Vergangenheit an. Spanien ist sehr stolz und will sich daher gar nicht erst etwas einreden lassen. Und was macht die Kanzlerin? Bisher erst mal gar nichts.

Es ist nun die Frage, ob Frau Merkel die Wahl der europäischen Bürger respektiert oder sich über deren Meinung hinwegsetzt. Die Bürger sind müde des Sparens, vor allem des zu Tode Sparens. Wir hatten schon mal in einem früheren Artikel geschrieben, dass Deutschland davon profitiert, wenn die anderen Nationen ausgebremst werden. Von Einigkeit und Gemeinsamkeit ist in Europa dieser Tage nichts zu spüren. Was aber kann die Kanzlerin machen?

Weiter die anderen davon überzeugen, dass zu Tode sparen besser ist, als feiernd unterzugehen? Blickt man zurück auf die Resultate der Kanzlerin von Portugal bis Griechenland, dann sieht man nur Verwüstung, soweit das Auge reicht. Offensichtlich war die Strategie der Kanzlerin falsch. Natürlich immer aus der Brille von Europa betrachtet. Für Deutschland hat sie wohl hier und da einige Konkurrenten ausschalten können.

Jetzt, wo Deutschland die Partner abhandenkommen, wird sich die Frage stellen, ob man nicht seinen eigenen Weg geht. Ein Deutschland, das nur zahlt, aber wo die Kanzlerin nicht mit ihrer Peitsche schwingen kann, das will Frau Merkel nicht. Da die anderen aber nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollen, muss sie einen Schlussstrich unter die "Partnerschaft" ziehen.

Auch wenn Deutschland jahrelang Sparen als den einzig richtigen Weg gepriesen hat, die Menschen rund um den Mittelmeerraum sind müde und ausgelaugt. Wer die Kraft hat, der bietet dem Spardiktat die Stirn. Deutschland muss nun sehen, wie es mit den neuen Kräften in Europa zusammenarbeiten will oder auch nicht.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This